Die kurze Geschichte, wie wir anstelle einer Rheinüberquerung um die Schweiz zu sehen auf einem Berg im Breisgau gelandet sind, um den Schnee zu sehen

Nach den vielen Regentagen sollte es heute zwar kalt, aber trocken bleiben; beste Bedingungen für einen Ausflug. Wir wollten mit der Bahn nach Bad Säckingen am Hochrhein fahren, ca. 35 km flussaufwärts. Dort gibt es eine gut 200 Meter lange, gedeckte Holzbrücke (die längste dieser Art in Europa), die in die Schweiz führt. Schon seit tausend Jahren steht an dieser Stelle eine Brücke, immer mal wieder wurde sie zerstört und dann wieder aufgebaut.

Um die Einleitung kurz zu halten: Wir verpassten den Zug, der nur alle zwei Stunden in die Richtung fährt, um 30 Sekunden. Wir sind uns nicht sicher, ob der Zug überhaupt gefahren ist, denn wir müssen zweimal durch die Bahnunterführungen gehen. Wir hätten doch etwas hören müssen. Dass die farbbesprühten Lärmschutzwände so gut schützen, ist kaum vorstellbar.

Egal, der Zug war nicht da, als wir da waren. Was tun? Der nächste Zug würde nach Freiburg fahren, zwanzig Minuten später. Da die Sonne schien, warteten wir. Wir warteten dann noch einmal fünfzehn Minuten länger, dieser Zug hatte Verspätung. Nein, wir waren nicht übermäßig genervt. Der Zugführer erzählte später, dass er den Zug kurz vor der Abfahrt in Basel umsetzen musste, da sich ein ICE quer über alle Weichen gestellt hatte. Da ist man dann doch froh, dass man mit der Konus-Gästekarte nur die RB benutzen darf.

Kurz vor Freiburg begann es in Strömen zu gießen, wir waren, da wir ja eigentlich in die andere Richtung fahren wollten, auf trockenes Wetter mit Sonnenschein eingestellt. Doch als wir aus dem Hauptbahnhof traten, war ein blaues Himmelsloch über uns. Perfekt, dann vielleicht statt des Museumsbesuches doch eine kleine Wanderung.

Die Straßen sind noch nass vom Regen, und die Weihnachtsbeleuchtung wird schon aufgehängt.

Doch zunächst benötigten wir eine kleine Stärkung. Das kleinste Freiburger Wahrzeichen ist die „Lange Rote“, die Münsterwurst. Sie wird auf den Münstermarkt verkauft und schmeckte uns gut.

Laut Prospekt ein „absolutes Muss für jeden Freiburg-Besuch“, und zu lang für‘s Brötchen, wird schon gleich zerteilt.

Dann ging es weiter Richtung Schlossberg. Wir wollten ganz nach oben zum Aussichtsturm. Die Schilder führten uns mehr oder weniger, wenn sie nicht besprüht, eingewachsen oder an einigen Weggabelungen schlicht nicht montiert waren.

Ganz früher, also seit dem 11. Jh. stand oben drauf auch eine Burg, die Burghaldenschloss genannt wurde. In der wechselhaften Geschichte Freiburgs wurde sie befestigt, erobert, in eine Festung einbezogen, um dann Mitte des 18. Jh. doch komplett zerstört zu werden. Vom Kanonenberg auf gefühlt der halben Strecke hat man schon einen sehr schönen Ausblick. Wir mussten nur den vielen Schlammpfützen ausweichen und dem sehr jungen Liebespaar, das die einzige Bank knutschend besetzte.

Blick in den südlichen Schwarzwald
Blick auf Freiburg, natürlich mit Münster
auch Freiburg, diesmal mit der Brauerei Ganter (gelbe Gebäude) im Zentrum

Vor 150 Jahren wurde damit begonnen, den Schlossberg als Naherholungsgebiet zu gestalten. Es gibt viele Wege von breit bis schmal und Treppen, so dass man auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sein kann. Wir schlängelten uns die Wege bergauf, manchmal in Serpentinen, manchmal etwas querfeldein, Hauptsache, der Pfad führte bergauf. Insgesamt stiegen wir in relativ kurzer Zeit ca. 53 Höhenmeter hinauf. Da war er endlich zu sehen, der Turm:

Natürlich wollten wir da auch noch hinauf, um den Rundumausblick zu genießen und die schneebedeckten Berge des Schwarzwalds zu fotografieren. Gesehen hatten wir sie schon aus dem Zugfenster bei der Hinfahrt. Aber unser Kreislauf machte nur bis zum ersten Plattformring mit. Für ein Foto reichte es, dann mussten wir schnell wieder hinunter.

Bergab geht es ja immer schneller, es blieb nicht einmal Zeit für Fotos. Unten am Schwabentor kamen wir wieder in die Altstadt.

Nach einer weiteren Stärkung traten wir wieder den Heimweg an.

Wir hatten Glück, während unseres gesamten Aufenthalts in Freiburg blieben wir trocken.
Übrigens war Erasmus von Rotterdam auch in Freiburg für eine Weile ansässig. Kein Wunder, Freiburgs Universität wurde bereits 1457 gegründet. Erasmus wohnte von 1529 bis 1531 hier im Haus zum Walfisch mit dem auffälligen spätgotischen Portalerker.

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