Bei der Recherche nach Kunstausstellungen in Freiburg stieß ich auf eine Abendveranstaltung im Kunstverein Freiburg, perfekt geeignet für Kay: ein Bob-Dylan-Abend mit Klaus Theweleit (Wow!!). Nachmittags spazierten wir also zunächst zum Fluss Dreisam, um Tickets für den Abend zu besorgen.

Doch der Kunstverein stellte nur die Räumlichkeiten zur Verfügung. Das Carl-Schurz-Haus, das Deutsch-Amerikanische Institut in Freiburg, war Veranstalter, und man musste sich im Vorwege online anmelden, die Corona-Inzidenz ist hier immer noch hoch. Das kennen wir von zuhause ja gar nicht mehr. Also vor dem Kunstverein beide den QR-Code gescannt, uns mit allen Daten angemeldet, gefreut, als die Mail kam und dann wieder ab in die Stadt. Hätten wir die automatisch generierte Mail man wirklich gründlich und bis zum Ende durchgelesen!

Abends waren wir die ersten vor Ort mit freier Platzauswahl; doch, allein, wir standen nicht auf der ausgedruckten Gästeliste. Ein kurzes, aber informatives Gespräch an der Kasse machte deutlich, dass erstens die Veranstaltung ausgebucht war (stand schon in der Mail), zweitens die Warteliste mit 40 Personen so lang war wie das gesamte Platzangebot (stand so nicht in der Mail, aber der Hinweis, dass wir, wenn wir auf die Warteliste gekommen wären, eine persönliche Mail erhalten hätten, hatten wir nicht) und drittens, dass wir es kurz vor Veranstaltungsbeginn noch einmal an der Tür versuchen sollten, mit etwas Glück würden ja nicht alle kommen.
Ja, nun. Meistens haben wir ja Glück. Warten wollten wir dort nicht, zu laut, zu dunkel, zu kühl, also gingen wir noch einmal in die Altstadt Richtung Münster, das hübsch an- und ausgeleuchtet sein sollte. Da war aber alles dunkel und abgesperrt, dafür standen dort hunderte von Menschen in mehreren Schlangen an (von Abstand keine Spur).

Die wollten auch das Lichterspektakel am Münster sehen und hatten sich alle vorher online registriert. Hunderte! Etwas frustriert liefen wir an den Absperrungen entlang und um die Massen herum, bis wir an der Absperrung mit dem Fluchtweg strandeten. Glücklicherweise ließen sie uns dort raus.
Dann hatten wir doch noch Glück. Wir wurden im Kunstverein eingelassen; da mussten eine Menge Menschen nicht gekommen sein. Egal, wir freuten uns auf einen schönen Abend. Es sollte ein Gespräch zwischen dem Musikjournalisten Gerrit Terstiege und Klaus Theweleit „über Dylans wandelnde künstlerische Positionen und Imagestrategien“ werden, so die Ankündigung. Das hörte sich spannend an, besonders weil Theweleit und Dylan gleich alt sind und interessante Bezüge zwischen USA und Westdeutschland zu erwarten waren.

Well, ich sach‘ ma‘ so: der Journalist kam seiner Moderationsaufgabe nur teilweise nach, etliche lange Song-Beispiele wurden komplett ausgespielt, bei zwei Zeitstunden ein fragliches Unterfangen, und die Nachfragen blieben mehr als an der Oberfläche. Das, was die beiden sich vorgenommen hatten, schafften sie zeitlich nicht. Der Abend endete mit dem lapidaren Verweis, dass man wohl irgendwann noch mal den Rest in einer Folgeveranstaltung abarbeiten könnte, die Zuschauer waren schnell verschwunden. Die Tonqualität war miserabel (der Ort ist ein ehemaliges Schwimmbad) und der Moderator nicht medienkompetent („Jemand müsste mal den Beamer ausschalten.“).
Alles in allem entsprach es nicht unseren Erwartungen. Dass der Zug danach Verspätung hatte und wir beim vorletzten Halt den Waggon wechseln mussten (und dem Schaffner zurufen, dass wir bitte noch wieder mitwollten), das führe ich hier jetzt mal nicht weiter aus.
Dafür haben wir den großen Klaus Theweleit noch einmal live erlebt. Das war schon was!