
Es gibt hier in Bamberg so viel zu besichtigen, für diesen Besuch entschieden wir uns für den Dom, oder wie er korrekt heißt, für den Dom St. Peter und St. Georg, oder auch Kaiserdom zu Bamberg.
Letztere Bezeichnung trifft die Einzigartigkeit am besten, denn der erste Dom wurde Anfang des 11. Jahrhunderts vom heiligen Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde zusammen mit dem Bistum gestiftet. Der jetzige Dom stammt aus dem 13. Jahrhundert, der Innenraum wurde aber im Laufe der Zeit mehrmals umgestaltet, heute ist im Wesentlichen die neuromanische Ausstattung zu sehen, die im 19. Jahrhundert eingerichtet wurde.

Der Reiter hängt sehr weit oben und fällt daher nicht sofort ins Auge der Besucher. Anders sieht es mit dem Hochgrab des Heiligen Kaiserpaares aus, geschaffen 1513 vom berühmten Holzschnitzer Tilman Riemenschneider. Auf der Deckplatte sind Heinrich und Kunigunde zu sehen. An den Seiten befinden sich fünf Reliefs, die Szenen aus dem Legendenleben des Paares erzählen.


Teile des Doms waren aufgrund von Restaurierungsarbeiten nicht zugänglich. Auch den Westchor durfte man nicht betreten, daher sahen wir das Papstgrab, auch ein Hochgrab, von Clemens II. auch nicht von nah. Der Bamberger Bischof Suitger war 1046/47 gleichzeitig Papst Clemens II. in Rom, gilt als erster deutscher Papst in Rom und behielt als erster seine Bischofswürde bei. Er liebte Bamberg so sehr, dass er sich wünschte, im Bamberger Dom begraben zu werden. Dieser Wunsch wurde erfüllt, und somit finden wir hier nun das einzig erhaltene Grab eines Papstes nördlich der Alpen.
Wie alle katholischen Kirchen finden sich auch hier jede Menge Altäre neben dem Hauptaltar. Der Marienaltar (1520-23) des Nürnberger Holzschnitzers Veit Stoß war einmal der Hochaltar der Karmeliterkirche in Nürnberg. Als die Stadt protestantisch wurde, holte der Sohn des Schnitzers, der inzwischen Prior der Karmeliten in Bamberg geworden war, 1530 das Altarbild nach Bamberg. Geht ja auch nicht, dass man Papas Werk den Umstürzlern überlässt! Hier im Dom steht es als Dauerleihgabe der Oberen Pfarre.


Eigentlich waren wir mit der Besichtigung schon fertig, aber beim Hinausgehen fielen uns gegenüber des Informationstisches die Prophetenreliefs auf, denn an der Ecke trägt eine Person seinen Kopf unter dem Arm.

Wir erkundigten uns bei der alten Dame (Sie war wirklich einiges über 80 Jahre alt.) nach dem Grund. Sie sagte, die Geschichte würde etwas länger dauern, dafür bräuchte sie Zeit. Die hatten wir. Die eigentliche Frage war dann nach wenigen Minuten beantwortet: Es handelt sich um einen der 14 Nothelfer, zu denen man als Schutzpatrone je nach Anlass und Situation im Leben betet, eine oberfränkische Spezialität, wie Frau Taylor uns immer wieder erläuterte. Ihre Abneigung gegen die Bayern (Das Königreich Bayern kaufte Oberfranken Anfang des 19. Jahrhunderts von Napoleon ab. Danach brachten sie die wertvollen Domschätze nach München.) sitzt sehr sehr tief.
Der Heilige Dionysius ist der Patron ganz Frankreichs und der Stadt Paris. Er kam im 3. Jahrhundert von Rom aus als Missionar nach Gallien und wurde der erste Bischof von Paris. Der Legende nach wurde er auf Anweisung des römischen Statthalters auf dem Montmartre enthauptet. Wie bei uns im Norden der Freibeuter Klaus Störtebeker (der mit der Aktion so viele seiner Kameraden wie möglich retten wollte, indem er an ihnen vorbei lief) sammelte Dionysius seinen Kopf auf und lief und lief (alles Land, das er ablief, sollte Kirchenbesitz werden) bis zum Standort der heutigen Kirche nördlich von Paris. Ort, Kloster und Kathedrale dort heißen nach ihm Saint-Denis. In der Kathedrale wurden die französischen Könige begraben.
Frau Taylor wies uns dann noch auf die Darstellung einer Schwangeren und auf den lächelnden Engel hin, ebenfalls recht ungewöhnlich für die Innenausstattung einer katholischen Kirche:

Im angeschlossenen Diözesanmuseum gibt es natürlich auch einzigartiges zu sehen: die aus der Zeit der Bistumsgründung (1007) erhaltenen Kaisermäntel von Heinrich und Kunigunde, aber auch der Ornat Clemens aus dem Papstgrab. Dazu kommen dann noch die üblichen Kunstschätze aus Gold und Elfenbein, Gemälde und Skulpturen aus dem Hochmittelalter bis zur Neuzeit. Für die hatten wir allerdings nicht mehr so viel Elan.
