Jungfernfahrt mit dem Wohnwagen, Teil 2

Die nächsten anderthalb Tage harrten wir bei Sturm und Regen und sporadischem Sonnenschein im Wohnwagen aus, genug zu lesen hatten wir eingepackt. Mit dem Wohnwagen mitgekauft hatten wir auch ein leichtes Reisevorzelt („keine Gewähr für die Funktionsfähigkeit“). Nun wollten wir gern wissen, in welchem Zustand es ist und wie der Aufbau klappen würde. Dafür musste nur der stürmische Wind mal nachlassen.

Es gab keine Aufbauanleitung für das Zelt. So hatte ich mich vorher schon mal im Internet schlau gemacht. Auch dort fand sich keine schriftliche Anleitung, aber bei YouTube baute so ein cooler Macker genau unser Modell zur Probe auf. Der stellte sich dabei selten dämlich an, vielleicht gehörte es zur performance, denn die likes attestierten ihm ein gelungenes Video. Warum man dafür sprachlich entgleisen muss, erschließt sich mir nicht ganz, ich habe die ganz doofen Stellen vorgespult und trotzdem einen guten Eindruck erhalten, wie der Aufbau in etwa gelingen könnte.

Das war im Frühjahr. Beim Auspacken des Packtascheninhalts kamen so nach und nach die Erinnerungen wieder. Recht zügig, trotz der gelegentlichen Windböen, stand das Vorzelt und ist in tadellosem Zustand. Wahrscheinlich wurde es von den Vorbesitzern nur einmal aufgebaut, vielleicht verzweifelt an den vielen Strippen und der fehlenden Anleitung. Unser „Zeltteppich“ aus dem Sabbatjahr passt hervorragend hinein. In dem Zuge fanden auch die Wäscheleine und die Lichterkette ihren Platz.

Beim Wühlen in der Kramkiste fand sich dann auch noch der fehlende Stromadapter wieder. Wir hätten den Adapter also vor zwei Tagen nicht panikmäßig im Campingplatz-Shop kaufen müssen. Netterweise konnten wir ihn wieder zurück geben. Das Abendessen im Vorzelt schmeckte danach noch mal so gut.

ein bisschen Glamping ist schon schön

Jungfernfahrt mit dem Wohnwagen, Teil 1

Seit dem Frühjahr sind wir stolze Besitzer eines Wohnwagens, bereits im Januar ausgesucht in Erwartung eines tollen Reisefrühlings/ ~sommers. Wir wollten ihn (und unseren Umgang damit) ausgiebig prüfen, bevor in einem Jahr die nächste große Reise (zweites Sabbatjahr ist zwischenzeitlich in erreichbare Nähe gerückt) ansteht.

Nun ja, dann kam Corona. Der Wohnwagen bekam einen wunderschönen Standplatz auf unserem Grundstück, wir schliefen auch schon mal eine Woche drin (es schläft sich sehr gut, festes Bett, kein Umbau mehr). Auch als Gästewohnung fand der Wohnwagen Zuspruch. Inzwischen waren die Sommerferien angebrochen, die Campingplätze an Schleswig-Holsteins Küsten wurden von den anderen Touristen überrannt, und wir konnten uns nicht entscheiden, wo wir denn hinfahren sollten. Also blieben wir auf der heimischen Scholle, bis wir genug von Unkraut jäten und Holz streichen hatten.

Wir brauchten dringend noch etwas Tapetenwechsel.

Die Wahl fiel auf den Campingplatz Mitte in Medelby, ganz oben im Norden an der Grenze zu Dänemark, genau in der Mitte von Nordsee und Ostsee gelegen (hence the name). In der Ecke waren wir noch nie (das kann einem auch keiner verdenken), für die Jungfernfahrt ist es nicht wirklich weit weg von zuhause (was sich schnell als positiv entpuppen sollte) und, mit dem Kauf des Wohnwagens bekamen wir zwei Übernachtungen auf genau diesen Platz geschenkt (was will man mehr).

Abfahrt naht, nur noch eine halbe Stunde warten, bis der Wagen der Kanalreinigung nicht mehr die Straße versperrt.

