Durch Medelby laufen sowohl der Nord-Ostsee-Radweg als auch die Grenzroute. Für beide gibt es einen schönen Deutsch-dänischen Radwanderführer, der schon lange unbenutzt im Regal lag. Eine gute Gelegenheit, eine der kürzeren Rundtouren auszuprobieren, von Medelby und Weesby über die Grenze nach Lille Jyndevad und Rens, dann wieder nach Deutschland und über Bramstedtlund und Holt zurück nach Medelby, gute 30 Kilometer lang.

Bestes Wetter zum Fahrradfahren, kein Wind und keine Steigung entlang der Route, was will man mehr.

Gleich am Anfang sind wir schon falsch abgebogen und haben den direkten Weg nach Weesby genommen. Die Straße ohne Radweg mussten wir uns mit schnellen Autos und großen Landmaschinen teilen. Der Überholabstand konnte wegen der schmalen Straße nicht eingehalten werden.

Aber danach ging es nur auf Feldwegen weiter, nahezu kein Verkehr. Weesby überraschte uns mit wirklich sehr großen und großzügigen, relativ neuen Häusern. Hier scheint man gut Geld zu verdienen, u.a. wohl mit großen Bürgerwindparks, von denen es einige gibt.

Bald darauf überquerten wir die stark befahrene Grenzstraße, die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern wird von vielen (bis den meisten, je nach Tages- oder Nachtzeit) überschritten. Auf der anderen Seite wollten wir bei Bögelhuus die Grenze überqueren. Aber daraus wurde nichts. Die erste Absperrung, noch auf deutschem Staatsgebiet, umfuhren wir beherzt, weil es ging.

Aber der direkte Übergang nur ein paar zehn Meter weiter war dicht; Corona macht unmöglich, was Schengen nur 19 Jahre früher ermöglicht hatte.


Vor dem Schengener Abkommen war dieser kleine Grenzübergang auch schon für die Allgemeinheit gesperrt. Nur Bewohner aus einem Umkreis von fünf Kilometern durften ohne Kontrolle passieren, hatten aber innerhalb von 48 Stunden auf dem gleichen Wege wieder zurückzukehren. Sie bekamen dafür einen Eintrag in ihren Pass. Auch Arbeitspferde erhielten individuelle Pässe, Kühe jedoch nicht.
Dazu eine schöne Geschichte aus den 1950er Jahren. Einem Bauern in Bögelhuus kam damals eine Kuh abhanden, man fand sie schließlich auf dänischer Seite wieder. Der dänische Zöllner führte sie eigenhändig zurück zur Grenze. Der deutsche Zöllner befand jedoch, dass, wenn schon mal so etwas außergewöhnliches geschah, man dieses dem Vorgesetzten melden sollte. Die Kuh blieb also beim dänischen Nachbarn in Quarantäne (gab‘s da auch schon, schien schon damals, zumindest für eine Kuh, eine Reise ins Risikogebieten gewesen zu sein), bis der deutsche Zollkommissar und der dänische Oberzöllner angereist kamen, um die Sache zu klären. Am Ende bekam der Bauer seine Kuh ohne Probleme zurück und der deutsche Zöllner einen Rüffel: so etwas banales bitte nie wieder melden.

Heutzutage kommen auch ohne Zöllner keine Wildschweine nach Dänemark rein. Wie entlang der gesamten deutsch-dänischen Grenze verläuft auch hier der Wildschweinzaun gegen die Einschleppung der afrikanischen Schweinepest ins Königreich.

Wir waren zwar im Besitz gültiger Ausweisdokumente, die nützten uns aber hier nichts. Wir drehten also ab und fuhren quer durch die Feldmark Richtung Grenzstraße, um den nächstgelegenen Übergang Pepersmark auszuprobieren. Dafür mussten wir leider vier Kilometer gemeinsam mit den Rasern (s.o.), den auch nicht gerade langsam fahrenden Wohnmobilen und den LKW-Gespannen auf der Fahrbahn fahren, kein gutes Gefühl. Zumindest überholten uns die meisten mit großem Abstand.


