Die klassische Veranstaltung für Traditionsschiffe „Fyn Rundt“ war der Anlass, uns dann doch trotz der nicht vielversprechenden Wettervorhersage für eine Fahrradtour zu entscheiden. Die wollten wir auf Avernakø machen und auf der Rückfahrt mit der Fähre mit den Traditionsschiffen zusammen wieder in Faaborg einlaufen. Guter Plan soweit.
Wir waren vormittags rechtzeitig am Hafen, wo uns dieses Schild erwartete:
Und darunter rechts eine ewig lange Schlange quer über das Gelände, links nur vier Personen wartend. Während man sich ja sonst gerne bei der kürzeren Schlange anstellt, war es hier frustrierend, denn wegen Covid ist wohl die Anzahl der Personen auf der Fähre und/ oder auf der Insel begrenzt. Und die Personen mit Reservierung haben Vorrang. Nach einer kleinen Hängepartie des Hoffen und Bangens war die lange Schlange im Bauch der Fähre verschwunden und der Zähler in der Hand des Fährmannes noch nicht am Limit: wir durften mit!
Der erste Stopp auf Lyø ließ den allergrößten Teil der Schlange wieder heraus, und wir fuhren weiter nach Avernakø.
Hafen von Lyøschönstes SegelwetterWährend einige Besucher die Insel so erobern, …… brettern wir mit den Fahrrädern los, insgesamt 15km hin und zurück.
Die Insel besteht eigentlich aus zwei Inseln, Avernak und Korshavn, seit 1937 durch einen Damm verbunden. Die Kirche steht in Avernak By, der erste protestantische Kirchenneubau nach der Reformation. Der erste Pastor war damals ein Mönch aus dem Kloster in Faaborg, der zum Protestantismus konvertiert war.
Im nächsten Ort Munke gibt es eine kleine Pause mit einem Eis von Skarø, Erdbeer-Maracuja-Sorbet bzw. Stachelbeer-Sorbet.
In Munke steht auch der zweite Maibaum der Insel, den die Bewohner immer am Pfingstsonnabend zusammen schmücken und aufstellen, ein Brauch, der in Dänemark nur noch auf einer weiteren Insel (Strynø) gepflegt wird.
Für uns geht es weiter an Kornfeldern vorbei über den Damm, Drejet genannt, nach Korshavn bis zum östlichsten Inselende Revkrogen.
Nach einer kurzen Pause mit den Füßen im weichen Strandsand (eine Seltenheit an den fün’schen Stränden) ging es zurück. Von den Hügelkuppen aus konnten wir die Traditionssegler in der Ferne sehen.
Die Fähre brachte uns schließlich mit den letzten einlaufenden Segelschiffen zurück nach Faaborg. Der größere Teil war schon etwas länger dort.
Wir machten anschließend noch einen Spaziergang an den gut gefüllten Kais entlang zum Räuchereicafé, um Fisch für das Abendessen zu kaufen.
Wir sind wieder ein Stückchen weiter gefahren, diesmal nach Südosten und sind vor ein paar Tagen auf dem Falsled Strand Campingplatz gelandet. Hier stehen wir unter hohen Eichen zusammen mit vielen internationalen Gästen und sehr vielen Familien mit Kindern jedes Alters (ein paar Dauercamper gibt‘s auch hier), und es gefällt uns ausnehmend gut. Wir erholen uns durch recht konsequentes Abhängen im Wohnwagen, im oder vor dem Zelt, je nach Wetterlage. Nur zum Einkaufen fahren wir mal eben nach Faaborg. Die wirklich wichtigen Lebensmittel im Sommer gibt es aber auch hier in den Buden am Straßenrand.
zur Auswahl stehen Erbsen, Wurzeln, Kartoffeln, Himbeeren, Kirschen und Erdbeerenübersetzt: dänische Erdbeeren, der Geschmack von Sonne und Sommer
Die Betreiber des Campingplatzes sind erst Mitte dreißig und betreiben ihn in ihrer ersten Saison. Das, was sie bereits modernisiert haben, spricht uns sehr an, den großen Rest werden sie sicherlich nach und nach in Angriff nehmen. Wir sind jetzt schon gespannt auf die Änderungen, denn hierher werden wir sicherlich wieder her fahren.
