Bisher hatten wir es noch nicht geschafft, mit Frankreich auch das dritte Land des Dreiländerecks zu erkunden. Es gab so gefühlt ein paar Hindernisse: unsere ÖPNV-Karte gilt dort nicht, das Auto war inzwischen unter einem Blätterhaufen verschwunden; der Rhein als Grenze hat hier wenig Brücken, die dann z.T. auch noch gesperrt sind; die Sprachkenntnisse reichen auch nicht wirklich.
Aber alles Quatsch! Im Elsass sprechen so viele Menschen auch Deutsch, und mal wieder bequem ins Auto zu steigen, ist auch schön. Eguisheim war ein Geheimtipp von der Rezeption, soll nicht so touristisch und überfüllt wie Colmar sein. Und – stimmt!!

In der Mitte befindet sich eine achteckige Burganlage (11. Jh.), geschützt von einer Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert hat man dann eine weitere Stadtmauer drumherum gebaut. Dies geschah rein aus wirtschaftlichen Gründen. Im Innern lagen viele reiche Zehnthöfe.

Die gehörten den reichen Klöstern und Abteien in der weiteren Umgebung. Hier wurde der Handel mit Wein, Getreide und Holz getrieben. Aus Angst vor Plünderungen lagen sie gut geschützt im Innern der Stadtmauern. Zur Blütezeit im 17. Jahrhundert gab es 20 dieser Höfe, die machten die Stadt sehr wohlhabend.
Im 16. Jahrhundert wurden an die Innenseiten der zwei Stadtmauern Wohnhäuser angebaut, im Zwischenraum entstanden Ställe und Scheunen. So entstanden zwei Verkehrswege innerhalb des Mauerringes. So präsentiert es sich heute:





Bis zum 19.Jh. gab es zwei (eigentlich ja vier, wegen der Doppelmauer) Stadttore. Eines führte zu den Weinbergen, die den Reichtum der Stadt begründeten. Das andere führte in die Ebene, in Richtung der großen Handelswege, um den Wein gut zu verkaufen und den Reichtum zu mehren.


Auf dem Hügel stand schon seit der Römerzeit eine Burg. Die jetzige achteckige Burg entstand 1000, erbaut durch Graf Hugo IV von Eguisheim. Der hatte zwar schon drei oben in den Weinbergen, aber eine Burg mehr wird damals wohl auch nicht geschadet haben. Hugo und Helwige bekamen einen Sohn, Bruno von Eguisheim, der 1049 zum Papst Leo IX geweiht wurde. Die Kapelle zu seinen Ehren wurde im 19. Jh. auf den Fundamenten des Bergfrieds errichtet. Im Innern wird das Leben des Papstes in farbenfrohen Bildern dargestellt:

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul steht in der Nähe der Burg. Der Kirchturm ist der einzige erhaltene Teil der romanischen Kirche von 1220, der Rest stürzte 1807 ein. Danach wurde ein neues Kirchenschiff neben dem alten Standort erbaut.




Im Innern der Marienfigur ist die Dreieinigkeit abgebildet. Auf dem Konzil von Trient 1545 waren die Kirchenmänner überzeugt, dass die Jungfrau keine Dreieinigkeit geboren haben konnte und verboten solche Darstellungen. Die meisten wurden zerstört, es gibt jetzt nur noch knapp 60 auf der ganzen Welt.
Zum Abschluss des sehr informativen Rundgangs gab es noch Kaffee und Kuchen am Markt. Wir saßen draußen in der Sonne (Ende Oktober!).
