Vitra. zum zweiten – Design

Sobald die Sonne untergegangen ist, wird es inzwischen empfindlich kalt. Gut, dass wir warme Decken, einen Heizlüfter und unsere Federbetten an Bord haben. Aber zuverlässig scheint die Sonne jeden Tag wieder ohne dass Wolken sie verdecken. Und so können wir immer wieder auf den Café-Terrassen der Umgebung sitzen und es uns gut gehen lassen. Gestern einmal mehr im Café des VitraHauses (Herzog &de Meuron, 2010). Doch vorher ging es in die Ausstellungen. Diese Idee hatten wir nicht allein. Eine Exkursion angehender französischer ArchitektInnen bevölkerten Skizzen anfertigend die engen Ausstellungsräume im Design Museum. Eine große Gruppe RadfahrerInnen aus Basel war kurz vor uns im Restaurant des Schaudepots gewesen (die Studierenden waren noch da, als wir kamen) und hatte so ziemlich alles, was wir uns von der Karte aussuchten, weggegessen. Dafür fanden wir später die beste und am längsten sonnenbeschienene Ecke auf der Café-Terrasse für uns, plus leckerer Schwarzwälder Kirschtorte und heißer Schokolade (hier heißt sie Schocki, ist kein Schreibfehler) mit Sahne.

Das war aber bereits am Ende unseres Besuches auf dem Vitra-Campus. Wir begannen mit der aktuellen Auswahl an Stühlen aus der Sammlung im Schaudepot (Herzog&de Meuron, 2016), mehr als 400 von ca. 7000 werden ausgestellt, um einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Sitzmöbels von 1800 an bis heute.

Im Vordergrund Beispiele vom Anfang des 20. Jahrhunderts
Beispiele vom Ende des 20. Jahrhundert

Und mittendrin der Tisch Mesa Golden Lime, entworfen von Zaha Hadid und Patrick Schumacher, das teuerste Objekt aus der Vitra Edition 2007. Gefertigt als Faserverbundwerkstoffen, mit einer Silbernitratbeschichtung verspiegelt und dann farbig lackiert. Damit die Beschichtung fugenlos blieb, wurde der Tisch in einer eigens gebauten Vorrichtung am Stück beschichtet.

Im Vitra Design Museum (Frank Gehry, 1989) besuchten wir die Ausstellung „Here we are! Frauen im Design 1900 – heute“. Wie in allen Bereichen wurden und werden die Frauen und ihre Werke vernachlässigt, negiert oder schlicht nicht erwähnt.

Wir sahen einiges bekanntes und viel Neues:

Glasgeschirr Bölgeblick von Aino Marsio-Aalto, 1932 entworfen, wird noch heute produziert und lieferte sicherlich die Vorlage für eine ganz ähnliche Glasreihe bei IKEA.
Stuhl von Grete Jalk aus den frühen 1960ern, Untergestell und Sitzschale aus Schichtholz, nur zwei Teile! Wird seit einigen Jahren wieder hergestellt, kostet ca. 2500€.
Designs von Marimekko, das Hemd in der Mitte wurde 1956 entworfen und ist immer noch beliebt bei Männern und Frauen gleichermaßen.
Dinge aus Flachs, auch der Stuhl, von Christien Meindertsma. Der Stuhl besteht aus mehreren Lagen Flachs, die mit einem milchsäurebasierten Bio-Kunststoff zusammengehalten werden.
Sessel von Inga Sempé, 2010 von Ligne Roset produziert. Das wäre der perfekte Sessel für mich zum Lesen, leider etwas über meinem Budget, gute 5000€.

In der Vitra Design Museum Gallery (Frank Gehry, 2003), dort waren wir ganz allein, lief „Memphis, 40 Jahre Kitsch und Eleganz“. Memphis war eine Gruppe italienischer Designer, die in den 1980ern bestand und das Banale und Alltägliche feierte, dabei die Tabus des guten Geschmacks brechend. Nette Pointe: Karl Lagerfeld richtete seine Wohnung in Monte Carlo 1982 mit Memphis-Möbeln ein, u.a. mit denen, die auf den Foto zu sehen sind. Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten.

Da kam die Kaffeepause (s.o.) gerade recht. Im Garten waren die Eames-Elefanten schon in ihrem Gehege und durften nicht gefüttert werden. So einen hätte ich auch gern, kosten 90€ das Stück. Ich habe mir stattdessen einen Bastelbogen für 3€ mitgenommen und baue mir meinen Mini-Elefanten für den Schreibtisch selbst.

Und noch einmal der Slide Tower im Gegenlicht, weil es so schön ist.

Hinterlasse einen Kommentar