Wir fuhren über Nebenstrecken, damit sich das richtige Urlaubsfeeling sofort einstellte; erprobten auch gleichzeitig das neue Zugfahrzeug (beim alten gab die Kupplung kurz vorher auf, Reparatur lohnte sich altersmäßig nicht mehr (das erinnerte uns an den Start ins erste Sabbatjahr: schnell neues gebrauchtes Auto anschaffen, denn die Fährüberfahrt war schon gebucht)) und hatten uns im Internet einen extra großen Stellplatz ausgesucht, damit wir coronamäßig auf der sicheren Seite waren.

Anderthalb Stunden später waren wir da, der Wohnwagen bekam eine schöne Südausrichtung (dem Mover sei Dank, damit fährt das schwere Teil ganz allein wie von Zauberhand in jede gewünschte Position) … und dann war das Elektrokabel schlicht zu kurz, oder aber der Abstand zum Stromkasten zu groß. An letzterem konnten wir nichts ändern, die Betreiber hatten bereits alle Adapter an andere Tüffel ausgeliehen, aber im Shop gab es den passenden Adapter, um mit einer (noch zu erstehenden) Kabeltrommel die Distanz zu überbrücken. Der nächste Baumarkt war nur 15 km entfernt.

Sogar das Wetter spielt mit, schleswig-holsteinischer Sommer

Tja nun, zuhause stand unsere Kabeltrommel im Schuppen, über die Autobahn wäre man in einer Stunde dort und das neue Auto wollte auch gern im Hochgeschwindigkeitsbereich getestet werden. Und außerdem hatten wir uns wegen genau solcher Fälle für einen Platz in der „Nähe“ entschieden. Also ab nach Hause, vorher noch den Kühlschrank im Wohnwagen auf Gasbetrieb umgestellt. Schnell die Kabeltrommel eingepackt, auch gleich noch etwas Bargeld (hatten wir auch vergessen, aber vier Brötchen am Morgen zahlt man ungern mit der Karte) und wieder zurück. Inzwischen war es dann doch so gegen 18 Uhr, seit dem Frühstück hatten wir nichts gegessen. Also hielten wir bei famila an, kauften die letzten belegten Brote und vertilgten sie gleich auf dem Parkplatz (nur acht Kilometer von zuhause weg, komisches Gefühl).

Ciabatta mit Käse und Tomate bzw. Fladenbrot mit Pute und Krautsalat, dazu heißen Kaffee

Zurück auf dem Campingplatz stellten wir fest, dass auch der Kühlschrankbetrieb mit Gas richtig zu erlernen ist (gut, dass eine Betriebsanleitung im Wohnwagen liegt). Die Milch nahm trotzdem keinen Schaden, der Stromanschluss klappte und etwas später am Abend hatten wir auch den Herd erfolgreich ausprobiert. Nun konnte der Urlaub richtig beginnen.

überwiegend Melamin an Bord wegen des Gewichts, aber Besteck aus Edelstahl muss schon sein; es gab Mangold-Möhrengemüse auf Basmatireis

VardeGarten

Sonnabends ist Bettenwechsel in den Sommerhäusern, schon immer gewesen, obwohl die Familien nebenan schon am Freitag wechselten. Aber die große Mehrheit fährt am Sonnabend zur mehr oder weniger gleichen Uhrzeit Richtung Süden. Erst am Kreisel Richtung Autobahn verdünnt sich der Verkehrsfluss, wenn man selbst an der Westküste weiter zur Grenze fährt.

Bis dahin verging aber noch einige Zeit, es begann sich schon nördlich von Varde zu stauen. Deshalb fuhren wir in die Stadt hinein, um einen Kunstgarten anzusehen. VardeGarten (wobei die Buchstaben ART fett geschrieben werden), eröffnet 2018, ist nicht so einfach zu finden. Das Navi lotste uns direkt neben der Fußgängerzone in eine schmale Gasse. Das konnte eigentlich nicht richtig sein, denn wir erwarteten einen Park. Aber es war richtig und unser Auto wurden wir da nicht los.

der eine Eingang

Glücklicherweise sind die dänischen Sprachkenntnisse gut und zufälligerweise stand am Eingang eine nette Dänin herum, so dass der Weg zum nächsten Parkplatz leicht zu finden war.

