Nach sechs Stunden Spaziergang und ungefähr 11 km Pflastertreten liegt eine faszinierende Tour mit dem Fokus auf die unterschiedlichen Architekturen in Oslo hinter uns. Wir sind dem Routenvorschlag von Oslo Escape Routes gefolgt. Los geht‘s!
The Thief/ Tjuvholmen
Tjuvholmen (die Diebshalbinsel) ist ein neuer Stadtteil, in dem 20 unterschiedliche Architekten die neuesten Trends in der Architektur bauen durften. Auf der einen Seite ist die Vielfalt ganz spannend, andrerseits wirkt es an einigen Stellen auch beliebig.

The Thief ist ein Luxushotel, das erste Hotel in Oslo mit einem direkten Zugang zum Fjord. Die 160 m² große Penthouse-Suite besitzt eine eigene Dachterrasse mit einem tollen Panoramablick, wir durften es leider nicht selbst überprüfen.

Astrup Fearnley Museum
Das Kunstmuseum wurde vom berühmten Architekten Renzo Piano geplant. Das Glasdach erinnert an ein Segel, die Eisenträger an Segelmasten, die Holzfassade an Boote. Neben einer ständigen Sammlung sind auch Wechselausstellungen zu sehen.


Das neue Nationalmuseum
Hier entsteht das größte Kunst- und Architekturmuseum Skandinaviens, das neue Nationalmuseum. Die einzelnen Sammlungen sind noch auf einzelne Häuser aufgeteilt bzw. schon für den Umzug eingelagert. 2020 soll die Eröffnung sein.

Der Neubau umfasst einen ganzen Straßenblock und umschließt das Friedensnobelpreiscenter. Dieses war früher die Ankunftshalle für die Eisenbahn, das Kunstmuseum entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Kopfbahnhofs.

Oslos historisches Zentrum
Unser Weg führt uns über das Parlamentsgebäude zur ehemaligen Posthallen, die inzwischen Boutiquen und ein Restaurant beherbergt. Gegenüber war die Alte Kriegsschule beheimatet, bereits ca. 1640 errichtet und 1763 erweitert. Auf der anderen Straßenecke residiert eine sehr poshe Konditorei in einem Gebäude von 1895 (das Foto ist nichts geworden). Dafür leuchten die Auslagen von Pascal Tollbugata:





Bjørvika, ein Stadtteil mit 1000jähriger Geschichte und seit Beginn des Jahrtausends eines der größten städtebaulichen Entwicklungsprojekte im neuzeitlichen Norwegen.
Die öffentliche Bücherei Oslos hat den Namen Deichman. Hier in Bjørvika entsteht die neue Hauptstelle, es gibt außerdem noch 16 Stadtteilbüchereien, die größte davon in Majorstuen. Die Hauptstelle sollte schon im letzen Jahr eröffnet werden, nun ist 2020 prognostiziert.

Die Oper
Dieses ikonische Gebäude wollten wir uns auf jeden Fall ansehen. Designed von der norwegischen Architekturfirma Snøhetta, mit Preisen ausgezeichnet, ist ganz großartig. Wir steigen dem Gebäude auf‘s marmorne Dach und haben das Gefühl, auf einem Gletscher zu sein, besonders bei Sonnenschein. Das Gebäude liegt direkt am Hafen, im Wasser glitzert die Skulptur „She Lies“ von Monica Bonvicini, Menschen genießen den Samstag saunierend in kleinen schwimmenden Sauna-Hausbooten oder vergnügen sich beim Standup-Paddeling, nur mit Bikini bekleidet (es ist der 5.Oktober, wohlgemerkt).




Auch das Innere ist sehenswert, die Säle sind überwiegend aus Eiche erbaut. Wir haben die Hälfte der Tour hinter uns und genießen eine Kaffeepause.


Barcode
Dieses Häuserensemble im Stadtteil Bjørvika besteht aus zwölf Hochhäusern in unterschiedlicher Höhe und Breite, jedes einzelne in seiner ganz eigenen Architektur erbaut. Zwischen jedem Haus gibt es unbebaute Flächenstreifen, so dass das Ensemble von weitem einem Barcode ähnelt. Hier wohnen und arbeiten Menschen, es gibt Geschäfte und Restaurants.


Die Akrobatenbrücke führt vom Barcode-Viertel über die Eisenbahngleise des Hauptbahnhofs hinüber nach Grønland (so heißt dieses Viertel). Hier beginnt der Kiez mit Geschäften, die glitzernde Stoffe und Kleidung oder Obst und Gemüse verkaufen.


Entlang des Akerselva Flusses
Der Fluss in der Mitte der Stadt ist ein Traum für Wildwasserfahrer. Wir folgen ihm flussaufwärts bis zum Nedre Foss, dem untersten Wasserfall im Flusslauf, an dem früher eine Mühle in Betrieb war. Am Flussufer entlang wurden alte Fabriken umgebaut zu Wohnungen, Restaurants und Büros. Aber auch Kunstzentren finden hier ihren Platz.




Vulkan
Schon seit den Gründungstagen von Oslo gab es hier Industrie: König Harald Hardråde ließ hier erfolgreich nach Silber schürfen, bis 1610 wurde Blei abgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm die Vulkan Eisengießerei das Gelände, auf dem davor u.a. eine Mühle, ein Zement- und eine Ziegelfabrik standen, nicht zu vergessen das erste öffentliche Duschbad. Von 2004-2014 wurde das gesamte Areal nach einem architektonischen Masterplan umweltfreundlich bebaut, ist energetisch autark und beherbergt das erste Hotel Norwegens, das in die Energieklasse A eingestuft wurde.



In der historischen Mathallen gibt es auch heute noch Essen. Geschäfte bieten Nahrungsmittel aller Art an, kleine Restaurants lassen keinen Wunsch offen.





Auf dem Rückweg gehen wir über den Telthusbakken, einem Hügel, der bis in das 18. Jahrhundert noch namenlos war. Er bekam dann seinen Namen nach einer militärischen Lagerbebauung aus Zelthäusern. Heute ist der steile Weg auf der einen Seite mit kleinen, gut erhaltenen und immer noch bewohnten Holzhäusern aus den 1800ern gesäumt, auf der anderen Seite sind Schrebergärten.

