Kandern hat ´nen Macke

Kein Schreibfehler, es handelt sich um August Macke. Der verbrachte bis zu seinem frühen Tod viel Zeit in Kandern: „Ich kenne keinen Ort, der derart klassische Motive aufzuweisen hätte wie dieses herrliche Kandern“, schrieb er in einem Brief an seine zukünftige Frau. Aus diesem Grund gibt es in dem Ort einen August-Macke-Rundweg, und aus diesem Grund sind wir hier. Und weil wir einen der allerletzten warmen Tage ausnutzen wollten für einen kleinen Spaziergang in der Sonne.

Wir sind mit dem Auto gefahren, die historische Dampfeisenbahn, s’Chanderli, fährt nur in der Saison und die Busverbindung ist recht dürftig. Um die Schilder des Rundwegs zu finden, muss man an vielen Stellen pfadfinderisch begabt sein, so klein und versteckt sind sie manchmal angebracht. Dafür führt uns der Weg durch Ecken von Kandern, die wir ohne den Rundweg niemals gefunden hätten.

Einen Plan aus Papier gibt es auch, doch dort ist der Weg sehr idealisiert eingezeichnet.

Schon als Jugendlicher hielt Macke sich in Kandern auf. Er wohnte bei seiner älteren Schwester, die den Wirt des Gasthauses „Krone“ geheiratet hatte, fuhr mit der Kutsche Gäste durch das Markgräflerland, zeichnete und schrieb.

Später zog seine Mutter ebenfalls von Bonn nach Kandern und wohnte bei ihrer Tochter im Gasthaus. Beide Frauen sind auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Die Gräber liegen natürlich auch auf dem Rundweg.

Macke hielt Ansichten der Stadt und der Umgebung in seinen Gemälden fest. Heute gibt es zahlreiche Gebäude zwar nicht mehr, aber an einigen Stellen kann man die Motive noch gut nachvollziehen.

Vielleicht stand an dieser Stelle die Staffelei für das Bild „Wäsche im Garten in Kandern“ von 1907.
So ähnlich sieht es auf dem Bild „Straße mit Kirche in Kandern“ von 1911 aus.

August Macke zog dann, wie so viele junge Männer und Malerfreunde damals, freiwillig und begeistert in den I. Weltkrieg. Total bescheuert und schade um die Bilder, die nicht mehr gemalt werden konnten. Nach der Tunisreise 1914 hielt er sich noch einmal einige Wochen mit seiner Familie in Kandern auf und malte eine letzte Serie von Aquarellen mit Ansichten der Umgebung.

Dieser Blick stand Motiv für „Kandern IV“ von 1914.

Zurück in Bonn, seinem Heimatort, zog er in den Krieg und fiel gleich im selben Jahr in Frankreich, 27-jährig. Er hinterließ eine Frau und zwei kleine Kinder. Auch nach dem Tod des Ehemanns/Vaters kamen die drei immer wieder zu Besuch nach Kandern, die Schwiegermutter und Schwägerin lebten dort weiterhin.

Der Rundweg führte zum Teil an dem Flüsschen Kander entlang.
Gleich sind wir auf der Holzbrücke.
Das Krebsschutzblech auf der oberen Stufe verhindert, dass invasive Signalkrebse flussaufwärts wandern und die heimischen Arten Dohlenkrebs und Edelkrebs mit der Krebspest infizieren und aussterben lassen.

Die örtliche Sekundarschulen heißt, wen sollte es verwundern, August-Macke-Schule. Sie liegt nicht nur wegen ihres Namens auf dem Rundweg, sondern weil die Schülerinnen und Schüler einen Wandfries mit Motiven Mackes gestaltet haben, was das Gebäude wirklich aufwertet.

Nach dem Rundgang hat Kandern für uns aber nicht mehr viel zu bieten. Auf einen Besuch des Keramik- und Heimatmuseums verzichten wir. Das wäre vielleicht noch interessant gewesen, denn Kandern gilt als Keramikstadt und auch Macke gestaltete selbst Keramiken. Uns genügt der Blick auf das Haus des Keramikmeisters Hakenjos auf dem Rückweg zum Auto. Es wurde auch langsam kühl.

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