Der Parkplatz befindet sich hinter dieser Grünanlage, vor den roten Häusern.

Der Kunstgarten liegt tatsächlich mitten in der Stadt und hat einen zweiten Zugang von einer Shopping Mall aus.

Links unterhalb der bunten Streifen geht es durch die Mall zur Fußgängerzone.
der andere Eingang

Marktplatz, Rathaus und Kirche liegen gleich nebenan.

Die Kunstwerke, meist von namhaften dänischen Künstlern, aber auch von internationalen Künstlern, gruppierten sich rund um eine riesige Blutbuche herum und werden von einer gemeinnützigen Stiftung angekauft. Die Skulpturen und Reliefs aus Mamor, Bronze, Granit, Keramik und Stahl werden immer mal wieder umgestellt oder auch ausgetauscht.

federleicht wirkende Mamorplatten schwingen im Wind

Den Pavillon kann man für Veranstaltungen mieten. Essen und Trinken gibt es im Kro nebenan mit dem schönen Namen „Von Lügenhals“.

So ein Gartenareal hätte auch für uns zuhause genau die richtige Größe, ebenso wie die ausgestellten Werke. Schade, dass wir keine Stiftung in der Hinterhand haben, die uns so ein Kleinod finanzieren würde.

Wir haben noch einen kleinen Rundgang durch die Fußgängerzone gemacht, wollten dann aber auch weiter nach Hause fahren. Gleich hinter Varde stauten wir uns mit den später abgefahrenen Sommergästen bis zum besagten Kreisel und entschieden uns dann aufgrund der Staumeldungen auf der Autobahn dazu, über Ribe gen Süden zu fahren.

Bis bald, schönes Dänemark.

Großes Glück im kleinen Hundewald

Diesmal sind wir von der Nehrung heruntergefahren, Richtung Süden, damit unser Enkelhund sich mal richtig austoben kann. Kurz hinter Nymindegab gibt es einen kleinen Hundewald, der auch für das Enkelkind ein großer Spaß ist, da es sich stets entscheiden durfte, welchen Weg wir als nächsten einschlagen sollen. Der Hund wurde nicht gefragt, der trottet immer hinterher, das Kind zu beschützen.

Natürlich stolpert man auch ab und zu über eine querliegende Baumwurzel. Das wird flugs umgedeutet zu: oh, was liegt denn dort spannendes zum Aufsammeln? Der Eimer will schließlich gefüllt werden.

Der Wald ist zwar klein, aber doch abwechslungsreich in Vegetation und Anlage. Man kann sich sogar leicht mal aus den Augen verlieren.

Auch der Hund kam zu seinem Recht. Treffen mit Arno.
Waldheidelbeeren, fast alle noch grün, die blaue schmeckte gut
ein Abenteuerspielplatz für Kind und Kegel

Lyngvig Fyr, zweiter Versuch

Um es gleich vorwegzunehmen: es wird irgendwann auch noch einen dritten Versuch geben. Diesmal hatten wir keinen Regen. Wir waren früh genug da, so dass der Andrang sehr übersichtlich war. Auch der Eintritt in den Leuchtturm (Ich hatte mich schon sehr auf die Wendeltreppe im Innern gefreut.) war auf die Hälfte reduziert.

Blick vom Parkplatz aus

Aber: der Aufenthalt in Dänemark an der Küste im Sommerhaus ohne Masken vor dem Gesicht lässt einen schnell vergessen, dass da ja noch was mit Corona war. Auch die Desinfektionsmittel im Eingang der Geschäfte kommen zierlich in hübschen Behältern auf einem Beistelltisch daher.

