Ein Schloss, das nie ein Schloss war

Eine weitere braune Hinweistafel an der Autobahn lockte uns zu Brundlund Slot, das das Kunstmuseum der Stadt Apenrade beherbergt. Es werden wechselnde Künstler und Künstlerinnen der letzten 300 Jahre aus Südjütland ausgestellt, zur Zeit liegt der Fokus auf einer Werkschau von Franciska Clausen („Franciska und das ewige Experiment“), aufgewachsen in Apenrade, ausgebildet und geschätzt in München und Paris, später verkannt in Kopenhagen und sich wieder zurückgezogen nach Apenrade. Wer 1899 als Mädchen geboren wurde und wohl schon früh einen sehr eigenen Kopf hatte, hatte es sicherlich schwer, sich in der damals extrem männerdominierten Kunstwelt auf Dauer durchzusetzen. Und dann noch als ausgesprochene Vertreterin des Surrealismus, zu der sie sich in ihren Jahren in Paris entwickelte. In Apenrade verdiente sie später als Kunstlehrerin ihr Geld und versuchte (nicht so erfolgreich), auch Werbeplakate an die Produktinhaber zu verkaufen. Nach ihrem Tod im Jahr 1986 hinterließ sie 2500 Werke, die im Brundlund Slot archiviert sind.

Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, als es der Königin Margarete I. gelang, Apenrade in ihr Reich einzugliedern. Nun musste ein Sitz für den Amtmann her und man errichtete das Gebäude als Wasserburg. Noch heute kann man im Keller die riesigen Feldsteine sehen, auf denen die Mauern errichtet wurden. Der Keller diente als Kerker. Das Schloss war als Verwaltungsgebäude konzipiert mit kleinen Zimmern in den Türmen und vielen weiteren Räumen. Ein Baumallee führt durch das Torhaus zum Hauptgebäude. Das ganze Gelände ist von Wasser umgeben und lässt das Ensemble aus Torhaus, Schloss und ehemaligem Stall- und Gärtnergebäude (beherbergt heute eine Kunstschule für Kinder und Jugendliche) wie auf einer Insel in einem See liegend wirken.

Die in der Kunstschule entstandenen Arbeiten werden im Erdgeschoss des Schlosses ausgestellt. Diesmal waren es Interpretationen des Bildes „Der Fisch“ von Franciska Clausen.

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Aber auch Museumsbesucher dürfen sich in der Werkstatt in einem der Turmzimmer mit der Formsprache Clausens auseinandersetzen, wie das nächste Foto zeigt und das Ergebnis ausstellen oder mit nach Hause nehmen.

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Im Schlosspark werden Skulpturen gezeigt, die entweder von Nordschleswigern geschaffen wurden oder speziell für die Stadt Apenrade. Auch die Hecken werden künstlerisch bearbeitet, eine im Stil von Franciska Clausens Werk „Die Schraube“:

Auch das Café ist in einem der Turmzimmer untergebracht. Es gibt ein Kombiangebot aus Museumseintritt plus Kaffee und Kuchen, was wir gern in Anspruch genommen haben. Die Dame an der Kasse plante mit uns genau den Cafébesuch: vor oder nach dem Gang durch die Ausstellung; Kaffee oder Tee; Beerentorte oder Nougateisbömbchen (die heutige Auswahl). Wenn nicht viel los ist im Museum ist sie es nämlich auch, die alles vorbereitet und serviert (EinFrauBetrieb).

Das Ergebnis genossen wir in vollen Zügen, bevor wir in den Skulpturenpark besichtigten.

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