Denn ob die geplanten Fahrradtouren auf den Inseln des südfünischen Archipels durchgeführt werden, ist noch nicht sicher. Erst war es sehr heiß und der Liegestuhl im Baumschatten zu attraktiv. Dann war es sehr nass und der Wohnwagen während des Gewitters zu kuschelig.
Eine kurze Radtour von 9km von Falsled über Håstrup und zurück über die Hügel und durch Wald und Feld war allerdings schon drin.
Am letzten Tag am Lillebælt ging es noch einmal mit dem Fahrrad los, unter der Eisenbahn und durch den Wald zu Skandinaviens einzigem spezialisierten Museum für zeitgenössische dänische und internationale Keramikkunst.
Das Gebäude wurde erbaut als Witwensitz für Schloss Hindsgavl. Kammerherr Niels Basse Fønss bekam sehr jung das Schloss von seiner Tante vererbt mit der Auflage, sich um die Witwen der jeweiligen Schlosseigentümer zu kümmern, die nach dem Tode des Schlossherrn fast immer ihr Haus verlassen mussten. Niels zog als Zwanzigjähriger mit seiner Frau ein, gestaltete den Park im neuen romantischen Stil um und forstete den Wald auf der Halbinsel wieder auf. Als er ahnte, dass es langsam Zeit werden würde, sich um eine passenden Alterssitz für seine Frau zu kümmern, ließ er Grimmershus, so hieß das Haus früher, als eine der ersten Villen (alleinstehende Gebäude mit Parkanlage drumherum) Dänemarks im damals revolutionär neuen Historismus-Stil errichten. Bereits ein Jahr nach Fertigstellung musste seine Frau die Villa dann tatsächlich als Witwe beziehen. Sie stiftete diesen Gedenkstein zu Ehren ihres Mannes:
In der „Schatzkammer“ des Museums, die einzige ständige Ausstellung, wird ein Überblick über die dänische Porzellanmanufaktur der letzten 235 Jahre gezeigt, inklusive der Neuinterpretation des dänischen Klassikers „musselmalet“ von 2000, die Einzelheiten des alten Dekors in x-facher Vergrößerung auf neue Porzellanformen bringt.
Auf den anderen Ausstellungsflächen sind bei unserem Besuch sehr unterschiedliche Varianten von Keramik und Porzellan zu sehen.
Abschlussarbeiten des Jahres 2021 der Aarhus Kunstakademie Arbeiten aus der Sammlung von Erik VeistrupArbeiten aus der Hans-Henrik Dyhrs Samling aktuelle Arbeiten des Duos Claydies; Einladung zum Selfies machen inklusive
Anfang der 2010er Jahre wurde das Museum erweitert, der größte Teil der indoor-Ausstellungsflächen befindet sich nun unter der Erde und endet in einem Pavillon, der den Blick zum Kleinen Belt hin öffnet.
Oberirdisch fügt er sich gut in den Hang ein und beherbergt das Café mit einem tollen Ausblick.
Hier werden uns Kaffee und hervorragender Kringel auf musselmalet Porzellan von Royal Copenhagen serviert:
Es ist wahrscheinlich das einzige Mal in unserem Leben (zumindest in einem Museumscafé), dass wir von so einem teuren Porzellan speisen. Im Shop konnte man Becher aus der Serie kaufen. Unsere Dunoon-Becher zuhause kosten ja schon sehr viel Geld, weshalb es immer nur einen Becher pro Jahr dazu gibt. Aber die musselmalet-Becher toppten den Preis, den wir auszugeben bereit wären, bei weitem: ca. 80 Euro für zwei, einzeln gab es sie gar nicht.
Nach der Kaffeestärkung machten wir noch einen kleinen Rundgang durch den Keramik-Skulpturenpark, bevor es wieder zurück ging.