Für den Aufgang zum Leuchtturm mit seiner Aussichtsplattform musste man also ein zeitlich gebundenes Ticket kaufen und sich dann erst einmal anstellen. Etliche Familien konnten dort in der Warteschlange schon nicht so gut mit den Sicherheitsabständen umgehen (freundlich formuliert). Oben auf der Plattform drängte und schob es sich dann im Kreis.

im Hintergrund der Ringkøbing Fjord

Dazu hatten wir überhaupt keine Lust. Deshalb beschlossen wir, lieber schöne Fotos von unten zu machen und spazierten über die Düne Richtung Strand.

auf der Düne
und schon wieder runter
am Strand entlang, mit den Füßen im Wasser, Ausschau nach schönen Steinen halten, macht in Corona-Zeiten nochmal mehr Spaß
und leer ist es (dafür mit ein bisschen mehr Farbe)

Lynvig Fyr ist der jüngste der dänischen Leuchttürme, 1906 erbaut. Schiffsunglücke gab es rund um Jütland schon immer zuhauf. 1903 strandete das Dampfschiff Avona, und es kamen 24 Seeleute um. Diesmal intervenierte die norwegische Regierung und drängte auf den Bau eines Leuchtturms. 38 Meter hoch ist er und gewinnt noch etwas an Höhe, da die Düne selbst auch noch 17 Meter mitbringt.

er ist einfach markant in der Landschaft

1965 wurde das Leuchtfeuer automatisiert. Davor wohnten der Leuchtturmwärter mit zwei Gehilfen und deren Familien ziemlich einsam auf dem Gelände. Nur einmal jährlich wurden sie von Kopenhagen aus versorgt. Alles andere mussten sie selbst anbauen oder fischen. Was für eine Vorstellung! In den Gebäuden sind heute u.a. ein kleines Museum, ein Shop und ein Café untergebracht.

Blick von den umliegenden Gebäuden aus

Ausflug nach Hvide Sande

Holmsland Klit, also die Düne von Holmsland ist heutzutage sehr dicht mit Sommerhäusern bebaut. Bevor wir Touristen uns an der schönen Landschaft erfreuten, waren schon ganz andere „Sommergäste“ auf dem Dünenstreifen, nämlich das Vieh der Landwirte von Holmsland. Die grasten dort den Sommer über, so wie jetzt wieder die schottischen Hochlandrinder, die wir sahen. Außerdem wurden Kartoffeln und Hafer angebaut, frisch gefangene Fische ergänzten den Speisezettel. Nicht sehr üppig, das Leben damals auf der Nehrung. Das „Menschenvieh“ heutzutage bringt natürlich viel mehr Geld ein und sorgt für Wohlstand. Die Rindviecher werden zur Touristenattraktion.

Postalisch gehört der ganze Bereich des Holmsland Klit zu Hvide Sande, aber es gibt ja noch den kleinen Ort selbst, ziemlich genau in der Mitte der Nehrung gelegen. Sehr viel Aufregendes ist dort nicht zu sehen oder zu tun. Aber es gibt den Hafen, der heute zu den wichtigsten Fischereihäfen an der Nordsee zählt. Bei unserem Besuch war davon allerdings nicht viel zu erkennen. Wir waren auch schlicht zur falschen Uhrzeit da, die Fischauktion findet schon um 7 Uhr morgens statt.

ein Schiff für die Hafenrundfahrt
ein Schiff, auf dem geschweißt wird
immerhin ein großer Fisch im Ort, wenn auch aus Stein

Hvide Sande wurde 1931 gegründet, nachdem der Durchstich durch die Düne beendet war. Die Durchfahrt für Schiffe wanderte in den Jahrhunderten immer weiter nach Süden und drohte zu versanden. Damit wäre der Ringkøbing Fjord zu einem Binnenmeer geworden. Daher wurde beschlossen, einen Durchstich genau in der Mitte der Nehrung vorzunehmen. Er wird durch zwei Schleusen gesichert. Die Entwässerungsschleuse reguliert den Wasserstand und den Salzgehalt im Fjord. Dann gibt es noch eine Schiffsschleuse. Beide liegen unterhalb der Klappbrücke in der Ortsmitte.

