Tief unten im Archiv des Geschichtsunterrichts von vor gefühlt einhundert Jahren klingelt es bei dem Wort Remagen. Der Ort liegt so gerade noch in Rheinland-Pfalz und grenzt mit seinen Ortsteilen an die outskirts von Bonn, das schon in Nordrhein-Westfalen liegt. Das löste den Klingelton nicht aus. Remagen liegt im Kreis Ahrweiler, die Ahr fließt hier in den Rhein, so nah wollten wir den Folgen der Flutkatastrophe gar nicht kommen. Das war’s aber auch nicht.
Der Prospekt mit einem Stadtrundgang bringt die Erklärung: Die Brücke von Remagen war‘s. Über die marschierten die Alliierten 1945 unerwartet einfach und damit schneller als gedacht in Deutschland ein.

Von unserem Stellplatz aus können wir die Türme sehen (als wir wissen, was wir da sehen). Mit unserer Camping-Schranken-Karte kommen wir auch durch die Tore, die einen direkten Zugang zum Rheinufer gewähren. Die Sonne scheint, wir machen eine Sightseeing-Wandertour entlang des Rheins.

Kurze Zeit später stehen wir vor den linksrheinischen Brückentürmen, in denen heute das Friedensmuseum beheimatet ist. Die Brücke wurde 1916-1918 gebaut, um Militärtransporte in Richtung Westen zu vereinfachen. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb sie eher von geringer Bedeutung. Hitler befahl Ende Februar 1945 die Sprengung, damit die Alliierten nicht den Rhein überqueren konnten. Allerdings sollte die Sprengung erst durchgeführt werden, wenn der Feind quasi vor der Tür stand. Alles war bereit, doch es war zu wenig Sprengstoff angebracht worden. Die Brücke hob sich etwas an, um dann wieder auf ihre Stützpfeiler zu fallen.

So konnten am 07. März insgesamt 8000 Soldaten innerhalb von 24 Stunden trockenen Fußes den Rhein überqueren. General Eisenhower war begeistert, Hitler weniger. Der entsandte ein „Fliegendes Standgericht“, dass die fünf verantwortlichen Offiziere zum Tode verurteilte. Vier Todesurteile wurden sofort vollstreckt, der fünfte Offizier war zu seinem Glück bereits in amerikanischer Kriegsgefangenschaft und überlebte.

Am 17. März hielt die Brücke den Belastungen durch Sprengversuch und Truppenbewegungen nicht mehr stand. Sie stürzte plötzlich ein, 30 amerikanische Soldaten überlebten das nicht.

Die Sonne scheint so schön, daher verzichten wir auf einen Besuch des Museums und gehen weiter Richtung Remagens Rheinpromenade. Die Bebauung stellt sich als eine Kompilation des fragwürdigen Baugeschmacks dar.

Der Caracciola-Platz, benannt nach dem erfolgreichsten deutschen Rennfahrer mit 143 Siegen, wer hätte das gedacht; Rudolf C., geboren in Remagen. Das Hinweisschild hat nur einen kleinen Fehler, Rudolf C. war zwar der erfolgreichste Fahrer Europas, allerdings nur vor dem Zweiten Weltkrieg. Und das mit der NS-Mitgliedschaft findet auch so gar keine Erwähnung.
Wir biegen dann Richtung Innenstadt bzw. Altstadt ab. Hier befand sich ein römisches Kastell, Teile wurden ausgegraben, die meisten römischen Überreste sind überbaut worden. Trotzdem bewirbt sich Remagen als Teil des Niedergermanischen Limes um Aufnahme als UNESCO-Welterbestätte. Kann man machen.


Der Elan für noch mehr Fotos reicht für die Fußgängerzone einfach nicht mehr aus. Aber beim Bäcker und Konditor Müller kaufe ich einen „Ehemann“. Das Gebäck hieß schon so, als die nicht mehr junge Verkäuferin ihre Ausbildung machte, wie sie erzählte, auch das Rezept sei noch dasselbe. Was soll ich sagen, schräger Name für ein sehr wohlschmeckendes Gebäck.