Isak Vasen, 1992 von Peter Brandes (aufgestellt auf der Weltausstellung 1992 in Sevilla) Sofa og stol, 2000 von Ane Davidsen und Lova Nyblom Påskelilje, 2017 von Marianne Nielsen
Der Vorteil des Campingplatzes liegt in seiner Lage, direkt an der alten Brücke über den Kleinen Belt. Perfekt, um auch mal eben mit dem Fahrrad hin und her zu fahren, um tolle Fotos zu machen. Der Abend nach der Autobahntour bot sich dafür an, auch um noch ein bisschen Bewegung zu bekommen.
Die Alte Kleine-Belt-Brücke war die erste feste Verbindung zwischen Jütland und Fünen. Davor gab es sowohl Auto- als auch Eisenbahnfähren. Zehn Jahre, von 1925 bis 1935, haben sie gebaut, um die ein Kilometer lange Strecke zu überbrücken, die schmalste Stelle des Beltes. Nun führen ein Radweg, eine zweispurige Straße und zwei Bahngleise auf der Brücke über das Wasser.
Nur dreißig Jahre später begann schon der Bau der neuen Beltquerung, die als Autobahn mit drei Spuren in jede Richtung über das Wasser führt, mit einer Spannweite von ca. 600 Metern.Blick auf das Stadtzentrum von Middelfart
Beim „Bridgewalking“ (sehr große Attraktion hier) kann man in Gruppen und angeseilt oben auf die Gamle Lillebæltsbro klettern und die Aussicht in 60 Metern Höhe genießen. Als wir unter der östlichen Querverstrebung (eine schmale Brücke zwischen den Eisenstreben) hindurch fuhren, stieg gerade eine Gruppe ab. Für Kay war schon die Radtour die knapp 1,2 km hin und wieder zurück eine kleine Herausforderung.
Auch aus dieser Höhe war der Blick nach unten sehenswert.
Beim Weingummi-Naschen (Kirschgeschmack) hatte ich plötzlich das Gefühl, auf einen Kirschkern zu beißen. Das konnte ja nicht sein, war es auch nicht. Das Weingummi hatte ein Inlay von meinem Zahn gezogen.
Es tat nicht weh, wir waren grad in Bogense, also kein akuter Handlungsbedarf notwendig. Bogense hat auf den ersten Blick auch mehr Tierärzte in prominenter Lage als andere Ärzte.
Abends suchten wir im Internet nach Zahnärzten und kamen schließlich zu dem Schluss, dass es aus versicherungstechnischen Gründen einfacher wäre, kurz mal nach Deutschland zu fahren. Als Kay das Gleiche in England geschah, wurde die Zahnarztrechnung, die wir vor Ort in bar bezahlen mussten, später nur in Teilen erstattet. Auch hier in Dänemark scheint ein Zahnarztbesuch eine kostspielige Angelegenheit zu sein, da es südlich der Grenze etliche Zahnärzte gibt, die auf dänische Kunden spezialisiert sind.
Am nächsten Morgen also den Wecker gestellt und die Zahnärzte in Handewitt und Harrislee abtelefoniert. Die meisten hatten so wie wir Sommerferien und nur den Anrufbeantworter laufen. Eine Praxis konnte für den nächsten Tag einen Termin anbieten. Dafür war das Loch nun aber doch zu unangenehm geworden. Dann endlich, am Ende der Liste, ein freundlicher Mann, der mir mit dänischem Akzent sprechend einen Termin um 15:15 Uhr bei Inga in Harrislee anbot.
Wenn man eher auf der linken Spur der Autobahn fährt, kann man in einer guten Stunde an der Grenze sein. In Harrislee fanden wir uns schließlich vor einer dänischen Zahnarztpraxis wieder, mit einer dänischen Ärztin, dem dänischen Mitarbeiter am Telefon und zwei weiteren Assistentinnen aus der dänischen Minderheit. Wir beschlossen zusammen, zur Abwechslung deutsch miteinander zu sprechen. Ansonsten behandelt die Praxis fast nur Patienten aus Dänemark.
Die Praxis erinnert eher an ein sehr modern eingerichtetes Sommerhaus.
Treppauf geht es entweder in den Behandlungsraum oder in den (weitaus größeren) Aufenthaltsraum für die Angestellten.