Dann waren wir plötzlich im Kreis Nordfriesland und am Grenzübergang. Der war offen. Hier kommen zwei Fotos, das erste aus unserem Reiseführer, das zweite von unserem Ausflug, finde die Unterschiede!


Eine Pop-up-Grenzanlage bestehend aus einem Schlagbaum (Autos können abends/nachts nicht passieren, dann wird abgeschlossen), einem Zelt (heute gegen Sonne, sonst wahrscheinlich eher gegen Wind und Wetter), ein paar Baken zum Absperren und zwei dänischen Grenzern (sehr freundlich), die wirklich jeden Ausweis kontrollierten. Den leistungsstarken Generator dahinter kann man auf dem Foto nicht sehen.

Wir kamen am Gut Pebersmark vorbei und freuten uns schon auf ein Eis in dem kleinen Örtchen Rens. Da gab es aber nicht viel, eine Schule, ein Frisör, ein Museum, weit und breit kein Kaufmann. Standen deshalb ausschließlich dänische Wagen auf dem Parkplatz des Grenzhandels in Neupepersmark auf deutscher Seite (z.Zt. ist sicherlich auch der Mehrwertsteuerunterschied von 9% ein weiterer Anziehungspunkt)?

Wir beschlossen, im Museum nachzufragen, wo wir denn unser Eis kaufen könnten, bevor wir weiter durch den Ort irren würden. Zu unserer großen Überraschung gab es aber kein Eis (obwohl wir das auch hätten bekommen könnten), sondern das Angebot, Kaffee und Kuchen zu erhalten. Denn bevor man in die eigentliche Ausstellung kommen konnte, betrat man zuerst das Café des Museums. Dem Angebot konnten wir nicht widerstehen, es war bereits beste Kaffeezeit am Nachmittag. „Dagens hjemmebag“ war diesmal eine Biskuitrolle gefüllt mit Sahne, Melone, roten Johannisbeeren und karamellisierten Pekannüssen und Sonnenblumenkernen, sehr lecker!!

Dann haben wir uns noch die kleine Ausstellung angesehen zur Geschichte der Landschaft zwischen der Königsau im Norden und der Eider im Süden. Über die verschiedenen Kriege und die Volksabstimmung 1920 wussten wir schon viel. Genauer hat uns diesmal die Geschichte der Kolonisten beschäftigt, die der dänische König Frederik V im 18. Jahrhundert mit dem Versprechen eines besseren Lebens aus Baden-Württemberg, der Pfalz und Schwaben in den Norden gelockt hatte. Für sehr viele Kolonisten wurde dieses Versprechen nie eingelöst, es kamen zu viele zu schnell in eine noch nicht vorbereitete Umgebung. Die Arbeit war hart, zu Essen gab es zu wenig. Viele verhungerten oder zogen weiter nach Russland (die Versprechen der Zarin Katharina waren noch verheißungsvoller, im Wolgagebiet angekommen war das Leben dann ungleich härter, aber von dort kam man nicht mehr so leicht weg).

Dinge aus der lokalen Geschichte werden auch ausgestellt, hier kommt eine kleine Auswahl:



Zwischendurch führten wir immer mal wieder informative Gespräche mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern in einem schönen Gemisch aus dänisch und deutsch. Anschließend ging es ohne Ausweiskontrolle auf dem gleichen Weg zurück nach Deutschland und dann vorbei an alten Kiesgruben und Maisfeldern, an einzelnen Gehöften, einige noch betrieben, viele zu Wohnungen umgewandelt, über Bramstedtlund zurück nach Medelby (den Schlenker über Holt ersparten wir uns, wir waren müde und hungrig). Ein sehr schöner Ausflug mit unerwarteten Erlebnissen.
