Slivsø rundt

Seitdem wir Vikær Strand Camping kennen, warten wir auf das perfekte Wetter (Sonnenschein und relative Windstille), um den nahen Slivsø (ein See) mit dem Fahrrad zu umrunden.

Nun, am Ende des Sommers, war es endlich soweit. Es konnte losgehen. Es gibt zwei Wander- bzw. Fahrradrouten, die, wenn man sie verknüpft, eine Rundtour von ca. 9 km ergeben (plus der An- und Abfahrt vom Platz). Kurz nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, wies ein Hinweisschild uns auf den Fahrradweg hin. Wir fuhren auf einem kleinen Deich durch das Sommerhausgebiet von Diernæs und erreichten schließlich die Teerstraße, die uns nach einer kurzen bergauf-Fahrt nach rechts abbiegend zu einem der Info-Punkte am See führte.

Von dort wollten wir den See gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Der Anfang war prima, der Weg war gut zu fahren. Nach recht kurzer Zeit waren wir am ehemaligen Pumpwerk, das nun als Aussichtsplattform dient.

Der Slievsø war ganz früher ein kleiner Fjord mit einer Verbindung zur Ostsee. Die Strömung schwemmte immer mehr Sand davor, bis eine Art Deich entstand. Gleichzeitig führte die Hoptrup Au immer mehr Pflanzenreste mit sich, so dass der Fjord stetig flacher und flacher wurde und sich zu einem Süßwassersee wandelte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bedarf an Lebensmitteln in Dänemark so hoch, dass es wirtschaftlich erschien, jede mögliche Ackerfläche zu nutzen. So wurde der See in den 1950ern mit Hilfe von Kanälen und Pumpstationen trockengelegt, um die fruchtbare Erde als Äcker zu nutzen. Ein verstärkter landwirtschaftlicher Anbau ging allerdings einher mit einem Anstieg im Stickstoffdüngerverbrauch, der wiederum die Wasserqualität in der Diernæsbucht beeinträchtigte. 2003 war dann Schluss mit der Ackerei und ein Jahr später begannen die Renaturierungsarbeiten, die auch dazu führten, dass in die Diernæsbucht und den Kleinen Belt jährlich 90 Tonnen weniger Stickstoff eingetragen werden. Nun ist der Slievsø der drittgrößte See im Süden Jütlands mit einer beeindruckenden Vogelwelt (ungefähr 190 Arten). Mit einer entsprechenden Erlaubnis, die man beim Kaufmann in Hoptrup kaufen kann, darf man auch am See angeln.

Die Wege sind auf der Karte gut zu erkennen, allerdings sollten wir das Kartenlesen noch wieder üben. Wir begannen auf der rechten Seeseite. Wenn man die Karte genauer betrachtet, ist schon ein grafischer Unterschied zwischen beiden Wegen zu erkennen. Der fiel uns jedoch nicht wirklich auf. Den Unterschied sollten wir aber noch sehr stark spüren.

Doch zunächst wurden wir am Ende des ersten Teils (oder an seinem Anfang, je nachdem, von wo aus man startet) in Hoptrup von einer schön gestalteten Freizeitanlage empfangen, komplett mit Info-Tafeln, Toiletten, Grillplatz, Shelter zum Übernachten, Spiel- und Grillmöglichkeiten.

Uns zog es aber zum Kaufmann und dort zum integrierten Bäcker, um leckeres Gebäck für das Kaffee- und Kuchengelage am Ende der Tour zu kaufen. „Leider“ passte der Kuchen nicht in voller Länge in die Packtasche, sodass wir einen Teil gleich am Parkplatz verzehren konnten. Schmeckte auch mit Wasser gut!

Auf zum zweiten Teil, der kürzeren Teilstrecke. Fast hätten wir die Einfahrt verpasst.

So bequem ging der Weg leider nicht weiter. Nachdem uns zwischen Feldrand und Hecke Brennnesseln und Brombeeren den Platz streitig machten, ging es anschließend durch mannshohen Schilf. Gefahren waren wir da schon länger nicht, auch das Schieben des Rades wurde schwieriger.

Mannshoch ist nicht übertrieben, wie man an Kay erkennen kann.

Wo Schilf wächst, muss es feucht sein. An den Stellen, an denen es nicht nur feucht, sondern wirklich nass wurde, waren vor langer Zeit einmal Holzgitterplatten ausgelegt worden. Wenn man Glück hatte, konnte man sie rechtzeitig unter dem überwachsenden Grünzeug sehen. Dann musste nur noch entschieden werden, ob die Schuhe oder das Fahrrad einen etwas leichteren Weg hatten. Für beide reichte es nicht. Der Schilf und die Brennnesseln, ebenfalls reichlich hoch gewachsen, wickelten sich zusätzlich um Pedale und in Speichen. Schön war das alles nicht! Dafür schweißtreibend, denn die Sonne meinte es sehr gut mit uns.

Wie auf der Karte (s.o.) zu sehen ist, führte der Pfad (wenn man ihn denn so nennen kann) um einen Bauernhof herum. Einfacher wäre natürlich der Weg über deren Grund und Boden gewesen, der war aber durch eine Kette abgesperrt. Der nächste Abschnitt sollte anders schweißtreibend werden, es ging am Feldrand entlang, wir konnten etwas fahren. Dann aber führte der Weg ziemlich steil hügelaufwärts, die Räder mussten erneut mehr getragen als geschoben werden.

Ein kleiner Lohn für die Mühen waren Brombeeren und der tolle Ausblick auf den See.

Dann folgten viele Treppenstufen hinab in das tief eingeschnittene Autal, über eine Brücke quer drüber und dann wieder treppauf. Natürlich mussten die Räder getragen werden, beide von Kay, ich konnte einfach nicht mehr.

Nach einer wohlverdienten und notwendigen Pause war der restliche Weg ein Kinderspiel, trotz Feldrand durchgängig befahrbar, weil gemäht. Hier scheint ein anderer Landwirt die Verantwortung für den Erhalt des Wanderwegs zu haben.

Als wir rechtschaffen müde und hungrig auf dem Campingplatz waren, ließen wir uns den mitgereisten Kuchen schmecken. Wir hatten erfolgreich den See umrundet, den Radweg genutzt und den Wanderweg erfolgreich mit schwerem Gepäck gemeistert. Nur das genauere Kartenlesen sollten wir beim nächsten Mal beherzigen.

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