Die Veränderungen, die durch das Große Feuer 1666 innerhalb der City entstanden sind, leiten uns auch auf dem letzten Teil des walks. Am westlichsten Ausdehnungspunkt des Feuers wurde zur Erinnerung ein kleiner fetter Cherubim aufgestellt (Cock Lane (Warum hieß die im Mittelalter wohl so?), Ecke Giltspur Street). Die Bewohner glaubten, dass das Feuer gottgesandt war, weil die Londoner der Fresssucht verfallen waren. Diese Erkenntnis machten sie daran fest, dass das Feuer in der Pudding Lane ausgebrochen war und am Pye (oder auch Pie) Corner, so hieß diese Ecke früher, stoppte. Ganz logisch also!

Auch die normannische Kirche St Bartholomew-the-Great, erbaut 1123, wurde von dem Feuer verschont, ebenso wie ein Wohnhaus und das Torhaus zum Kirchhof. Die hohen Mauern des benachbarten Klosters (steht nicht mehr) haben sie wahrscheinlich geschützt. Die Kirche diente schon häufiger als Filmkulisse. Da wir eine Minute nach Schließung da sind, müssen wir uns z.B. „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ oder „Shakespeare in Love“ zuhause angucken.

Das Torhaus selbst ist ein schönes Beispiel für Architektur aus Tudorzeiten und wird entsprechend häufig fotografiert. Als wir das auch machten, erzählte uns ein Straßenarbeiter, der grad etwas Zeit hatte, eine viel spannendere Geschichte als die von der Rettung vorm Großen Feuer. Irgendwann im 18. Jahrhundert fand der damalige Besitzer des Hauses die Tudor-Fassade zu altmodisch und baute eine schöne neue Fassade nach dem damaligen Zeitgeschmack. Das Gebäude wurde zweihundert Jahre als Ladengeschäft genutzt und das Wissen um den alten Zustand verschwand. 1917 traf bei einem Bombenangriff eine Bombe aus einem deutschen Zeppelin den Ort und enthüllte die alte Fassade. Der Straßenarbeiter meinte ganz ernsthaft, dass manchmal auch Bomben etwas gutes tun. 1932 wurde das Torhaus renoviert und von 1948 bis 1979 als Montessori-Schule genutzt. Heute ist es ein Privathaus.


Ein Stückchen weiter stehen die Markhallen von West Smithfield, seit dem 10. Jahrhundert bis 1855 der zentrale Viehmarkt. Der Markt war aber auch schon immer ein gefährlicher, gleichzeitig aufregender Ort. Hier wurden öffentliche Hinrichtungen vorgenommen. Die berühmteste war die vom Schotten William Wallace (Braveheart), der vom Tower aus einmal quer durch die Stadt von einem Pferd geschleift wurde, um dann auf Smithfield gehängt, ertränkt und gevierteilt wurde. Sicher ist sicher! Inzwischen ist er rehabilitiert und in der Nähe hängt eine Gedenkplatte.

Unter der Herrschaft von Queen Mary (Bloody Mary) wurden auf dem Markt Protestanten auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im frühen 19. Jahrhundert wurden hier auch Ehefrauen verkauft. Eine Scheidung zu erreichen, war extrem schwierig. So brachte Mann die ungeliebte Ehefrau einfach mit den anderen Waren zum Markt und verkaufte sie (those were the days). Aber auch Jahrmärkte wurden hier abgehalten, der berühmt-berüchtigtste immer um den Bartholomäustag.

Im Postman’s Park, nur einmal die Straße Little Britain entlang, gibt es eine einzigartige Erinnerungswand an ganz normale Menschen, die andere unter Einsatz ihres Lebens gerettet haben. Die handgemalten Fliesen erinnern z.B. an Alice Ayres, die drei Kinder aus einem brennenden Haus gerettet hat. Andere wurden vor dem Ertrinken gerettet oder vom Eis oder anderen Gefahren des Alltags.
