Nach ungefähr 20 Minuten war mein Inlay wieder festgeklebt inklusive ein wenig Kariesentfernung. Die Rechnung kommt irgendwann per Post. Wir kauften noch schnell etwas ein, ein Mehrwertsteuersatz von 25% in Dänemark macht sich schon bemerkbar. Dann wieder Richtung Grenze, noch bevor die Bundesregierung uns ihren Hinweis auf die Quarantänebestimmungen geschickt hatte, und knapp dreieinhalb Stunden nach Aufbruch saßen wir schon wieder im Wohnwagen und tranken Tee.
Sie kam im Sommer 2005 zu uns auf unserer „Straße der Freundschaft-Tour“ durch die fünf (auch damals nicht mehr so) neuen Bundesländer. Nach einem sehr lustigen Frühstück in Neukloster/ Mecklenburg zu Beginn der Tour ist sie einfach mitgekommen und bei uns geblieben. Manchmal kam sie tatsächlich als Eierbecher zum Einsatz, aber die meiste Zeit verbrachte sie später bei uns im Küchenschrank. Sie war eben eigen und einzigartig und in Wirklichkeit ein Touring-Huhn.
Als wir im letzten Frühjahr unseren Wohnwagen bekamen, war sie sofort und ohne Zögern bereit, im dortigen Küchenschrank einzuziehen. Auf den Fahrten gibt es zwar auch keine gekochten Eier zum Frühstück, aber sie freut sich über Bonbons oder Tabletten in ihrem Bauch. Dann kann sie immer mal für ein paar Stunden auf dem Tisch stehen und in die Welt gucken. Trotzdem fühlte sie sich latent ein bisschen allein in ihrer Einzigartigkeit.
Auf unserer vergeblichen Suche nach einem offenen Café in Bogense kamen wir an einem Genbrugsladen von Kirkens Korshær vorbei und mussten dringend unsere Laune durch ein Schnäppchen verbessern. Und nun geschah nun das absolut Unwahrscheinliche: Wir fanden nach 16 Jahren tatsächlich einen Kompagnon für Louise!
„Gestatten, mein Name ist Viggo. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich in in diesen Shop von Kirkens Korshær in Bogense gekommen bin. Ich hatte nicht einmal ein Preisschild an mir. Vielleicht hat mich ein Kunde auch einfach hier im Regal ausgesetzt und ich bin ein Findelschaf! Ich erinnere mich nicht mehr. Trotzdem koste ich fünf Kronen, das ist wohl der Mindestpreis für Dinge, die keiner mehr braucht. Die Frau, die mich heute fand, freute sich jedenfalls wie Bolle über mich.“
Viggo gefiel es sofort bei uns im Wohnwagen als er/sie (Das ist nicht ganz klar, Viggo kann am besten als divers bezeichnet werden.) Louise traf. Sie kommen gut miteinander aus und haben sich im Küchenschrank wahrscheinlich eine Menge zu erzählen, was ihnen so in den letzten 16 Jahren ohne einander widerfahren ist.
Auf dem Campingplatz erzählte einer unserer Nachbar von Bogense im Norden der Insel. Dort sollte es sehr schön sein. In der Nähe steht ein Renaissance-Schloss, Harridslevgaard Slot, das wir uns auch ansehen wollten, wenn wir schon mal da in der Gegend sind. Es hat den größten Rittersaal Dänemarks, der in Privatbesitz ist. Aber zunächst nach Bogense. Das Auto zu parken ist in Dänemarks Kleinstädten immer einfach und im Zentrum möglich. Durch einen kleinen Bogengang erreichten wir eine zentrale Einkaufsstraße, die uns Richtung Hafen führte. Auf dem Weg dorthin trafen wir diesen netten kleinen Fahrradfahrer:
Manneken Pis
Die Ähnlichkeit ist nicht zufällig. Es ist eine exakte Kopie des Manneken Pis aus Brüssel, 1934 als Geschenk eines reichen Kopenhagener Konsuls an die Stadt, der bei seinen Großeltern in Bogense aufwuchs. Die Tradition, ihn anzuziehen, begann 1953. Er trug schon viele unterschiedliche Dinge, anlässlich des Besuches der Königin und des Prinzgemahls sogar einen Smoking.
