Mal eben notfallmäßig über die Grenze – Harrislee

Beim Weingummi-Naschen (Kirschgeschmack) hatte ich plötzlich das Gefühl, auf einen Kirschkern zu beißen. Das konnte ja nicht sein, war es auch nicht. Das Weingummi hatte ein Inlay von meinem Zahn gezogen.

Es tat nicht weh, wir waren grad in Bogense, also kein akuter Handlungsbedarf notwendig. Bogense hat auf den ersten Blick auch mehr Tierärzte in prominenter Lage als andere Ärzte.

Abends suchten wir im Internet nach Zahnärzten und kamen schließlich zu dem Schluss, dass es aus versicherungstechnischen Gründen einfacher wäre, kurz mal nach Deutschland zu fahren. Als Kay das Gleiche in England geschah, wurde die Zahnarztrechnung, die wir vor Ort in bar bezahlen mussten, später nur in Teilen erstattet. Auch hier in Dänemark scheint ein Zahnarztbesuch eine kostspielige Angelegenheit zu sein, da es südlich der Grenze etliche Zahnärzte gibt, die auf dänische Kunden spezialisiert sind.

Am nächsten Morgen also den Wecker gestellt und die Zahnärzte in Handewitt und Harrislee abtelefoniert. Die meisten hatten so wie wir Sommerferien und nur den Anrufbeantworter laufen. Eine Praxis konnte für den nächsten Tag einen Termin anbieten. Dafür war das Loch nun aber doch zu unangenehm geworden. Dann endlich, am Ende der Liste, ein freundlicher Mann, der mir mit dänischem Akzent sprechend einen Termin um 15:15 Uhr bei Inga in Harrislee anbot.

Wenn man eher auf der linken Spur der Autobahn fährt, kann man in einer guten Stunde an der Grenze sein. In Harrislee fanden wir uns schließlich vor einer dänischen Zahnarztpraxis wieder, mit einer dänischen Ärztin, dem dänischen Mitarbeiter am Telefon und zwei weiteren Assistentinnen aus der dänischen Minderheit. Wir beschlossen zusammen, zur Abwechslung deutsch miteinander zu sprechen. Ansonsten behandelt die Praxis fast nur Patienten aus Dänemark.

Die Praxis erinnert eher an ein sehr modern eingerichtetes Sommerhaus.

Treppauf geht es entweder in den Behandlungsraum oder in den (weitaus größeren) Aufenthaltsraum für die Angestellten.

Nach ungefähr 20 Minuten war mein Inlay wieder festgeklebt inklusive ein wenig Kariesentfernung. Die Rechnung kommt irgendwann per Post. Wir kauften noch schnell etwas ein, ein Mehrwertsteuersatz von 25% in Dänemark macht sich schon bemerkbar. Dann wieder Richtung Grenze, noch bevor die Bundesregierung uns ihren Hinweis auf die Quarantänebestimmungen geschickt hatte, und knapp dreieinhalb Stunden nach Aufbruch saßen wir schon wieder im Wohnwagen und tranken Tee.

Hinterlasse einen Kommentar