Neues Zelt – neues Glück

Der Campingplatz, auf dem wir hier gelandet sind, heißt Waldesruh. Von einem Wald ist weit und breit nichts zu sehen. Eigentlich liegt der Platz mitten in einem Maisfeld. Der Maishäcksler gibt sich alle Mühe, auch die Ruh’ nicht stattfinden zu lassen. Doch jedes Feld ist irgendwann abgeerntet. Danach ist es wirklich sehr still.

Der Wald ist in der Zeit allerdings nicht nachgewachsen. Wir sind umgeben von immergrünen Lebensbäumen und haben das Gefühl, in einer Kleingartenkolonie zu stehen.

Hier steht der Wohnwagen hinter der Hütte, Holzhütte statt Vorzelt.
Kein Kommentar!

Groß ist der Platz nicht, und viele der jetzt noch bewohnten Wagen sind mit Dauercampern belegt, die auch wirklich dauernd hier wohnen.

Insgesamt strahlt der Platz etwas sehr abgerocktes aus. Man fährt auf ein aufgegebenes Bauerngehöft zu, so der erste Eindruck. Nur der Schlagbaum kennzeichnet den Campingplatz, der wohl auf der ehemaligen Hauskoppel eingerichtet wurde. Die Betreiber haben ihn erst vor zwei Jahren übernommen und werkeln nach Feierabend nach ihrem normalen Job so vor sich hin. Im Moment wird das Sanitärgebäude (hellgelb) von außen gedämmt. Innen sind sie fertig und man bekommt einen Eindruck davon, wie es insgesamt werden könnte. Aber so lange wollen wir hier nicht bleiben.

Heute Vormittag ging es zum Händler nach Bad Salzuflen, um unser neues Vorzelt zu holen. Wir haben es bei eBay-Kleinanzeigen gefunden, ein Ausstellungsstück mit ein paar kleinen Macken zum Selbstabbau. Dafür gibt es das gute Stück 30,76% günstiger, und: es ist ein Vorzelt von Isabella! Die größere Macke, ein Loch in einer der „Fensterscheiben“, wurde schon im Vorwege zur Reparatur nach Dänemark geschickt. Ob das Paket rechtzeitig wieder da sein würde, war aber nicht sicher. Der zweite Mängel ist mit dem Allzweck-Panzer-Klebeband gut und fast unsichtbar selbst zu beheben.

Dann mal los! Eine Mitarbeiterin half uns mit Tipps und Tricks zum Abbau weiter (und passte sicherlich auch auf, dass wir nur die Dinge einpackten, die zum Gesamtpaket gehören). Nach 50 Minuten war alles abgebaut und verpackt – und das beste: das Paket aus Dänemark war morgens schon geliefert worden! Das Zelt bekamen wir also komplett mit. Welch ein Glück, denn so müssen wir nicht so viele Tage auf dem Campingplatz verbringen und auf die Post warten.

Zurück auf dem Platz begann das Puzzle erneut, diesmal ohne hilfreiche Worte, sodass wir nach den ersten vergeblichen Ratespielchen („Gehört die Stange jetzt nach links oder nach rechts? Was ist eigentlich das hier?“) doch die bebilderte Aufbauanleitung aus der Info-Mappe zu Hilfe nahmen. Nach zwei Stunden (inklusive alles noch mal von vorn) stand das Zelt in all seiner Pracht, sogar die Gardinen waren schon angeknöpft.

noch ohne Gardinen

Jetzt haben wir Platz, so viel Platz! Wir wissen gar nicht, was wir da alles hinstellen sollen. Morgen fahren wir noch einmal zum Laden, um einen passenden Zeltboden zu kaufen, unser inzwischen weitergereiste und zuverlässige Boden, den wir vor sechs Jahren auf unserer Tour in Schottland gekauft hatten, ist leider zu klein.

Unterwegs!

Nachdem wir ein paar Tage länger als gedacht zuhause verbracht haben, sind wir nun wieder unterwegs und erst einmal in der Nähe von Bad Salzuflen angekommen. Wir reisen ja selten mit einer konkreten Route im Kopf, sondern nur mit einer ungefähren Richtung. Die wies in den Südwesten Deutschlands, solange das Wetter noch mitspielen würde. Zwischenzeitlich erwarben wir aber fernmündlich ein neues Vorzelt für den Wohnwagen, das zu günstigen Konditionen eben in Bad Salzuflen steht. Das wollen wir, quasi auf dem Weg, abholen und damit weiterfahren. Unser „leichtes Reisevorzelt“ hat die letzen Sturmtage in Dänemark etwas beschädigt überstanden, wurde schon repariert, aber gleichzeitig für zu klein empfunden. Wenn die Gelegenheit günstig wäre, wollten wir es austauschen. Dass die Gelegenheit so schnell günstig sein würde, hätten wir auch nicht gedacht. Nun ist es zuhause geblieben, und wir durchqueren kurz mal den halben Norden (Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen), um schließlich in Nordrhein-Westfalen ein neues Zelt zu kaufen.

Wir haben das Weserbergland durchquert und unser Auto zog brav den Wohnwagen bergauf und bergab hinter sich her, immer schön auf der rechten Spur in Kolonne mit den Lastwagen. Am Berg konnten wir manchmal einige überholen, bergab waren sie dann wieder dran, uns zu überholen. Und immer erinnerten uns die braunen Schilder daran, dass wir im Weserbergland unterwegs waren.

Über Land führte uns die Bundesstraße meist durch Felder oder Industriegebiete am Rande der Städte. Ganz, ganz kleine braune Schilder, niedrig am Straßenrand platziert, gaben nicht auf, für die Straße der Weserrenaissance zu werben. Allerdings sah die Umgebung wirklich nicht nach Renaissance aus. Mal sehen, was die nächsten Tage an Ein- und Ansichten so bringen.