Die Radtour nach Jelling (s. letzter Eintrag) machten wir nicht um der Tour selbst willen, wir wollten das UNESCO Welterbe der Grabhügel, der Runensteine und der Kirche besichtigen. Alles ist frei zugänglich, dazu gibt es ein sehr sehenswertes, multimedial runderneuertes Erlebniscenter, auch mit freiem Eintritt.

Das Wetter bleibt trotz des dramatisch aussehenden Himmels stabil trocken. Daher gucken wir uns zuerst die Außenanlagen an.

Diese bestehen aus zwei Grabhügeln, zwischen denen die Kirche liegt. Neben ihrem Eingang stehen die zwei berühmten Runensteine. Das neue Königsgeschlecht aus Jelling musste ein deutliches Zeichen ihrer Macht setzen. Das taten sie auf der höchsten Stelle in der Mitte Jütlands, in der Mitte zwischen den damals bedeutendsten Städten Århus und Ribe. Und es scheint ihnen gelungen zu sein, denn schon die nächste Generation stellte auch die Könige in England.
Der kleinere Stein wurde von Gorm dem Alten, Dänemarks erstem König um 950 zu Ehren seiner Frau Thyra errichtet. Die Runen bedeuten: „König Gorm errichtete dieses Denkmal für Thyra, seine Gattin, eine Zierde Dänemarks.“ An dieser Stelle wird Dänemark das erste Mal schriftlich erwähnt.

Der große Stein wurde von Gorms Sohn Harald Blauzahn als Statement seiner Macht und Ansprüche aufgestellt und von drei Seiten beschriftet. Die Inschrift lautet: „König Harald ließ dieses Denkmal zu Ehren seines Vaters Gorm und seiner Mutter Thyra. Der Harald, der ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte.“ Harald übernahm das Christentum für sein Reich, und somit gilt der Stein quasi als Taufschein des Landes.


Die Kirche steht wahrscheinlich an der Stelle, an der einst das Langhaus Haralds gestanden haben mag. Aber schon in den späten 1000ern stand hier die erste Steinkirche.

Unter dem Kirchenboden liegen Gebeine, deren Untersuchungen ergeben haben, dass sie altersmäßig durchaus von König Gorm sein könnten. Die Stelle, an der sie immer noch liegen, ist im Boden mit einem Silberband gekennzeichnet.

Von den beiden Grabhügeln, die die Kirche nördlich und südlich flankieren, ist der Südhügel der größte je erbaute während der dänischen Wikingerzeit (10m hoch, 70m im Durchmesser). Er wurde nie für Beerdigungszwecke genutzt. Im Nordhügel war die Grabkammer fast leer, als man sie 1820 ausgrub. Man vermutet, dass die Überreste nach der Christianisierung in der Kirche beigesetzt wurden, der Knochenfund dort legt dies nahe.

Beide Hügel werden eingerahmt durch eine riesige Grabmarkierung, einem Steinschiff, dem größten auf der Welt, 350 m lang. Laut der nordischen Mythologie konnten die Toten mit dem Schiff zu den Göttern in Valhalla Segeln. Weiße Betonsteine markieren heute die Position. Das Foto ist vom Nordhügel aus aufgenommen. Unter den Steinen dort wurden Steine des Original-Schiffes gefunden.

Die gesamte Anlage war eingefasst von einer Palisade, erbaut durch Harald Blauzahn in den späten 960ern, vier Meter hoch, insgesamt 1,4 km Gesamtlänge. Im Erlebniscenter haben wir Überreste der verwendeten Eichen gesehen, die Archäologen 2013 unterhalb des Teiches ausgegraben haben.

Der interaktive Rundgang im Erlebniscenter verdeutlicht eindrucksvoll die Welt der Wikinger. Zuerst sitzen wir im Langhaus um das Lagerfeuer herum und lauschen alten Geschichten. Kay nimmt natürlich Haralds Platz auf dem Thron ein.

Fundstücke aus der Grabkammer werden ‚lebendig‘, es wird gezeigt, wozu sie im damaligen Leben dienten. Am meisten hat uns die Reise unserer Körper nach dem Tod auf dem Schlachtfeld nach Walhalla beeindruckt. Über die Regenbogentreppe geht es dann hinauf in den ersten Stock, wo u.a. die lückenlose Abstammungslinie von Gorm dem Älteren bis hin zu Königin Margarete über 1000 Jahre hinweg gezeigt wird.

Ganz oben auf der Dachterrasse kann man nicht nur die Aussicht genießen, sondern mit Hilfe von digitalen Ferngläsern zurück in die Zeit bis in das 8. Jahrhundert reisen. Spannend!
