
Das berühmteste Beispiel für den Architekturstil Brutalismus in Großbritannien stellt der Barbican-Komplex dar, erbaut zwischen 1969 und 1980 auf dem Gebiet, das schon immer Barbican hieß und im Zweiten Weltkrieg komplett in Schutt und Asche gelegt wurde. Die preisgekrönten Architekten nahmen die Ideen von Le Corbusier auf und wollten eine Kleinstadt in der Stadt erschaffen. Heute wohnen hier ca. 4000 Menschen in etwas mehr als 2000 Wohnungen. Im Barbican Centre gibt es eine Konzerthalle, ein Theater, ein Kunstmuseum, drei Kinos, eine kleinere Galerie, drei Restaurants, ein Gewächshaus, eine Bücherei, dazu noch mehrere Konferenzräume.

Alles steht unter Denkmalschutz und erscheint viel schöner und zugänglicher, als in der Literatur immer beschrieben wird. Die gesamte Infrastruktur ist autofrei, walkways verbinden alles miteinander. Es gibt Einzimmerappartements, Reihenhäuser bis hin zu großen Penthouse-Wohnungen, falls man doch mal in der Lotterie gewinnt.

In den drei großen Türmen, zu ihrer Erbauungszeit zwischen 1973 und 1976 die höchsten Wohntürme Europas, gibt es überwiegend Wohnungen mit Wohnzimmer, drei Schlafzimmern und zwei Bädern, dazu den fantastischen Blick über London. Wir haben uns den Grundriss einer Wohnung angesehen, sie wäre perfekt für uns gewesen, aber schon verkauft für 1,77 Millionen Pfund, also knapp zwei Millionen Euro. Aber auch schon zu Beginn waren die Wohnungen sicherlich nicht billig. Sie waren nie als Sozialwohnungen angelegt, sondern geplant für die Menschen, die in der City in den Bürotürmen arbeiteten und arbeiten. Je höher man die Karriereleiter erklimmt, desto größer wird die Wohnung, die man sich dort leisten konnte (und kann).

Überall gibt es Gärten (öffentliche, aber auch private) und Teichanlagen, aber auch Spielplätze und Sportanlagen sind vorhanden.


Reste der römischen Stadtmauer und eine mittelalterliche Kirche wurden in die Anlage integriert. Die Kirche ist eine der ganz wenigen, die das Große Feuer überstanden hat, da kurz zuvor die Fassade und den Turm mit Ziegelsteinen erneuert wurden. Selbst The Blitz überstanden die Steine, allerdings wurden Dach und Innenausstattung komplett zerstört.


Andere Bauelemente der Anlage nehmen Anregungen aus der früheren Bebauung auf. Zu Römerzeiten stand hier ein römisches Verteidigungsfort, heute gibt es The Turret, komplett mit Schießscharten für Pfeile, als Zugang zum Parkhaus, aber auch zinnenartige Mauerteile und Fenster und einer der Highwalks erinnert an eine Zugbrücke mit Wassergraben. Die geschickte Ausnutzung des Raums und der Fläche ermöglichte es, die doppelte Menge an Platz zu bebauen, als zur Verfügung stand.