Das schmale Hafenbecken war gut besucht, nicht nur von Segelschiffen. Die MS Castor läuft zum Piratenausflug aus.Die Bude links verkauft prima Räucherfisch.
Dieser merkwürdige Turm aus Beton am Rande des Hafenbeckens wurde 1942 erbaut. Unsere erste Vermutung war daher, dass er ein Überbleibsel aus der Besatzungszeit wäre, für Geschütze oder so was. Aber nein! Es war Dänemarks erste Gleichstrom produzierende Mühle und hatte drei Flügel mit einer Spannweite von 24 Metern. Sie gehörte zu den vier großen, dazu wurden noch 25 kleinere zweiflüglige Mühlen in Dänemark gebaut, um während der Besatzung die Knappheit an Brennstoff auszugleichen. 1953 schwenkten die örtlichen Stadtwerke auf Wechselstrom um und die Mühle wurde außer Dienst gestellt.
Wir spazierten wieder Richtung Innenstadt zurück, uns packte der Kaffeedurst und der Kuchenhunger. Am Hafen gab es eine Vielzahl von Möglichkeiten, allerdings auch mit einer Vielzahl an Menschen. Mit denen wollten wir angesichts von Covid nicht zu kleine Innenräume teilen.
Hier gab es laut Prospekt eine Menge Cafés. Deshalb ließen wir Bogense Hotel links liegen. Das gegenüberliegende Café war leider geschlossen. Etwas weiter längs gab es Café Kysten, überall Werbung, aber auch leider geschlossen. Na, macht nichts, ein paar Schritte zurück und zum Café Onkel, hübsch gelegen in einem Innenhof. Die Bedienung wischte den Tisch sauber, gab uns die Speisekarte und …
Weitere Gäste wurden bedient, es wurde abgeräumt, andere bekamen eine Speisekarte. Leider kam sie nie wieder zu uns zurück und es gelang uns nicht, sie zu uns zu rufen. Nach einer Weile verließen wir ziemlich verärgert den Hof.
Noch in Erwartung leckerster Torten …
Dann zum nächsten Café, dem Café Solo. Was soll ich sagen: gerade an diesem Tag wegen eines Todesfalls geschlossen. Ein bisschen Fußweg weiter liegt Bogense Bageri. Dann eben Coffee to go und Gebäck dazu, vielleicht auch noch ein schön belegtes Sandwich. Ich schwelgte schon in Plänen, die Uhr zeigte 16:22 Uhr und bäm!! Geschäftsschluss um 16 Uhr. An einem ganz normalen Wochentag. In der Saison. Es blieb uns nichts anderes übrig, als im naheliegenden Supermarkt die Reste im Backwarenregal zu kaufen und im Auto zu verzehren. Sehr frustrierend!!!
Zum Schloss kamen wir dann natürlich auch nicht mehr. Ehe wir da sein würden, hätten die bestimmt auch schon die Zugbrücke hochgezogen.
Stattdessen fuhren wir noch etwas an der Küste weiter, am Gyldensteen Strand vorbei, dem größten Renaturierungsprojekt auf Fünen. Hier wurde der 1872 gebaute Deich (um die landwirtschaftlich zu nutzenden Flächen zu vergrößern) 2014 wieder entfernt. Seitdem belebt sich die Vogelwelt sichtbar. Wir bogen jedoch landeinwärts ab und wurden vom Navi quer durch die Getreidefelder, auf denen die Ernte in vollem Gang war, geleitet. Unser Ziel war Glavendruplunden. In diesem Hain stehen Gedenksteine aus der Bronze-, der Wikinger- und der Neuzeit (Grundgesetz, Wiedervereinigung, Befreiung 1945). Die berühmtesten Anlagen sind jedoch die aus der Wikingerzeit: die Schiffssetzung und der große Runenstein.
