Seit dem Frühjahr sind wir stolze Besitzer eines Wohnwagens, bereits im Januar ausgesucht in Erwartung eines tollen Reisefrühlings/ ~sommers. Wir wollten ihn (und unseren Umgang damit) ausgiebig prüfen, bevor in einem Jahr die nächste große Reise (zweites Sabbatjahr ist zwischenzeitlich in erreichbare Nähe gerückt) ansteht.
Nun ja, dann kam Corona. Der Wohnwagen bekam einen wunderschönen Standplatz auf unserem Grundstück, wir schliefen auch schon mal eine Woche drin (es schläft sich sehr gut, festes Bett, kein Umbau mehr). Auch als Gästewohnung fand der Wohnwagen Zuspruch. Inzwischen waren die Sommerferien angebrochen, die Campingplätze an Schleswig-Holsteins Küsten wurden von den anderen Touristen überrannt, und wir konnten uns nicht entscheiden, wo wir denn hinfahren sollten. Also blieben wir auf der heimischen Scholle, bis wir genug von Unkraut jäten und Holz streichen hatten.
Wir brauchten dringend noch etwas Tapetenwechsel.
Die Wahl fiel auf den Campingplatz Mitte in Medelby, ganz oben im Norden an der Grenze zu Dänemark, genau in der Mitte von Nordsee und Ostsee gelegen (hence the name). In der Ecke waren wir noch nie (das kann einem auch keiner verdenken), für die Jungfernfahrt ist es nicht wirklich weit weg von zuhause (was sich schnell als positiv entpuppen sollte) und, mit dem Kauf des Wohnwagens bekamen wir zwei Übernachtungen auf genau diesen Platz geschenkt (was will man mehr).

Wir fuhren über Nebenstrecken, damit sich das richtige Urlaubsfeeling sofort einstellte; erprobten auch gleichzeitig das neue Zugfahrzeug (beim alten gab die Kupplung kurz vorher auf, Reparatur lohnte sich altersmäßig nicht mehr (das erinnerte uns an den Start ins erste Sabbatjahr: schnell neues gebrauchtes Auto anschaffen, denn die Fährüberfahrt war schon gebucht)) und hatten uns im Internet einen extra großen Stellplatz ausgesucht, damit wir coronamäßig auf der sicheren Seite waren.
Anderthalb Stunden später waren wir da, der Wohnwagen bekam eine schöne Südausrichtung (dem Mover sei Dank, damit fährt das schwere Teil ganz allein wie von Zauberhand in jede gewünschte Position) … und dann war das Elektrokabel schlicht zu kurz, oder aber der Abstand zum Stromkasten zu groß. An letzterem konnten wir nichts ändern, die Betreiber hatten bereits alle Adapter an andere Tüffel ausgeliehen, aber im Shop gab es den passenden Adapter, um mit einer (noch zu erstehenden) Kabeltrommel die Distanz zu überbrücken. Der nächste Baumarkt war nur 15 km entfernt.

Tja nun, zuhause stand unsere Kabeltrommel im Schuppen, über die Autobahn wäre man in einer Stunde dort und das neue Auto wollte auch gern im Hochgeschwindigkeitsbereich getestet werden. Und außerdem hatten wir uns wegen genau solcher Fälle für einen Platz in der „Nähe“ entschieden. Also ab nach Hause, vorher noch den Kühlschrank im Wohnwagen auf Gasbetrieb umgestellt. Schnell die Kabeltrommel eingepackt, auch gleich noch etwas Bargeld (hatten wir auch vergessen, aber vier Brötchen am Morgen zahlt man ungern mit der Karte) und wieder zurück. Inzwischen war es dann doch so gegen 18 Uhr, seit dem Frühstück hatten wir nichts gegessen. Also hielten wir bei famila an, kauften die letzten belegten Brote und vertilgten sie gleich auf dem Parkplatz (nur acht Kilometer von zuhause weg, komisches Gefühl).

Zurück auf dem Campingplatz stellten wir fest, dass auch der Kühlschrankbetrieb mit Gas richtig zu erlernen ist (gut, dass eine Betriebsanleitung im Wohnwagen liegt). Die Milch nahm trotzdem keinen Schaden, der Stromanschluss klappte und etwas später am Abend hatten wir auch den Herd erfolgreich ausprobiert. Nun konnte der Urlaub richtig beginnen.