Blick Richtung Fjord
Blick Richtung Nordsee
Luftbildaufnahme auf einem Infoschild

Nördlich der Klappbrücke gibt es ein kleines Fischereimuseum. Wir blieben in den Außenanlagen, vor allem, weil es dort einen Kinderspielplatz gibt. Außerdem hatten wir wirklich gutes Wetter erwischt.

jede Menge Erinnerungen an vergangene Zeiten
neuzeitliche kleine Krabbe in Reusenschaukel

Auf der anderen Seite der Durchgangsstraße liegt der Troldbjerg mit dem Signalmast. Dieser diente bis 1989 dazu, den einfahrenden Fischern die Wasserstandshöhe im Kanal anzuzeigen. Schwarze Drei- und Vierecke wurden in festgelegten Reihenfolgen gehisst. Zwei lange Vierecke in gleicher Höhe bedeuteten z. B., dass der Meerwasserstand über oder gleich dem mittleren Wasserstand war.

alle Signaltafeln hängen unten, im Vordergrund Überreste eines Bunkers aus dem 2. Weltkrieg

Für den Sohnemann interessant war das Brauhaus in Hvide Sande, seit 2018 wird in einem alten Fischpackhaus wieder Bier gebraut. Eine Führung mit Verkostung wollten wir nicht mitmachen, wir mussten ja noch Auto fahren. Dafür gab es im Supermarkt alle zur Zeit erhältlichen Standard- und Saisonbiere zu kaufen.

die Verkostung findet allerdings zu Hause mit Freunden statt
die in Dänemark beliebten Aludosen gibt es natürlich auch noch, inzwischen wird Verpackungsmüll eingespart, indem die Sechserpacks zusammengeklebt werden, nur ein Tragegriff aus Plastik ist dann noch dran

Mit dem Rad durch die Dünen

Nachdem wir einen Tag lang das komfortable Sommerhaus genossen haben (windgeschützte Ecken, das bisschen Sonne ausnutzen, lesen, schlafen, spielen), ging es heute mit den Fahrrädern los.

Vestkystruten mit der Nummer 1 führt von der deutsch-dänischen Grenze bei Rosenkranz/Rudbøl immer an der Nordsee entlang bis nach Skagen, insgesamt 560 km lang. Ein paar wenige Kilometer davon sind wir heute gefahren, bis zu einer Bake südlich von Hvide Sande.

unser Abschnitt, eine gut zu fahrende Schotterpiste
Da kommt unser Ziel in Sicht.

Der Radweg schlängelt sich quer durch das Dünengebiet, manchmal um höhere bewachsene Sandhügel herum, manchmal auch hoch und runter drüber, mal durchquert er Sommerhausareale.

Auch an den schottischen Hochlandrindern kamen wir wieder vorbei, diesmal grasten sie auf der anderen Seite des Weges. Vom stürmischen Wetter der letzten Tage war nichts mehr zu spüren, so kamen wir bei leichtem Gegenwind gut voran.

Da ist die Bake. Jetzt nur noch zu Fuß hoch.
Dahinter ist die Nordsee.
Nordsee glitzert in der Sonne und der Radweg ist immer zu sehen.

An der Bake genossen wir den wunderschönen Rundumblick und machten eine Pause in einer windgeschützten Mulde in den Dünen, bevor es auf den Rückweg ging.

Pause
Pausenausblick

Rund um den Ringkøbing Fjord

Es stürmt immer noch, der Wind wird kälter, die Sonne bleibt spärlich. Wir machen einfach das, was wir sonst auch im Sommer machen: nicht am Strand in der Sonne braten, sondern Sightseeing. Unser Ziel ist die Umrundung des Ringkøbing Fjords, der eigentlich eine Lagune ist, von der Nordsee abgetrennt bzw. geschützt durch das Holmsland Klit, auf dem auch unser Sommerhaus liegt.

Wir starten bei recht gutem Wetter, doch die Besichtigung gleich des ersten Stopps erledigen wir in zwei Minuten vom Auto aus. Lynvig Fyr, der Leuchtturm nördlich von Hvide Sande, bietet sonst eine wunderbare Aussicht auf die Nordsee. Heute fällt die Nordsee auf den Leuchtturm und auf unser Auto. Wir drehen um und fahren den blauen Himmelsflecken nach, Richtung Osten, zum nördlichen Ende des Ringkøbing Fjords.

Lynvig Fyr
Zwischen den grauen Wolken und dem grünen Bewuchs ist die Nordseite des Fjords zu erahnen.
Es wird trockener, die Wolkenformationen imposanter.

