Das Rathaus von Oslo – bildgewaltig

Nach einer ruhigen Nacht, die Ostsee war so still wie ein See, und einem leckeren Frühstück kommen wir um 10 Uhr in Oslo an. Die Sonne scheint, wir haben kein Bargeld für Bus oder Taxi, also folgen wir dem übrigen Touristenstrom Richtung Innenstadt und besichtigen als erstes das Rathaus, wo alljährlich im Dezember der Friedensnobelpreis verliehen wird. Das markante Ziegelgebäude mit den beiden Türmen (hier befinden sich die Büros) ist für die Öffentlichkeit an sieben Tagen der Woche zu besichtigen.

Von der Planung bis zur Eröffnung vergingen 35 Jahre, zwei Weltkriege verhinderten eine zügige Ausführung. Alle repräsentativen Säle sind künstlerisch im Stil der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestaltet. Dabei sollte in der Darstellung der Geschichte, Kunst und Kultur Norwegens immer „das Volk“ im Zentrum stehen. Alle Materialien mussten aus Norwegen kommen.

In der Großen Halle fällt zunächst das große Ölgemälde von Henrik Sørensen mit dem Titel „Arbeit. Verwaltung. Feier.“ ins Auge:

Die anderen drei Wände werden von drei monumentalen Werken des Künstlers Alf Rolfson dominiert:

Die Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg
Das Arbeitsleben der Norweger vom Fischfang im Westen bis zur Wald- und Forstwirtschaft im Osten des Landes

Die Darstellung von St. Hallvard, dem Schutzheiligen Oslos habe ich nicht fotografiert. Die Große Halle erstreckt sich bis zur Wasserfront. Dort ist an der rechten Wand Karl Högbergs Fresko über Handel und Gewerbe, finanziert von der Osloer Börse, zu sehen. Nach Protesten der Linken durfte in einem sehr ähnlichen Stil Reidar Aulie ein Pendant auf der gegenüberliegenden Seite über die Arbeiterbewegung anfertigen.

Im ersten Stock befinden sich unterschiedliche Festsäle. Der Munch-Saal ist wegen einer Trauung geschlossen, aber auch die anderen, mit Fresken, Wandbehängen und repräsentativen Möbeln ausgestatteten Räume sind absolut sehenswert.

Wandteppich, auf dem der Stadtgründer König Harald Hardrada (1015-1066) in Oslo einreitet (Hårdråde Raum)
Fresko von Aage Storstein, das Motive aus der norwegischen Geschichte zeigt (Storstein Raum)
Fresko von Per Krogh, das die unterschiedlichen Aktivitäten in der Stadt und auf dem Land in den Jahreszeiten zeigt (Krogh Raum)

Der Sitzungssaal der Ratsversammlung

In einem Zwischengang sind in Vitrinen Gastgeschenke an die Stadt aus aller Welt ausgestellt.

Der Aufgang zum Rathaus vom Fridjof-Nanssen-Platz aus ist von beiden Seiten von Arkaden gesäumt, in denen 16 Holzreliefs von Dagfin Werenskiold hängen, jedes wiegt ca. eine Tonne. Die Motive stammen aus der norwegischen Mythologie, den Edda-Texten, und sind uns gar nicht so unbekannt. Hier eine Auswahl:

Die drei Walküren, die als Schwäne angeflogen kommen und sich in die drei schönen jungen Mädchen Alrund, Svankit und Alvit verwandeln.
Drei der vier Hirsche (Dåin, Dvalin, Dunøy und Durato), die auf Yggdrasil, der Weltenesche grasen.
Odin reitet auf dem achtbeinigen Pferd Sleipner.
Die Nornen wässern Yggdrasil.
Frigg, eine von Odins Frauen und Mutter von Balder
Das Rathaus von der Fjordseite aus, im Erdgeschoss wird noch renoviert.

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