Nordfyn

Auf dem Campingplatz erzählte einer unserer Nachbar von Bogense im Norden der Insel. Dort sollte es sehr schön sein. In der Nähe steht ein Renaissance-Schloss, Harridslevgaard Slot, das wir uns auch ansehen wollten, wenn wir schon mal da in der Gegend sind. Es hat den größten Rittersaal Dänemarks, der in Privatbesitz ist. Aber zunächst nach Bogense. Das Auto zu parken ist in Dänemarks Kleinstädten immer einfach und im Zentrum möglich. Durch einen kleinen Bogengang erreichten wir eine zentrale Einkaufsstraße, die uns Richtung Hafen führte. Auf dem Weg dorthin trafen wir diesen netten kleinen Fahrradfahrer:

Manneken Pis

Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig. Es ist eine exakte Kopie des Manneken Pis aus Brüssel, 1934 als Geschenk eines reichen Kopenhagener Konsuls an die Stadt, der bei seinen Großeltern in Bogense aufwuchs. Die Tradition, ihn anzuziehen, begann 1953. Er trug schon viele unterschiedliche Dinge, anlässlich des Besuches der Königin und des Prinzgemahls sogar einen Smoking.

Das schmale Hafenbecken war gut besucht, nicht nur von Segelschiffen.
Die MS Castor läuft zum Piratenausflug aus.
Die Bude links verkauft prima Räucherfisch.

Dieser merkwürdige Turm aus Beton am Rande des Hafenbeckens wurde 1942 erbaut. Unsere erste Vermutung war daher, dass er ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit wäre, für Geschütze oder so was. Aber nein! Es war Dänemarks erste Gleichstrom produzierende Mühle und hatte drei Flügel mit einer Spannweite von 24 Metern. Sie gehörte zu den vier großen, dazu wurden noch 25 kleinere zweiflüglige Mühlen in Dänemark gebaut, um während der Besatzung die Knappheit an Brennstoff auszugleichen. 1953 schwenkten die örtlichen Stadtwerke auf Wechselstrom um und die Mühle wurde außer Dienst gestellt.

Wir spazierten wieder Richtung Innenstadt zurück, uns packte der Kaffeedurst und der Kuchenhunger. Am Hafen gab es eine Vielzahl von Möglichkeiten, allerdings auch mit einer Vielzahl an Menschen. Mit denen wollten wir angesichts von Covid nicht zu kleine Innenräume teilen.

Hier gab es laut Prospekt eine Menge Cafés. Deshalb ließen wir Bogense Hotel links liegen. Das gegenüberliegende Café war leider geschlossen. Etwas weiter längs gab es Café Kysten, überall Werbung, aber auch leider geschlossen. Na, macht nichts, ein paar Schritte zurück und zum Café Onkel, hübsch gelegen in einem Innenhof. Die Bedienung wischte den Tisch sauber, gab uns die Speisekarte und …

Weitere Gäste wurden bedient, es wurde abgeräumt, andere bekamen eine Speisekarte. Leider kam sie nie wieder zu uns zurück und es gelang uns nicht, sie zu uns zu rufen. Nach einer Weile verließen wir ziemlich verärgert den Hof.

Noch in Erwartung leckerster Torten …

Dann zum nächsten Café, dem Café Solo. Was soll ich sagen: gerade an diesem Tag wegen eines Todesfalls geschlossen. Ein bisschen Fußweg weiter liegt Bogense Bageri. Dann eben Coffee to go und Gebäck dazu, vielleicht auch noch ein schön belegtes Sandwich. Ich schwelgte schon in Plänen, die Uhr zeigte 16:22 Uhr und bäm!! Geschäftsschluss um 16 Uhr. An einem ganz normalen Wochentag. In der Saison. Es blieb uns nichts anderes übrig, als im naheliegenden Supermarkt die Reste im Backwarenregal zu kaufen und im Auto zu verzehren. Sehr frustrierend!!!

Zum Schloss kamen wir dann natürlich auch nicht mehr. Ehe wir da sein würden, hätten die bestimmt auch schon die Zugbrücke hochgezogen.

Stattdessen fuhren wir noch etwas an der Küste weiter, am Gyldensteen Strand vorbei, dem größten Renaturierungsprojekt auf Fünen. Hier wurde der 1872 gebaute Deich (um die landwirtschaftlich zu nutzenden Flächen zu vergrößern) 2014 wieder entfernt. Seitdem belebt sich die Vogelwelt sichtbar. Wir bogen jedoch landeinwärts ab und wurden vom Navi quer durch die Getreidefelder, auf denen die Ernte in vollem Gang war, geleitet. Unser Ziel war Glavendruplunden. In diesem Hain stehen Gedenksteine aus der Bronze-, der Wikinger- und der Neuzeit (Grundgesetz, Wiedervereinigung, Befreiung 1945). Die berühmtesten Anlagen sind jedoch die aus der Wikingerzeit: die Schiffssetzung und der große Runenstein.

Flinthøj und Rævehøje aus der Bronzezeit
Schiffssetzung, eine 50 Meter lange bootförmige Reihung aus 28 aufrecht stehenden Steinen

Ein Grab wurde nicht gefunden, die Schiffsssetzung wurde zum Gedenken an Alle errichtet. Alle war ein Adeliger, der auch eine Priesterfunktion inne hatte, also eine sehr hochgestellte Persönlichkeit. Der Runenstein wurde von seiner Frau Ragnhild und den Söhnen errichtet. Dies weiß man vom Runenstein, der Dänemarks längste Runensteininschrift trägt.

Die Inschrift schließt mit einer Warnung: Wer den Stein zerstört oder ihn entfernt, dem wird es übel ergehen. Eine Warnung, die offensichtlich schon sehr lange beherzigt wird.

Durch das malerische Nordfünen ging es, konsequent das Navi ignorierend, das uns immer auf die Autobahn führen wollte, wieder zurück nach Middelfart.

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