Das Wandern ist des Menschens Lust …

… wir sind ja keine Müller und heißen auch nicht so.

Das Wetter meint es so gut mit uns, dass wir gleich zwei Wanderungen an einem Tag durchführten. Vor dem Mittagessen und so zum Warmwerden mit der Landschaft ging es auf einen vier Kilometer langen Rundweg über den Stationenweg oberhalb von Bamlach und Rheinweiler. Von der Kirche St. Peter und Paul in Bamlach ging es über Wirtschaftswege zum 1,5 km langen Stationenweg mit 14 Bildstöcken aus bunten Glasmosaiken, die den Leidensweg Christi darstellen.

Kirche St. Peter und Paul
„Beim 1. Wegkreuz biegen Sie rechts ab.“ Wir Flachland-Protestanten hätten uns fast schon zu Beginn verlaufen, weil wir das Wort Wegkreuz mit dem Wort Wegkreuzung verwechselten.
III. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz.
IIX. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen.
An den Bäumen der Streuobstwiesen hingen noch ein paar Äpfel.

Weiter ging es auf Feldwegen, noch schnell ein paar Walnüsse aufgesammelt, bis wir wieder auf die Teerstraße stießen und der Rhein in Sichtweite war.

Der Rhein ist das Gewässer rechts im Bild und hier nicht schiffbar. Die Schiffe fahren links auf dem Grand Canal d‘Alsace.

Am Nachmittag hängten wir noch eine Wanderung von gut acht Kilometern dran, diesmal auf einem Rundweg im Rheinvorland. Um zum Rheinuferweg zu kommen, mussten wir zuerst Eisenbahnschienen und Autobahn unterqueren. Der Weg führte oberhalb des Flusses entlang. Es gab aber immer mal eine Gelegenheit, bis zur Uferkante zu kommen.

Blick Richtung Norden
Kanueinsatzstelle

Der Wasserstand des Alt-Rheins hier ist sehr niedrig, da viel Wasser für die Wasserkraftwerke auf französischer Seite gebraucht wird. Frankreich erhielt durch den Versailler Vertrag das Recht zum Bau des Rheinseitenkanals mit fünf Wasser-Kraftwerken. Der Kanal, auf französisch Grand Canal d‘Alsace, ging in den 1950ern in Betrieb. Seitdem sank der Wasserspiegel des Rheins entlang des Elsass.

Auch eine weitere Folge des Ersten Weltkrieges ist hier am Rheinufer dokumentiert:

Auf diesen Betonfundamenten stand der Drahtseilständer der „fliegenden Fähre“ über den Rhein zwischen Bellingen und Klein-Landau im Elsass. Die Fähre wurde 1885 in Betrieb genommen, damit die Bellinger Bauern mit ihren Fuhrwerken zu ihren linksrheinischen Feldern kommen konnten. Diese fielen nach dem verlorenen Weltkrieg wieder an Frankreich, und die Fähre musste 1922 gemäß des Versailler Vertrages abgebaut werden.

Ansonsten war der Weg recht langweilig (immer gerade aus, breit befestigt, Bäume und Büsche rechts und links), bis wir zum Sportplatz und der Sportgaststätte in italienischer Konzession kamen, die mit großen Schildern für Eis warb. Die Vorfreude war groß und währte kurz; nichts mehr drin in der Eistheke, die Saison ist vorbei.

Wenige Meter weiter kamen wir allerdings zum Lieferantenzugang der Autobahnraststätte Bad Bellingen West, und zu Fuß waren die Absperrungen kein Hindernis. Deren Eistruhe war gut gefüllt, den Autobahnaufpreis waren wir mehr als bereit zu zahlen.

Frisch gestärkt kürzten wir den vorgeschlagenen Weg ab, um noch mehr Langweiligkeit (Rheinauenweg durchs Wasserschutzgebiet) zu entgehen und gingen gleich Richtung Kurpark.

Leider war dann der Verbindungsweg zwischen Kurpark und Abzweigung nach Bamlach gesperrt. Dort wird ein Regenrückhaltebecken gebaut. Da keine Bauarbeiter mehr zu sehen waren (die hatten schon lange Feierabend), umgingen wir die Absperrung und waren kurz darauf auf der anderen Seite.

Den restlichen langweiligen und steilen Weg die Straße entlang nach Bamlach hoch nahmen wir auch nicht mehr. Wir schlugen uns in die Weinberge. Der Weg führte entlang kleiner Nutzgartenabschnitte und Obstbaumwiesen, wir sammelten noch ein paar Walnüsse und Äpfel auf. Die Eisenbahnschienen unterquerten wir in diesem Tunnel:

Er war ziemlich eng, aber mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Danach folgten viele Treppenstufen bergauf (20 Höhenmeter auf kürzester Strecke), bis wir schließlich am Rande der Weinstöcke wieder in Bamlach ankamen.

Hinterlasse einen Kommentar