In der kleinen Handelsstadt stoppte der Regen, so konnten wir sie im Sonnenschein erkunden.

Die Kirche aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wartet im Innern mit einer Überraschung auf. Im Zuge der Renovierung von 1995-96 wurde ein modernes Altarbild von Arne Haugen Sørensen aufgestellt. Auch das Taufbecken ist nach einem Entwurf von Haugen Sørensen gestaltet worden. Der Kirchturm ist übrigens oben breiter als unten, was bei unserem Foto leider nicht zu erkennen ist.

In der Innenstadt erahnt man anhand der Gebäude die glorreiche Vergangenheit, als Ringkøbing erfolgreiche Handelsstadt im 18. und 19. Jahrhundert war. Alle Arten von Fellen, dazu Wolle und Tabak, Getreide und Butter, Ochsen und Fisch wurden nach Hamburg, Holland, England und Norwegen verschifft. Das Zollamt am Hafen zeugt heute noch von alter Größe.

Fußgängerzone
alter Ortskern mit Kopfsteinpflaster

Ganz in der Nähe steht eine 3,5 Meter hohe Skulptur des berühmten dänischen Bildhauers Jens Galschiøt. Im Volksmund wird sie die fette Frau genannt. Sie heißt jedoch ‚Survival of the fattest’, eine riesengroße, fette Frau aus der westlichen Welt, Justitia darstellend, sitzt auf den Schultern eines halbverhungerten afrikanischen Mannes. Nach einer Ausstellung mit Werken von Galschiøt in Ringkøbing wollten die Bewohner dieses Kunstwerk gern behalten. So sammelten sie innerhalb eines Jahres genügend Geld ein, um die Skulptur zu kaufen. In Blickweite steht eine weitere Skulptur des Künstlers, allerdings als Leihgabe, der ‚Balanceakt‘.

Survival of the fattest
Balanceakt

Auch die letzte Neuerwerbung der Stadt lief uns bei unserem Rundgang über den Weg, ‚Miss Ringkøbing‘, geschaffen von keinem geringeren als dem inzwischen verstorbenen Prinzgemahl der dänischen Königin, Prins Henrik.

Ringkøbing ist wirklich ein hyggeliges Städtchen.

Auch das Wetter hat weitere fotogene Seiten

Auf der Ostseite des Ringkøbing Fjords präsentiert sich die Landschaft so, wie man sich von Kopenhagen aus Jütland vorstellt: Felder, Wiesen, einsame Gehöfte, winzige Dörfchen, kurz: langweilig. Ist auch so, bis man wieder auf die Westseite kommt, mit der langen Dünenkette, hinter der die Nordsee beständig braust und rollt.

Das südliche Ende des ca. 30 km langen Fjords

Stormy Sun- and Monday

Vom atlantischen Sturmtief, das uns gerade das Hochsommerfeeling an der dänischen Nordseeküste vermissen lässt, lassen wir uns die täglichen Strandspaziergänge nicht vermiesen. Die Brandung ist einfach atemberaubend.

sehr hohe Wellen, sehr grauer Himmel

Gestern war es fast zu stürmisch zum Fotografieren. Alle Hände wurden gebraucht, den Hut, die Jacke und das Enkelkind daran zu hindern, einfach wegzufliegen. Im Wind flatternde Haare behinderten die Sicht. Der Wind blies so stark, dass das Kind einfach umgeweht wurde. Trotzdem war die Brandungskante mit den heranrollenden Wellen so anziehend, da mussten wir unbedingt näher ran. Das Kind wurde noch vor dem sich auftürmenden Nass gerettet, Omas Gummistiefel liefen dabei schwuppdiwupp voll. Stiefel nass, Socken nass, das schlimmste war am Ende, die nassen sandigen Füße für den Rückweg zum Haus wieder in die nassen sandigen Stiefel zu stopfen.

Sie trocknen auch am nächsten Tag noch, ausgestopft mit Zeitungspapier, vor sich hin.

