Unser Campingplatz Mitte liegt am westlichen Ende des Dorfes auf dem Sonnenhügel, gegenüber der Grundschule und nahe der dänischen Schule. Aber wir haben auch einen Spaziergang durchs Dorf gemacht, zumindest bis zur Dorfmitte, da wir einkaufen wollten.
Medelby liegt auf der schleswigschen Geest, irgendwie im Nirgendwo, zwar nur ungefähr 20 km westlich von Flensburg, zwischen B199 und der Grenze, gerade noch im Kreis Schleswig-Flensburg, aber es reicht, um das Gefühl zu erzeugen, man befindet sich im Niemandland. Aber sie haben es schlau angestellt. Zusammen mit den umliegenden Dörfern Holt, Weesby, Böxlund, Jardelund und Osterby haben sie das Kirchspiel Medelby gebildet. So waren sie (und sind vielleicht immer noch) in der Lage, eine Menge Fördergelder des Landes bzw. der EU zu erhalten und gleichzeitig mit einer geringen Gewerbesteuer sehr viele Gewerbe anzusiedeln (z.B. den Campingplatz, immerhin fünf Sterne, mit einem kleinen Hallenbad und auch Freibad, beides Einrichtungen, die die Dorfbewohner gern mit nutzen dürfen. Das eigene Freibad musste aufgegeben werden.)

Die Fördergelder haben auch die Anlage des Kirchspielparks unterhalb der St. Matthäus-Kirche ermöglicht, komplett mit neugestaltetem Ehrenmal für die im Krieg Gefallenen aus den Dörfern, einem Bibelgarten, einer Boulebahn (leider schon lange ungenutzt), einem Infopoint und abschließbaren Fahrradgaragen. Ein Einwohner, mit dem wir uns über sein Haus (unten mehr dazu) unterhielten, erzählte uns, dass die Gemeindevertretung genau wusste, auf welche Punkte es bei der Antragstellung ankommen würde.

Gegenüber des Parks befindet sich das „Versorgungszentrum“: Tankstelle (immer offen dank Kartenlesegerät, sehr praktisch), Versicherungsmakler (brauchten wir nicht) und (ganz wichtig) der EDEKA-Frischemarkt mit einer super guten und reichhaltigen Auswahl, fußläufig vom Campingplatz aus gut zu erreichen (ansonsten sind Aldi/ Lidl und Co. auch nur 6 km entfernt in Schafflund).

Lorenzen‘s Gasthof, in unserem Radwanderführer noch als eine der beiden zentralen Übernachtungsmöglichkeiten für eine Sterntour angegeben, ist inzwischen geschlossen, weil die Nachfolger fehlten. Die Gaststätte soll aber reanimiert werden, irgendwann. Das Gebäude wurde von drei Einheimischen gekauft, die es schafften, auch als Privatpersonen öffentliche Fördergelder (immerhin 200.00€) zu erhalten (wegen irgendwas mit Stärkung des dörflichen Lebens im Kirchspiel). Es waren auch schon Renovierungsarbeiten zu erkennen, als wir die Baustelle besuchten, ruhte allerdings die Arbeit komplett.
Schräg gegenüber stand die Meierei, die erst kürzlich abgerissen worden sein muss, der Bauzaun sah noch neu aus. Hoffentlich kommt da nicht so ein geschmackloses Häuserensemble hin wie im Hintergrund des Fotos zu sehen ist.

Woher wissen wir nun all dieses Insiderwissen? Na, von dem schon erwähnten netten Mann, den wir ansprachen, weil uns sein Haus so gut gefiel und wir wissen wollten, wer früher in so einem repräsentativen Gebäude gewohnt hat.

Das Haus heißt ganz einfach „Die Villa“. Der größte und erfolgreichste Bauer am Ort, der neben der Landwirtschaft auch den Gasthof nebenan (heute ist das ganze Gebäude zu viele Wohnungen umgebaut) und weitere erfolgsversprechende Gewerbe betrieb, ließ die Villa für seine zwei unverheirateten Schwestern bauen. Dazu beauftragte er einen Baumeister aus der großen Stadt (Flensburg) und ließ alles, was es damals an modernster Technik gab, einbauen. Er wollte den Dorfbewohnern ein für alle Mal zeigen, wo der Hammer hängt, so die Aussage des jetzigen Eigentümers. Die Heizkörper, das Parkett und anderen Inneneinrichtungen sind auch heute noch intakt und in Betrieb, 100 Jahre alt, eben damals schon vom Feinsten. Der Landwirt, dessen Namen wir leider vergessen haben, lebte selbst bis 1950 in der Villa. Während der Nachkriegszeit diente das Gebäude als Offizierskasino der Briten. Kein Wunder, es ist einfach das repräsentabelste Gebäude an der Hauptstraße. Die unteren Ränge wurden im Gasthof nebenan einquartiert.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz kamen wir an diesem unscheinbaren Schild vorbei:

Die Geschichte wird im nächsten Blogeintrag erzählt.