Flinthøj und Rævehøje aus der BronzezeitSchiffssetzung, eine 50 Meter lange bootförmige Reihung aus 28 aufrecht stehenden Steinen
Ein Grab wurde nicht gefunden, die Schiffsssetzung wurde zum Gedenken an Alle errichtet. Alle war ein Adeliger, der auch eine Priesterfunktion inne hatte, also eine sehr hochgestellte Persönlichkeit. Der Runenstein wurde von seiner Frau Ragnhild und den Söhnen errichtet. Dies weiß man vom Runenstein, der Dänemarks längste Runensteininschrift trägt.
Die Inschrift schließt mit einer Warnung: Wer den Stein zerstört oder ihn entfernt, dem wird es übel ergehen. Eine Warnung, die offensichtlich schon sehr lange beherzigt wird.
Durch das malerische Nordfünen ging es, konsequent das Navi ignorierend, das uns immer auf die Autobahn führen wollte, wieder zurück nach Middelfart.
Heute ging es aufs Festland. Wir hatten vorher überlegt, die knapp 20km mit dem Fahrrad zu fahren. Es war aber sehr windig. Als wir die Steigungen mit dem dazugehörigen Gefälle sahen, waren wir echt froh über unsere Entscheidung, doch das Auto zu nehmen.
Unser Ziel war Trapholt (endlich mal wieder ein Kunstmuseum besuchen), das eine große Arne Jacobsen Ausstellung präsentiert. Zutritt gab es nur mit Test oder Impfzertifikat. Die Kontrolle erfolgte noch vor dem Gang zur Kasse. Zusätzlich gab es Beschränkungen bei der maximalen Besucheranzahl in den Räumen (Aber wann ist es in Museen schon so voll?) und überall die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Masken mussten nicht getragen werden. Wir hielten entsprechend Abstand zu anderen.
„Arne Jacobsen – Designer Danmark“ lautet der vollständige Titel der Ausstellung, schön mehrdeutig, könnte auch ‚Arne Jacobsen entwirft Dänemark’ heißen. Wie kein anderer hat er die Wohn- und Arbeitskultur des Landes geprägt. Wer schon mal in Kopenhagen war, hat das SAS-Hotel (hat jetzt einen anderen Namen) am Rathausplatz gesehen, bei dem er nicht nur das Gebäude, sondern auch das gesamte Interieur bis hin zu Porzellan und Besteck entworfen hat.
Er entwarf auch öffentliche Gebäude wie Schulen und Rathäuser (auch das in Mainz), Fabrikgebäude, Textilien und Tapeten und natürlich seine berühmt gewordenen Stühle und Sessel.
Für die Kantine eines Unternehmens entwarf er z.B. ‚myren‘ (die Ameise) mit nur drei Beinen, um Platz zu sparen und, ganz neuartig damals, Sitz und Lehne aus Sperrholz. Der Möbelfabrikant wollte den Entwurf nicht in Serie gehen lassen, unverkäuflich seiner Meinung nach. Bei einem Besuch im Atelier erkundigte sich der Unternehmer nach den Stühlen. Jacobsen zeigte ihm den Prototyp und fragte: „Wie viele Stühle sagtest du noch mal, bräuchtest du?“ Mit der genannten Zahl ging Jacobsen zum Möbelbauer, die Produktion ging los, der Rest ist Geschichte.
Hier sitzt Kay auf einer gigantisch großen Ausgabe der Ameise.
Und wer kennt sie nicht, oder hat sie gar zuhause, die ikonischen zylindrischen Thermoskannen der Firma Stelton. Auch die hat Jacobsen entworfen, gemeinsam mit noch vielen anderen Dingen bilden sie die Serie ‚Cylindra‘.
Ganz avantgardistisch erschien der Fachwelt das ‚Kubeflex‘-Haus, das 1970-71 zum ersten Mal auf einer Fertighaus-Messe vorgestellt wurde.
Die jeweils 11 Quadratmeter großen Kuben können sich je nach den Bedürfnissen der Bewohner zusammenstellen lassen. Dieses später von der Familie genutzte Sommerhaus ist das einzige Exemplar, das verwirklicht wurde, da Arne Jacobsen unerwartet im März 1971 starb.