Heute ließ sich die Sonne doch wieder blicken, dafür wurde der Wind kälter. Den feinen Dünensand nutzte er, um die Beine in den kurzen Hosen mal so richtig sandzustrahlen. Das war mehr als unangenehm. Allerdings war die Oma heute schlauer, diesmal ging es gleich mit nackten Füßen ins Wasser. Das Kind musste von zwei Personen am Wasserrand festgehalten werden, Umfallgefahr durch Wind und Wellen.

Der Hund ist kein Seehund, er ist eher wasserscheu.

Wir hatten auflaufendes Wasser, je länger der Spaziergang dauerte, desto schmaler wurde der Sandstreifen.

Daher ging es durch und über den Dünenkamm auf der Rückseite zurück. Dort beweiden schottische Hochlandrinder ein ca. 60 ha großes Naturschutzgebiet. Durch die Beweidung bilden niedrig blühende Stauden hübsch anzusehende und wohlriechende bunte Teppiche.

Sandthymian und andere hübsche Pflanzen

Auf die Weidefläche kamen wir zufällig durch ein Tor, das auf unserem Weg lag. Als wir schließlich an die Bebauungsgrenze zu den Sommerhäusern kamen, war von einem Ausgangstor nichts zu sehen. Hm, dann eben immer an dem Elektro-Weidezaun entlang, irgendwann kommt wohl ein Tor. Schließlich sahen wir Jogger, leider lag der Fußweg auf der anderen Seite des Zaunes. Von einem Tor war weit und breit nichts zu sehen. Also rollten wir uns kurzerhand unter den stromführenden Drähten hindurch, sehr zur Belustigung der Urlauber, die die Sonne im Windschatten ihrer Terrassen genossen.

Sturmmöwe im Sturm

Endlich wieder reisen!

Im ersten Halbjahr machte auch uns Corona einen Strich durch unsere geplanten Reisen. In Vorbereitung auf unser Sabattjahr-Abenteuer im nächsten Jahr legten wir uns im Frühjahr einen gebrauchten Wohnwagen zu. Den wollten wir in den Osterferien mit einer Tour durch Deutschland gründlich ausprobieren. Da kam das Reiseverbot, anschließend die geschlossenen Campingplätze dazwischen. Zu Pfingsten war noch einmal eine Städtereise nach Oslo gebucht, weil es uns dort im letzten Jahr so gut gefallen hatte. Die wurde storniert. Dann war noch eine Woche Sommerhaus-Urlaub im Sommer gebucht, die Grenze zu Dänemark blieb erst einmal geschlossen. Wir stornierten die Buchung trotzdem nicht, und siehe da: wir durften einreisen, und das aus zwei Gründen: Erstens konnten wir eine Buchung mit mehr als sechs Übernachtungen vorweisen, und zweitens, und das war fast noch besser, kommen wir aus Schleswig-Holstein! So begrüßte uns heute Morgen der dänische Grenzbeamte dann mit einem kurzen Blick auf unser Nummernschild mit den Worten: „Aus Schleswig-Holstein! Dann einen schönen Tag!“ Wir hielten unseren Mietvertrag schon bereit, aber den wollte er gar nicht sehen. Und schwupps waren wir i Kongeriget Danmark. Den sich aufbauenden Stau der Samstags-Bettenwechsler auf der A7 hatten wir, da wir tatsächlich einheimische sind, geschickt im Westen umfahren.

Und nun sitzen wir warm und trocken mit einem Glas Rotwein im Sommerhaus, das Meer ist noch da, und grad jetzt hat auch der Dauerregen für den Abend einen Pause eingelegt. Hochsommer an der Nordsee hatten wir zwar anders geplant. Die Sonne tut, was sie kann, aber gerade jetzt kann sie anscheinend gar nichts. Macht nichts, wir haben Regenklamotten mit. Hauptsache, mal wieder unterwegs zu sein.

4th of July, hier am Strand funktionieren die Abstandsregeln von allein.
Anfang Juli, Hochsaison, die Sonne ist mit unbekanntem Ziel verreist.
ein schönes geräumiges Sommerhaus gebucht
In Dänemark herrscht keine Maskenpflicht, aber Corona-Maßnahmen gibt es auch hier.