Wir besuchen gern UNESCO Weltkulturerbe-Stätten, denn es ist immer verläßlich viel schönes zu entdecken. Die Altstadt Lübecks gehört auch dazu. Doch bevor wir uns dem Kunstgenuss hingeben, fahren wir erst noch zum Frühstück nach Travemünde. Das ist ein Lübecker Stadtteil, etwa 20 km nordöstlich der Stadtmitte gelegen. Die Travemünder fühlen sich nicht unbedingt als Lübecker, tatsächlich befindet sich Travemünde bereits seit 1329 im Eigentum der Hansestadt.
Wir hatten uns zum Frühstück mit Kays Cousin und seiner Frau verabredet. Das hört sich ganz normal an, ist es aber nicht, denn Kay hat seinen Cousin erst einmal zuvor getroffen, dabei sind beide bereits Anfang/ Mitte fünfzig. Und dessen Frau kennt Kay gar nicht. Ich wiederum kenne seine Frau, wir haben uns bereits öfter in Arbeitszusammenhängen getroffen, aber ihren Mann (Kays Cousin) nicht. Das Frühstück verlief sehr lecker und äußerst kurzweilig, die Stunden verflogen in gemeinsamen Gesprächen. Am späten Mittag verließen wir die beiden, nicht ohne das feste Vorhaben, uns in Zukunft öfter zu sehen.
In Lübecks Altstadt war es sehr voll, die Einheimischen hatten Urlaub, deren Kinder Ferien, dazu kamen wir Touristen in Scharen. Es war warm, aber kein ausgeprägtes Strandwetter, vielleicht lag auch noch das eine oder andere Kreuzfahrtschiff im Hafen. Zwar waren, wie in den letzten Tagen auch, Gewitter und Regen angekündigt, aber das wurde von Tag zu Tag auf den jeweils nächsten Tag verschoben. Wir hatten sicherheitshalber unsere neuen Regenjacken aus Bonn (quasi eine Art Notkauf wegen des dort angekündigten Regens, der dann auch nicht kam) dabei.
Diesmal hielt sich Petrus aber an die Wettervorhersagen (Ob er da oben auch über Wlan und entsprechende Apps verfügt?) und schickte ein ordentliches Donnerwetter mit einem mächtigen Regenguss zu uns herunter. Im Gegensatz zu Kays Jacke war meine zwar sehr hübsch (rot mit hellen polkadots), aber keine echte Regenjacke. Ich war blitzschnell quietschnass, nicht ganz so schlimm, da es gleichzeitig warm war. Im Museum offenbarte sich dann das ganze Drama. Meine weißes Strickjäckchen darunter war nicht nur nass, sondern an vielen Stellen rosarot verfärbt. Das helle Oberteil, das ich darunter trug, zeigte genauso rosa Verfärbungen. Meine Stimmung rutschte auf einen ungeahnten Tiefpunkt, die Hoffnung lag da noch auf Fleckenmittel, aber selbst die Chemie konnte später zuhause nichts mehr korrigieren.
In der St. Annen Kunsthalle wollten wir uns Werke von Jonathan Meese ansehen, einem sehr bekannten und durchaus polarisierenden Künstler. Das gesamte Ausstellungsprojekt trägt den Titel „Dr. Zuhause: K.U.N.S.T. (Erzliebe)“, für das die Kunsthalle (Schwerpunkt Mutter/ Evolution) mit der Overbeck-Gesellschaft (Schwerpunkt Vater/ Liebe), dem Günter Grass-Haus (Schwerpunkt Großvater/ Gold), der St. Petri-Kirche (Schwerpunkt Großmutter/ Macht) und der Kulturwerft Gollan (Schwerpunkt Kind / Schlaf) kooperieren.
Bereits in St. Annen hängen und stehen so unglaublich viele Werke zum Thema Wohnen des Menschen und die Geborgenheit mit der Mutter, dass wir schon zu Beginn gleich beschlossen, nur diese Ausstellung anzusehen.
Während Kay ganz begeistert von der Ausstellung ist, kam bei mir der Kunstgenuss zu kurz, was meine Stimmung noch weiter senkte (Nach einem Tiefpunkt können immer noch mehr kommen!). Zu viel, zu beliebig, zu doof, das einzig Amüsante waren für mich die Titel zu den Bildern. Kay verwendete in unseren Diskussionen über die Bild- und Formsprache und Meeses Kunstbegriff komplett andere Adjektive. Es kommt äußerst selten vor, dass wir so gegensätzlicher Meinung sind. Mit den folgenden Fotos kann sich jede/r eine eigene Meinung machen.


