Ein Tag am endlos weiten Sandstrand von Sankt-Peter-Ording, sonnenbaden, eine Abkühlung im Nordseewasser bei warmen 20 Grad, ein kleines Picknick mit Champagner und Erdbeeren, so stellt man sich die perfekte Planung bei 35 Grad auf der heimischen Terrasse während der Saharahitze unter dem Sonnenschirm vor. Und dann kommen die Wikinger! Diesmal in Form einer Nordwestwetterlage mit einem Tiefdruckgebiet über Skandinavien, das für kühles, aber dank eines Azorenhochkeils nicht für regnerisches Wetter sorgt, dafür viele Wolken und Wind mit sich bringt. Adieu Picknick, feiner Sandstrand auf Erdbeeren sieht zwar ähnlich aus, hat nicht so viel Charme wie Puderzucker.
wildes Sommerwetter an der Küste
Trotzdem geht es in das einzige deutsches Seebad mit dem Titel „Nordseeheil- und Schwefelbad“, denn es gibt dort eine eigene Schwefelquelle. Sankt Peter-Ording liegt am westlichen Ende der Halbinsel Eiderstedt, weit genug draußen in der Nordsee, so dass der Strand aus feinstem Pudersand besteht, auf den man an ausgewählten Abschnitten sogar mit dem Auto fahren darf. Wir parken das Gefährt aber ganz umsonst in einem Wäldchen nahe des Bahnhofs (retten noch einen Löwen, siehe Foto weiter unten) und gehen zu Fuß Richtung Strand.
Zugang zum Strand nur gegen Cash!!
Die Nordfriesen sind ja ein altes Volk von Strandräubern, heutzutage sitzen sie windgeschützt in kleinen Holzhäuschen und kassieren erst einmal 3 Euro Eintritt in die große Sandkiste. Was man sonst noch dafür als Gegenleistung bekommt, wir wissen es nicht. Jedenfalls nicht gratis WLAN oder überhaupt einen belastbaren Handyempfang, nicht einmal später in der Hauptshopping-Meile für die Touristen.
Aber noch laufen wir und laufen, vorbei an unbesetzten Strandkörben und wenig genutzten Spielgeräten, immer weiter hinaus, um zumindest mit den Füßen ins Wasser zu kommen. Der Weg ist weit, denn Hochwasser ist erst drei Stunden später. Aber es lohnt sich, das Wasser ist wirklich für Nordseeverhältnisse sehr warm. Dafür kommt der Wind sehr kühl genau von vorn und gibt uns eine ordentliche Abreibung. Im Kosmetikstudio hätten wir für das Peeling viel Geld ausgeben müssen, hier bekommen wir das jedenfalls umsonst.

Kinder sind wenig zu sehen, die Erwachsenen leben ihren Spieltrieb aus

Nach einer Stunde Fußmarsch Richtung Norden bekommen wir am nächsten Pfahlbau Gelegenheit, unser Geld doch loszuwerden, allerdings im Tausch für kleine Köstlichkeiten wie heiße Schokolade oder auch Waffeln mit Erdbeeren. Wir kommen dort ohne Regen an, obwohl die Wolken sich wirklich bedrohlich schwarz vor uns auftürmen.




Bei ablaufendem Hochwasser geht es später zurück zum Ausgangspunkt, es wird auch kühler, da die die Sonne abschattenden Wolken immer fetter werden. Was kann man sonst machen außer nutzlose Souvenirs einzukaufen oder später zu bereuende Spontankäufe zu tätigen? Gummibärchen probieren (klappt), Spiele ausprobieren im Spielzeuggeschäft (klappt nicht, Mittwochs ist in NF schließlich Ruhetag, wo kommen wir denn da hin?!), Fischbrötchen essen (klappt immer, muss aber nicht immer unbedingt beim allgegenwärtigen Gosch sein). Das Glück wird gekrönt von einem riesigen Eisbecher, gern mit Alkohol (damit klappt ja auch vieles besser) beim Italiener, bevor es wieder Richtung Zuhause geht. Dort gibt es dann auch wieder digitale Daten zu empfangen.



Ach ja, der Löwe! Er ruhte sich zwischen Glascontainer und Altkleiderbox aus, als wir ihm begegneten. Wir gaben ihm einen Platz auf einem Sockel, denn da gehören unechte Löwen schließlich hin. Acht Stunden später scheint er ein neues Zuhause gefunden zu haben. Jedenfalls war er nicht mehr zu sehen, auch nicht versteckt im Wäldchen.

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