Mini-Kreuzfahrt nach Oslo

Man darf ja fast gar nicht mehr erzählen, dass man eine Kreuzfahrt macht, aus Umweltgründen und so. Schaut man einmal andersherum: unter welchen Umständen werden die Rohstoffe für die Batterien der Elektroautos erworben? Da kommt auch irgendwie keine Antwort bei heraus, die einem ein Leben ohne Gewissensbisse möglich macht.

Uns haben die Kreuzfahrten, die wir im Rahmen unseres Sabbatjahres gemacht haben, außerordentlich gut gefallen (Wer möchte, kann ja noch einmal die entsprechenden Blogeinträge lesen.) Und wir würden so gern wieder einmal fahren, aber das wird sich aus Zeit- und Geldgründen wohl erst im nächsten Sabbatjahr ermöglichen lassen. Also nutzen wir unsere Lage hier oben am Wasser und fahren mit der Fähre von Kiel nach Oslo. Die fährt im Linienverkehr jeden Tag um 14 Uhr hin und kehrt am übernächsten Morgen um 10 Uhr zurück. Dazwischen liegen jede Menge Wasser und vier Stunden Landgang in Oslo. Die Reederei Colorline bewirbt diese kleinen Auszeiten durchaus mit dem Wort Mini-Kreuzfahrt. Wir verlängern das Vergnügen um ein paar Übernachtungen in Oslo.

Wir fahren mit der Bahn nach Kiel. Vom Hauptbahnhof sind es nur 10 Minuten zu Fuß bis zum Fährterminal der Colorline. Netterweise spendiert uns die Bahn die Tickets, denn Kiel richtet in diesem Jahr die Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit aus und der Nahverkehr in die Landeshauptstadt ist aus dem Anlass kostenlos. Und es wird reichlich genutzt! Die Züge sind alle länger als sonst, die AKN fährt sogar mit einem Oldtimer-Zug, und die Menschen stapeln sich in den Waggons. Wir haben Glück und ergattern beide einen Sitzplatz.

Da liegt sie schon bereit, die Color Magic.

Vom Bahnhof aus ist es nur ein kurzer Fußweg über die Hörnbrücke, dann zur Brücke zum Norwegenterminal und schon stehen wir vor dem Self-Check-In. Schwupps den Buchungscode eingegeben und wir halten die ausgedruckten Bordkarten in der Hand. Hier wartet die nächste Überraschung: wir haben eine Außenkabine mit Platz, weil für drei Personen, erhalten. Gebucht hatten wir die günstigste, Doppelbett Innenkabine. Doppel-Upgrade auf Deck 9. Das Glück ist uns hold, mal sehen, wie lang sich diese Strähne erstrecken wird.

Glückslos

Pünktlich fährt das Schiff ab und wir flitzen nach außen, um uns Kiel von der Wasserseite aus anzusehen.

An Land sind Menschenmengen unterwegs zur Kiellinie, wo die Bundesländer ihre Zelte aufgebaut haben. Bigbandsound weht zu uns hinüber.
Im Schifffahrtsmuseum (Gebäude mit der schwarzen Kogge davor) trugen sich am Vormittag unter anderem Angela Merkel und Frank-Walther Steinmeier in das Goldene Buch ein.

Trotz Anfang Oktober sind noch einige Segelschiffe unterwegs, auch die Platessa aus Eckernförde. Mit der sind wir auch schon unterwegs auf der Schlei und der Ostsee gewesen. Auf dem Bild sieht es so aus, als wenn sie gleich von der StenaLine-Fähre gefressen wird.

Kalt ist es draußen auf den Wasser. Deshalb erkunden wir das Schiff von innen. Es hat alles, was ein sehr großes Kreuzfahrtschiff auch hat. In unseren Augen wirkt es etwas puppenstubenhaft im Vergleich zu den Schiffen von Royal Caribbean. Der Shop für den zollfreien Einkauf ist allerdings riesig und wird von den norwegischen Passagieren weidlich genutzt.

Wir trinken einen Kaffee im Orient Café und ruhen uns anschließend bis zum Abendessen in unserer tollen Kabine aus.

Abends genießen wir das riesige Herbstbüffet. Auch dort haben wir Glück und bekommen einen ruhigen Platz. Wir schlemmen uns durch die verschiedenen Meeresspezialitäten, probieren Elch- und Rentierwurst, essen Hirschbraten und sind bald ziemlich satt, obwohl wir lange nicht alles probiert haben. Trotzdem passt noch ein kleines bisschen vom Nachtisch- und vom Kuchenbuffet hinein, ein Kaffee hilft bei der Verdauung. Dann sind wir so satt, dass das Bordprogramm mit Musik und Shows ohne uns stattfinden muss. Wir gehen ins Bett.

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