Kolding

Die meisten von Koldings Top-Attraktionen, fast alle liegen nicht im Innenstadtbereich, haben wir bereits gesehen. Aber noch nicht die Innenstadt, nur einmal haben wir uns in ihr verfahren, als wir auf der Durchfahrt waren. Diesmal also hinein, ausgerüstet mit einer Liste von Genbrugs-Läden. Die meisten liegen zwar auch nicht in der Innenstadt, aber mit irgendeinem Anhaltspunkt muss man ja arbeiten.

So gegen 11 Uhr kamen wir los. Wir hätten uns noch mehr Zeit lassen können, denn die ersten angefahrenen Läden öffneten erst um 13 Uhr. Danach verfranste sich das Navi in der kürzlich erfolgten Umgestaltung der Straßenverläufe und das recht gründlich. Danach beschlossen wir, lieber der Parkplatzausschilderung in die Innen-Innenstadt zu folgen. Das funktioniert erfahrungsgemäß gut.

Wir landeten auf einem Platz mitten in der Altstadt, quasi der Hinterhof des umliegenden Karrees. Das Parken war kostenpflichtig und das Erlangen einer Erlaubnis spannend. An dem Gerät musste zuerst angegeben werden, ob man das Parken beginnen oder beenden möchte. Dann sollte das Nummernschild eingetippt werden. Bei einem dänischen Kennzeichen wird anschließend die Marke und der Typ zum Abgleich angezeigt. Unser Nummernschild war dementsprechend falsch, man konnte aber versichern, dass man korrekt getippt hatte. Ein Abgleich mit der Datenbank der zentralen Zulassungsstelle ergab natürlich, dass unser Wagen nicht dort registriert war. Wir durften trotzdem parken und als nächsten Schritt die Kreditkarte einführen. Die wurde angenommen und uns bestätigt, dass wir kein Papierticket benötigen würden. Der Erkundigung der Innenstadt stand nichts mehr im Wege.

Kolding besitzt eine sehr kleinteilige Innenstadt mit einigen schön erhaltenen Gebäuden aus der Renaissance.

Borchs Hof, 1595 als Apotheke und Wohnhaus gebaut, gilt als eines der großartigsten Stadthäusern der Renaissance in Dänemark. Nach deutschem Vorbild erbaut, wurde das Giebelhaus reich mit Schnitzereien verziert.

Das älteste Stadthaus Koldings steht nicht weit entfernt. Es wurde 1589 als Werkstatt und Wohnhaus für einen Schuhmacher gebaut und blieb bis 1915 im Eigentum der Familie. Auch dies ein Giebelhaus nach norddeutschem Vorbild, allerdings finden sich nur einzelne Schnitzereien zwischen den Fenstern.

Hinter dem Haus befindet sich heute ein kleiner öffentlicher Bürgergarten. So konnten wir auch die Kanonenkugel im Giebel entdecken (vierte Gefachreihe, zwischen den beiden Fenstern). Die stammt aus dem Kampf um Kolding im April 1849 und wurde dort eingemauert.

Die Süderbrücke über die Kolding Au war ursprünglich aus Holz und diente als Zollstelle zwischen dem dänischen Königreich und dem Herzogtum Schleswig. Um dem steigenden Verkehrsaufkommen Rechnung zu tragen, der Hauptverkehrweg zwischen Deutschland und Dänemark lief bis 1942 hier drüber, wurde die Holzbrücke 1808 durch eine Granitbrücke ersetzt.

Kolding wurde bereits 1231 das erste Mal urkundlich erwähnt und liegt erst seit der Grenzziehung 1920 nicht mehr am direkten Rand des Königreichs. Kolding Hus wurde im 13. Jahrhundert als Verteidigungsburg gegen die Herzogtümer aus dem Süden angelegt, wurde aber im 16. Jahrhundert zu einem der bevorzugten Wohnschlösser der Königsfamilie umgebaut, bis es 1808 in einem Feuer zerstört wurde. Nachdem das Schloss als Ruine zu verfallen drohte, wurde es umfassend renoviert und beherbergt heutzutage Teile der königlichen Kunstsammlung.

Der Burgsee im Hintergrund wurde im 16. Jahrhundert angelegt. Die Nutzung war ausschließlich dem jeweiligen König vorbehalten. Allerdings lag immer ein Ruderboot bereit, falls einem der königlichen Gäste nach einer kleinen Bootsfahrt zumute war. Auf den vier Ecken des ebenfalls Ende des 16. Jahrhunderts errichteten Turms standen früher vier Statuen aus der griechischen und römischen Mythologie, Hannibal, Scipio, Hektor und Herkules. Jeder hielt ein Wappen eines der wichtigen Länder im Besitz des Königs. Heutzutage steht nur noch Herkules mit dem schwedischen Wappen oben auf dem Turm und blickt in die Welt.

Nach einer Umrundung des Gebäudes trieb der Hunger uns zurück zu unserem Auto und dem bereits oben erwähnten Parkautomaten. Diesmal wurde auf ‚Parken beenden‘ gedrückt, das Autokennzeichen eingegeben und nach Aufforderung die Kreditkarte eingeschoben. Schwupps, verparkten Betrag abgebucht, Kreditkarte wieder raus, und wir konnten ab ins Auto und zurück zum Campingplatz fahren. Easy!!

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