Basel 1 – Tinguely

Ein Sonntag ist ein guter Tag, um ins Museum zu gehen. Wir fuhren mit dem Zug nach Basel (CH) bis zum Badischen Bahnhof und liefen das kurze Stück zum Museum Tinguely zu Fuß, immer parallel zur vierspurigen Schnellstraße, deren Verkehr irgendwo links, meist oberhalb von uns, entlang donnerte (Wie laut wird es wohl an Wochentagen sein?). Der Fußweg war sehr gut ausgeschildert, nach einer Viertelstunde waren wir an unserem Ziel.

Das Museum feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen mit einer großen Ausstellung, die Jean Tinguelys (1925-1991) Karriere reflektiert und mit vielen Beispielen dokumentiert. Er war mit Niki de Saint Phalle verheiratet, nach seinem Tod schenkte sie dem neu gebauten und vom Pharmariesen Hofmann-LaRoche finanzierten Museum vieler seiner kinetischen Kunstwerke.

Grosse-Meta-Maxi-Maxi-Utopia, 1987

Die Kunstwerke sind mit einem Fußschalter ausgestattet, den die BesucherInnen betätigen können, was zu einer fast ununterbrochen Nutzung führte. Die Abnutzung wurde zu groß, heute sind die Fußschalter mit Zeitschaltuhren gekoppelt. Wenn die Utopia läuft, dann sieht es so aus:

Wir nahmen an einer Führung durch die Ausstellung teil, die das Inklusionsprojekt machTheater! aus Zürich veranstaltete. Die SchauspielerInnen, allesamt mit kognitiven Beeinträchtigungen, hatten zu ausgewählten Exponaten kleine „Miniatures“ entwickelt, die jeweils vor dem Kunstwerk aufgeführt wurden, sehr unterhaltsam!

Die Klangskulptur „Méta-Harmonie II“ (1979) musste aufgrund der starken Abnutzung sogar komplett abgestellt und im Schaulager umfassend und aufwendig repariert werden. Beispielsweise war die Entenfigur hinten auf dem Klavier komplett hinüber. Man besorgte eine zweite Originalfigur aus den 1970ern und präparierte sie gründlich für ihren neuen Einsatz. Anderes Beispiel: die Klebstoffreste auf den alten Textilbändern wurden vorsichtig entfernt, die Bänder geglättet, mit einem modernen Klebstoff beschichtet und wieder eingesetzt. Die Restaurierung dauerte zwei Jahre, und nun läuft die Skulptur nur noch zur vollen Stunde.

Die Sonderausstellung „BIO – Burned Instruments Orchestra“ fügt sich gut ein. Die beiden brasilianischen Komponisten, Musiker und Klangkünstler Livio Tragtenberg und Marco Scarassatti thematisieren die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds, indem sie abgebrannte Holzstücke sammeln und daraus Instrumente bauen, die wieder Ausgangspunkt für neue musikalische Kreationen sind. Diese Musik lief im Hintergrund. Aufgebaut waren Musikinstrumente aus Holzstücken, die sie in den Engadiner Bergwäldern gesammelt haben. Man durfte und sollte sie in der Ausstellung bespielen.

Eine Kaffeepause zwischendurch in dem schönen Café mit Zwetschgen- bzw. Aprikosenwaie durfte nicht fehlen, bevor es am Rheinufer bei schönstem Sonnenschein wieder auf den Rückweg zum Bahnhof ging.

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