Freiburg im Breisgau

Nach Freiburg wollte ich immer schon mal, aber ein Besuch reicht mir jetzt. Ist nicht meine Stadt, obwohl sie über eine ausnehmend schöne Altstadt verfügt, siehe weiter unten. Die engen Gassen mit dem auch sehr schönen Steinpflaster aus hochkant verlegten Kieseln in Verbindung mit vielen Menschen macht es aber auch sehr laut. Die Rollkoffern der Touristen klappern; die wenigen Autos drumherum hupen oder piepsen, je nachdem, welcher Gang eingelegt ist; gefühlt alle kleinen Kinder bewegen sich nur rufend oder schreiend fort. Letztere können nicht anders, bei den Eltern: Yulis, young urban liberals with infants, die ihrer Eltern- und Erziehungsrolle ohne einen blassen Schimmer von Piaget zu haben wenig gerecht wurden. Im Restaurant einen Zweijährigen auf dem Tisch krabbeln zu lassen und ihn lautstark zu bejubeln, wenn er genauso lautstark die Tischnummer aus Metall in den Aschenbecher wirft, da gehört schon eine Menge falsch verstandenes Laisser-faire dazu!

Noch anstrengender allerdings waren die Radfahrer und Radfahrerinnen. Die haben viele Fahrradstraßen, auf denen Autos toleriert werden oder auch extra ausgewiesene Fahrradspuren. Sie dürfen auch entgegen den Einbahnstraßen und in den Fußgängerzonen fahren. Alles prima Regelungen, doch sie fahren überall, wirklich überall, auch auf dem Fußweg und in den engsten, mit Fußgängern vollgestopften Gassen. Sie fahren, sie schieben nie. Und Fußgänger weichen besser aus, denn angehalten wird nie, auch nicht an Zebrastreifen. Das empfand ich als sehr stressig.

Aber die Altstadt bleibt schön und voller toller Fotomotive. Hier kommt eine völlig subjektive Auswahl.

Gleich am Hauptbahnhof, wir reisten mit der Konus-Gästekarte an, steht der Solartower, 240 Solarmodule über 19 Stockwerke verteilt, das höchste Solarkraftwerk in Süddeutschland. Abends war er in den oberen Stockwerken zusätzlich bunt beleuchtet.

Die gesamte Altstadt wird von kleinen Bachläufen durchzogen, den Freiburger Bächle. In Zeiten der Stadtgründung dienten sie als Quelle für Trink-, Brauch- und Löschwasser. Heute ziehen die Kinder („Mama, ich will ein Boot!“) ihre Bächle-Boote in den Rinnen hinter sich her, während die Eltern einen Schaufensterbummel machen.

Wenn Erwachsene zufällig in ein Bächle treten („dappen“), müssen sie eine/n Freiburger/in heiraten. Also Augen auf beim Suchen des perfekten Fotografierwinkels. Das Wasser in den Bächle kommt aus dem Fluss Dreisam, der durch Freiburg fließt.

Das Münster ist das Wahrzeichen Freiburgs und so hoch, dass es nur aus reichlicher Entfernung auf ein Foto passt. Im Zweiten Weltkrieg ist es von Bomben verschont geblieben, nun schon mehr als 800 Jahre alt und immer ist irgendetwas eingerüstet, um es instand zu setzen. Der Turm gilt als der schönste Turm auf Erden, seine Spitze ist die erste in der Geschichte der Gotik, die vollständig durchbrochen gebaut und damit zum Vorbild vieler anderer europäischer Kirchen wurde.

In das Münster hinein durften wir nur für fünf Minuten, da anschließend eine Anbetungsfeier in absoluter Stille stattfinden sollte. Die Zeit reichte, um von den Glasfenstern sehr beeindruckt zu sein.

Vor dem Münster herrschte spätsommerliches Treiben, es wurde Frisbee gespielt und Eis gegessen. Die Attraktion für die Kinder war jedoch der Seifenblasenmann.

In der Alten Münsterbauhütte hinter dem Münsterchor arbeiteten die Baumeister und Steinmetze, damals hochangesehene Berufe, insgesamt 300 Jahre an der Fertigstellung der Kathedrale. Erstaunlich, dass sie hierbei nie den Überblick verloren. Es ist das einzige erhaltene Stilfachwerkhaus des späten Mittelalters.

Steinmetzarbeiten an der Kirche

Gegenüber der Bauhütte steht das Erzbischöfliche Ordinariat, ein weiterer Prachtbau, 80 Meter lang (auf dem Foto ist die Schmalseite zu sehen) und aus buntem Sandstein. 1906 nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt, wurde gestalterisch alles gegeben, was der Historismus so hergab.

Im Mittelalter waren die Stadttore die einzige Möglichkeit, um in die Stadt zu kommen. Sie waren Teile der Wehranlage zum Schutz der Stadtbewohner, z.B. vor den Schwaben, wie eine Legende erzählt, nach der das Schwabentor wie folgt zu seinem Namen kam.

Ein Salzkaufmann aus Schwaben verliebte sich auf seinen Geschäftsreisen so sehr in die Stadt Freiburg, dass er sie mit mehreren Fässern Geld käuflich erwerben wollte. Seine Frau war nicht begeistert von seiner Idee und hatte im Vorwege das Geld in den Fässern gegen Sand und Steine ausgetauscht. So sorgte nicht nur das Ansinnen für Spott und Gelächter unter den Freiburger Bürgern, sondern auch der Kaufmann, als er voller Überschwang seine Fässer mit „Geld“ öffnete. Im 17. Jahrhundert wurde dieser mit seinem Fuhrwerk auf der Innenseite des Tores verewigt (Malerei unter dem grünen Vordach).

Die geschäftstüchtigeren Kaufleute mussten ab dem 14. Jahrhundert, als der Handel in Freiburg stark zunahm, sehr sehr lange an den Toren warten, um ihre Waren kontrollieren und verzollen zu lassen. Das ursprüngliche Haus der städtischen Marktverwaltung wurde schnell zu klein. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das „Historische Kaufhaus“ erbaut, mit der Lage am Münsterplatz und der Fassade zeigte die Kaufmannschaft deutlich, wer sie war (erbaut wurde das Haus von dem damaligen Münster-Baumeister Lienhardt). Im mehr als 300 Quadratmeter großen Innenhof wurden die Waren gelagert.

Zum Schluss diesen kleinen bebilderten Rundgangs kommen wir zum Europaplatz mit dem Siegerdenkmal. Völlig berauscht vom Sieg über die Franzosen und dem Gewinn des Elsass 1871 sammelten die Badener von Karlsruhe bis Lörrach Geld ein, um sich, den Heeren und überhaupt ein Denkmal zu setzen. Immerhin weigerten sich die Freiburger später, dieses Denkmal Adolf Hitler zum Geburtstag zu schenken.

Was wir dann am Abend noch in der Stadt erlebten, steht im vorherigen Blogeintrag.

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