Das Wetter ist inzwischen sehr hochsommerlich. Als es uns auf dem Campingplatz sogar im Schatten zu brütig heiß wurde, wollten wir uns auf einem kurzen Ausflug ins nahegelegenen Moor vom Fahrwind abkühlen lassen. Wir hatten zwar wieder die Fahrradkarte dabei, aber haben uns an den entscheidenden Stellen auf unseren Spürsinn verlassen. Das ist nicht immer die beste Idee! Bis Jardelund kamen wir noch ohne Probleme. Mit Hilfe der dort aufgestellten Infotafel und maps.me fuhren wir dann weiter und landeten erst einmal im Wald. Wir bogen ab und etwas später überquerten wir mal wieder die Grenzstraße (immer noch viel Verkehr) und fuhren gerade aus in einen Weg, der uns sehr vielversprechend erschien.

Auf dem Foto sieht der Weg noch ganz malerisch aus. Kurze Zeit später wuchsen Gräser, Brennnesseln und Brombeerranken bereits kniehoch. Als die Treckerspur auf ein Feld führte, wäre der Weg nur noch zu Fuß, mit langen Hosen und einer Machete in der Hand machbar gewesen. Also umdrehen und wieder ein Stück auf der Grenzstraße radeln, bis wir schließlich zu einem schön kurz gemähten Weg kamen.

Und schwups, da war sie, die gesuchte Infohütte.

Das grenzüberschreitende Frøslev-Jardelunder Moor steht schon seit 1985 unter Naturschutz.
Wir folgten dem Weg durch das Hochmoor und kamen an ein paar Infotafeln vorbei. Im Reiseführer war von einem 2,5 km langen Erlebnispfad durch das Moor die Rede. Den haben wir wohl nur gestreift (ich sag ja, Kartenlesen ist eine Kunst).

Dafür haben wir die versprochenen Kraniche gesehen! Sehr elegante Flieger. Nach der nächsten Abzweigung waren wir dann auch schon wieder raus aus dem Moor (letztendlich haben wir nur das nördlichste Zipfelchen durchfahren) und beschlossen, den nahen Grenzübergang in Fehle/Sofiedal anzugucken. Vielleicht würden wir dort ja über die Grenze kommen können.

Tja, es wäre gegangen, mit dem Fahrrad an den Sandsäcken vorbei, die Einheimischen machten es auch. Aber dann schreckte uns die Zeit, der Rückweg, der nahende Hunger und wohl auch die vielen Überwachungskameras auf der dänischen Seite davon ab, den verlockenden Wunsch in die Tat umzusetzen.

Ohne Corona scheint das Leben auf der Ecke ganz nett zu sein. Es gibt keine Grenzanlagen, die Bebauung geht ineinander über. Wir unterhielten uns mit einem Dänen, der auf der deutschen Seite wohnt. Sein Auto hat ein deutsches Kennzeichen, es parkt aber zur Zeit hinter den Betonpollern auf dänischer Seite. Zwischen seinem Haus und dem Auto steht dieser schöne Stein:


So kann man einen ausgedienten Gülletank auch verschönern. Der steht an der (ansonsten unsichtbaren) Grenze an der Y-Kreuzung, damit man weiß, wo man hinfährt.
Wir machten uns auf den Rückweg, immer geradeaus, eigentlich langweilig. Aber auf unserem Weg lag noch folgendes:


Und dann natürlich wieder Jardelund, das alte Dorf liegt komplett auf einem Hügel (man merkte es beim Radfahren). Früher haben sie, wenn alle Männer auf den Feldern arbeiteten, das Dorf ganz schnell an vier Toren gegen Viehdrift abriegeln können.
Nach gut 20 km waren wir wieder zurück auf dem Platz, und es war genauso brütig-heiß wie zuvor.