Es besteht aus Wohn- und Esszimmer, Küche, Bad und zwei Schlafzimmern; 6 Kuben, „aneinandergeklickt“, von der Decke aus beheizt, mit einem Kamin im Wohnzimmer als einziger sichtbarer Wärmequelle und unterschiedlichen Möglichkeiten, die Fassaden zu gestalten. Alles in Modulbauweise, damals undenkbar, heute immer noch modern.
Wohnzimmer und EssbereichKücheSchlafzimmer
Nach einer Pause mit Kaffee und Torte ging es noch durch die anderen Ausstellungen. Besonders interessant fand ich diese Installation aus Stickereien, die mehr als 750 Menschen, überwiegend nördlich der Grenze wohnend, anlässlich der 100-Jahr-Feier der Grenzziehung 2020 angefertigt haben. Aus dänischer Sicht heißt das Ereignis Wiedervereinigung.
Und dann gab es noch eine auf den ersten Blick willkürlich zusammen gestellte und gestopft volle Ausstellung aus der Trapholt-Sammlung.
Der Clou daran war, die Ausstellung heißt „Deine Ausstellung“, dass man mit einem kleinen Puck diverse Computerterminals aktivieren konnte, um aus seinen elf Lieblingsstücken die eigene Ausstellung zu kuratieren. Diese wurde dann über eine große Leinwand in einem Extra-Kabinett allen zugänglich gemacht.
Nach viereinhalb Stunden fuhren wir wieder, endlich einmal wieder aufgefüllt mit herausfordernden visuellen Erlebnissen, aber auch sehr erschöpft.
Unser Campingplatz hat seinen Namen vom naheliegenden Schloss samt gleichnamigem Tiergehege, nur den sprichwörtlichen Katzensprung entfernt. Gleich nachdem wir durch die Pforte kamen, gab es Bewegung rechts im Wald. Kurz darauf überquerten jede Menge Rehe mit ihren Kitzen die Straße, um zur großen Herde zu kommen.
Nachzügler, die Herde gab schon LautDas Hauptgebäude des Schlosses Hindsgavl, links und rechts stehen noch zwei Gebäudeflügel, Kavaliersflügel links und Frauenflügel rechts.
Damals waren die Damen und Herren wohl noch getrennt untergebracht. Heutzutage beherbergt der Frauenflügel ein Restaurant Namens ‚Die weiße Dame‘, in den anderen Gebäudeteilen außer im Hauptgebäude, sind Hotelzimmer. Zur Weihnachtszeit kann man hier echte dänische julehygge erleben, ab 605 Euro pro Person/ Tag im Doppelzimmer. „Ab“ bedeutet wohl nicht die Unterbringung hier, sondern eher in den umgebauten Ställen im dreiseitigen Wirtschaftsgebäude gegenüber.
links der ehemalige Kuhstall, gegenüber der Schweinestall (nicht im Bild), in der Mitte noch ein Restaurant
Das Restaurant „Die weiße Dame“ hat seinen Namen nach dem schlosseigenen Gespenst erhalten. Der Sage nach verunglückte eine junge Braut auf dem Weg zur Hochzeit auf Schloss Hindsgavl mit der Kutsche, weil die Pferde plötzlich scheuten. Die Kutsche stürzte ins Wasser, die Braut wurde zwischen Sitz und Reisegepäck eingeklemmt und ertrank. Der Bräutigam rief noch lange vergeblich nach seiner Braut und meinte oft beim Spaziergang durch den Park, einen weißen Schatten ihrer Selbst zu erblicken.
Gerade jetzt findet auf dem Gelände die 53. Ausgabe des gleichnamigen Kammermusikfestivals statt. Daher war viel los auf den Parkplätzen, aber leider keine Musik draußen zu hören. Deshalb sind wir durch den Schlosspark spaziert, mit wunderschönen Ausblicken auf den Fænø Sund. Die weiße Frau haben wir nicht getroffen, sie soll auch immer nur abends in Erscheinung treten.
