CLAY Keramikmuseum Danmark in Middelfart

Am letzten Tag am Lillebælt ging es noch einmal mit dem Fahrrad los, unter der Eisenbahn und durch den Wald zu Skandinaviens einzigem spezialisierten Museum für zeitgenössische dänische und internationale Keramikkunst.

Das Gebäude wurde erbaut als Witwensitz für Schloss Hindsgavl. Kammerherr Niels Basse Fønss bekam sehr jung das Schloss von seiner Tante vererbt mit der Auflage, sich um die Witwen der jeweiligen Schlosseigentümer zu kümmern, die nach dem Tode des Schlossherrn fast immer ihr Haus verlassen mussten. Niels zog als Zwanzigjähriger mit seiner Frau ein, gestaltete den Park im neuen romantischen Stil um und forstete den Wald auf der Halbinsel wieder auf. Als er ahnte, dass es langsam Zeit werden würde, sich um eine passenden Alterssitz für seine Frau zu kümmern, ließ er Grimmershus, so hieß das Haus früher, als eine der ersten Villen (alleinstehende Gebäude mit Parkanlage drumherum) Dänemarks im damals revolutionär neuen Historismus-Stil errichten. Bereits ein Jahr nach Fertigstellung musste seine Frau die Villa dann tatsächlich als Witwe beziehen. Sie stiftete diesen Gedenkstein zu Ehren ihres Mannes:

In der „Schatzkammer“ des Museums, die einzige ständige Ausstellung, wird ein Überblick über die dänische Porzellanmanufaktur der letzten 235 Jahre gezeigt, inklusive der Neuinterpretation des dänischen Klassikers „musselmalet“ von 2000, die Einzelheiten des alten Dekors in x-facher Vergrößerung auf neue Porzellanformen bringt.

Auf den anderen Ausstellungsflächen sind bei unserem Besuch sehr unterschiedliche Varianten von Keramik und Porzellan zu sehen.

Abschlussarbeiten des Jahres 2021 der Aarhus Kunstakademie
Arbeiten aus der Sammlung von Erik Veistrup
Arbeiten aus der Hans-Henrik Dyhrs Samling
aktuelle Arbeiten des Duos Claydies; Einladung zum Selfies machen inklusive

Anfang der 2010er Jahre wurde das Museum erweitert, der größte Teil der indoor-Ausstellungsflächen befindet sich nun unter der Erde und endet in einem Pavillon, der den Blick zum Kleinen Belt hin öffnet.

Oberirdisch fügt er sich gut in den Hang ein und beherbergt das Café mit einem tollen Ausblick.

Hier werden uns Kaffee und hervorragender Kringel auf musselmalet Porzellan von Royal Copenhagen serviert:

Es ist wahrscheinlich das einzige Mal in unserem Leben (zumindest in einem Museumscafé), dass wir von so einem teuren Porzellan speisen. Im Shop konnte man Becher aus der Serie kaufen. Unsere Dunoon-Becher zuhause kosten ja schon sehr viel Geld, weshalb es immer nur einen Becher pro Jahr dazu gibt. Aber die musselmalet-Becher toppten den Preis, den wir auszugeben bereit wären, bei weitem: ca. 80 Euro für zwei, einzeln gab es sie gar nicht.

Nach der Kaffeestärkung machten wir noch einen kleinen Rundgang durch den Keramik-Skulpturenpark, bevor es wieder zurück ging.

Isak Vasen, 1992 von Peter Brandes (aufgestellt auf der Weltausstellung 1992 in Sevilla)
Sofa og stol, 2000 von Ane Davidsen und Lova Nyblom
Påskelilje, 2017 von Marianne Nielsen

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