Auf der Museumsmeile südlich des Bonner Zentrums liegt auch das Haus der Geschichte. Hier finden wir eine weitere Entschädigung für unseren sonst üblichen Sommeraufenthalt in London, der in diesem Jahr ausfällt, denn neben der Dauerausstellung zur Deutschen Geschichte von 1945 bis heute hat gerade eine neue Ausstellung mit dem Titel „Very British – Ein deutscher Blick“ eröffnet. Sie beschäftigt sich aus deutscher Perspektive, sowohl historisch als auch wirtschaftlich und kulturell mit dem deutsch-britischen Verhältnis. In acht Räumen werden die Themenbereiche Politik, Wirtschaft, Kultur, Fußball und natürlich auch das Königshaus durch viele Exponate, Film- und Zeitungsausschnitte illustriert.

Wir wollen herausfinden, was denn nun typisch britisch aus unserer Warte heraus ist. Die Ausstellung beginnt schon vor den eigentlichen Räumen mit einem Mini Cooper, der durch eine blaue Wand, dekoriert mit den Sternen der europäischen Flagge, hindurch bricht, die Ausstellung dahinter beginnt dann auch gleich mit dem Brexit.



Dabei ging es doch schon schwierig los, damals mit dem EU-Beitritt 1973. Zwölf Jahre zuvor wollte Großbritannien bereits Beitrittsverhandlungen starten, da war allerdings der französische Präsident de Gaulle noch strikt dagegen. Erst als in Frankreich de Gaulle durch Georges Pompidou abgelöst wurde, nahmen die Verhandlungen Fahrt auf. Der Beitritt wurde dann in Großbritannien mit einem mehrtägigen Festival gefeiert. Mehr als 150 kulturelle Veranstaltungen fanden statt, u.a. ein Galakonzert der Berliner Philharmoniker mit Herbert von Karajan vor der Königin und dem Premierminister und ein Fußballspiel in Wembley mit Günter Netzer und Bobby Carton als Kapitäne.

Schon zwei Jahre später gab es ein Referendum zum Verbleib in der EU, diesmal waren die Tories unter ihrer neuen Premierministerin Margaret Thatcher absolut für den Verbleib in der EU, die Labour-Abgeordneten mussten vom deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt ein wenig überzeugt werden. 1975 gab es bei der Abstimmung eine klare Mehrheit für den Verblieb in der EU, 67,2% (2016 war es 48,1%, die remain stimmten).
Nun zu leichterer Kost: das Britische Königshaus. Die Briten, d.h. eher die Boulevardblätter, trieb 1953 tatsächlich herum, ob Prinz Philip ein Deutscher wäre. Anlass war die bevorstehende Krönung Elizabeths zur Königin, an der auch die deutschen Schwestern des Prinzen teilnehmen durften. Das war zur Hochzeit von Elizabeth und Philip kurz nach dem Krieg 1947 noch ganz anders: vorher ließ Philip seinen Nachnamen anglizieren und nur seine Mutter wurde zum Fest eingeladen.


Unter den Leihgebern ist auch die Queen persönlich (unter anderem wird das Kleid ausgestellt, das sie 1965 bei ihrem Staatsbesuch während des Abendessens mit dem Bundespräsidenten trug). Wir hatten Glück mit unserem Besuchszeitpunkt, denn der Original-Spielball aus dem WM-Finale 1966 wird nur bis zum 19.07. ausgestellt und geht dann wieder zurück nach Manchester.

Uns fiel während der gesamten Ausstellung auf, dass die Briten (zumindest die Presse, und die hat dort mächtig viel Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung) bis zum heutigen Tage immer wieder anti-deutsche Stereotype herausholen, es gibt nur Nazi- und Kriegsvergleiche, der Deutsche an sich ist häßlich und unfreundlich. Die Deutschen dagegen stehen auf britische Produkte, z.B. After Eight und Quality Street sweets (gehören nicht mehr den Briten), Whisky (Destillerien gehören auch oft nicht mehr den Briten), und auf Cornwall, das Sehnsuchtsland der Deutschen. Seit 1993 verfilmt das ZDF die Romane Rosamunde Pilchers, die Filme sind den Briten ziemlich unbekannt.


Der letzte Raum gefällt uns persönlich am besten. Hier können wir britische Popmusik selbst auswählen und anhören. 50 Singles liegen bereit zum Auflegen (Technik, die begeistert). An erster Stelle der Top 5 der Besucher*innen liegt Bohemian Rapsody von Queen.


Hinaus aus der Ausstellung , hinein in die aktuelle Wirklichkeit, geht es mit Monty Pythons „Always look on the bright side of life“.
Wir werden es noch live erleben, wie sich das deutsch-britische Verhältnis weiter entwickeln wird. Der Rückblick auf 74 Jahre gemeinsame Geschichte war schon mal sehr interessant.