Die Aussichtspunkte haben mit der Umgestaltung des Gartens 1815 alle Namen im Geiste der damaligen Zeit erhalten. Dieser heißt ‚das Ende der Welt‘.Dieser Punkt mit kleinem Pavillon heißt ‚Sorgenfrei‘, nach Schloss Sanssouci in Potsdam. Es heißt, dass H.C. Andersen hier saß und eine Strophe auf den damaligen Kronprinz Christian gedichtet hat.der größere von insgesamt drei Teichen im Gartendie Gartenseite des Hauptgebäudes
Der Kranich auf dem Schild war das Wappentier einer früheren Eignerfamilie. Er hält einen Stein in der einen Kralle. Wenn er einschläft, lässt er den Stein fallen, der dann auf der anderen Kralle landet und ihn wieder aufweckt.
Dieser Rest einer Eiche stand ursprünglich an der Straße von Middelfart nach Hindsgavl. Der Stamm teilte sich irgendwann einmal und wuchs später wieder zusammen. Früher gab es den Volksglauben, dass Kranke und Unfruchtbare geheilt werden würden, wenn sie um Mitternacht durch einen solchen „Lochbaum“ klettern oder durchgezogen werden würden. Wenn man allerdings die falsche Richtung einschlug, hätte die Prozedur die gegenteilige Wirkung.
Zurück geht es durch die Hindsgavl Allee und wir sehen noch eine zweite Herde Sikawild. Beeindruckende Geweihe haben auch die. Gut, dass wir keines gefunden haben, das hätten wir sofort abliefern müssen.
Zum Abschluss der kleinen Tour gibt es sehr leckere Burger mit gekräuterten Pommes im Street-Food-Restaurant ‚Kitzchen‘, gebraten in einem alten amerikanischen Schulbus.
Kaum ein dänischer Wohnwagen kommt ohne ein Isabella-Vorzelt aus, je größer desto besser. Außer einem (oder nach Platzangebot auch zwei) Tisch und zwei bis vier bis acht Hochlehnern muss auch eine zweite Küchenzeile Platz haben, inklusive einer mannshohen Kühlgefrierkombination.
Bisher dachten wir, dass dieser große Anbau nur bei Dauercampern Usus ist. Jedoch sind heute die Nachbarn von gegenüber abgefahren. Der Rasen unter ihrem Vorzelt ist noch vorhanden und auch noch grün. Solange können sie daher nicht dagewesen sein. Ihr Außen-Kühlschrank passt so gerade eben in den Kofferraum des S-max.
Man benötigt halt sehr viel Kühlraum für Bier, Wein etc. bei hochsommerlichen Temperaturen. So ab Mittag kommen die ersten entsprechenden Getränke auf den Tisch. Der Konsum ist ziemlich hoch.
Das ist nur einer von zwei riesigen Containern nur für Glas. Der zweite ist genauso voll.In diesen großen Säcken sind nur Getränkedosen aus Alu.
Unsere Variante der Küchenzeile im Vorzelt sieht so aus:
Die Stromaufnahme im Wohnwagen sollte nicht über 1000 Watt sein. Deshalb wird der Wasserkocher direkt an die Kabeltrommel angeschlossen. Das Tischchen für die Bequemlichkeit haben wir im ersten Sabbatjahr in Schottland erstanden.
Nebenan wird gesaugt, anhaltend und ausdauernd (großer Wohnwagen, allerdings mit einem ungewöhnlich kleinen Vorzelt). Dann kommen auch mal die Teppiche zum Lüften raus. So einen kleinen Zelt-Schuppen wie rechts im Bild haben sie auch fast alle, allerdings immer in neuerer Variante als dieses.
Wir dagegen schleppen unseren Basilikum mit. Zuhause wäre er eingegangen. Also durfte er mit, bekommt regelmäßig Wasser und wird an den Reisetagen ein paar Stunden in den dunklen Schrank gesperrt. Das kann man inzwischen an einigen leicht gelben Blättern erkennen, aber ansonsten geht es ihm gut.
Fast jeder Dauercamper hat auch einen Rasenmäher im Gerätezelt. Der kommt hier grundsätzlich Sonntags zum Einsatz.