The City, Teil 2: auf Shakespeare’s Spuren rund um St. Paul’s

Playhouse Yard

An dieser Stelle stand das Blackfriars Playhouse, entstanden Anfang des 17. Jahrhunderts im umgewandelten Refektorium eines Klosters der Dominikanermönche (black friars). Der Sohn des Theaterbetreibers Burbage leitete die Schauspieltruppe The King‘s Men, in der Shakespeare zu der Zeit einer der Stars war, sowohl als Schauspieler als auch als Hauptautor der aufgeführten Stücke. Das Theatergebäude hatte, zu der Zeit unüblich, ein Dach und wurde von den King‘s Men im Winter als Alternative zum Globe Theatre genutzt. Ungefähr 500 Personen hatten Platz, nur ein Fünftel der Menge des Globe. Aber die Einnahmen waren in etwa doppelt so hoch wie am Spielort südlich der Themse, da die Preise wesentlich höher waren, auch um ein elitäreres Publikum anzuziehen (Diese Idee ist also nicht neu!). Das Theater wurde von Kerzen erleuchtet und hatte eine bessere Akustik aufgrund des Daches. Die Theaterstücke wurden, nachdem sie am Hofe ihre Uraufführung hatten, zunächst den privilegierteren Menschen während der Wintersaison im Blackfriars vorgeführt, bevor sie dann zur Sommersaison dem breiten Massenpublikum im Globe gezeigt wurden.

Anständige Bürger der Stadt wohnten zu der Zeit nur nördlich der Themse in der City. Südlich der Themse war das Vergnügungsviertel, in dem die Justiz der City keine Gültigkeit mehr hatte. Auch Shakespeare wohnte in der City, 1613 kaufte er eine Wohnung im Torhaus des ehemaligen Klosters, die später seine Tochter erbte. Inzwischen ist hier natürlich alles um- und überbaut worden, aber in der Nähe des weißen Hauses soll es gewesen sein.

Ireland Yard

Ein Stückchen weiter stand ein großer Palast, der im 14. Jahrhundert die zeremoniellen Gewänder des Königs als eine Art Riesengarderobe enthielt. 1604 kam Shakespeare hier her, zusammen mit den anderen Schauspielern der Truppe, um Stoffe für ihre Kleidung abzuholen, die sie anlässlich einer zeremoniellen Prozession König James I. trugen. Als King’s Men waren sie eingeladen. Wie so viele Gebäude in der City brannte auch dieser Backstein-Kleiderschrank während des Großen Feuers 1666 ab. Aber das nachfolgende Gebäude mit Innenhof heißt immer noch Wardrobe Place.

Wardrobe Place

In der Livery Hall of the Worshipful Company of Stationers and Newspaper Makers wurde dreihundert Jahre lang (von 1611 bis 1911) von jeder Veröffentlichung von Gesetzes wegen eine Kopie/ Ausgabe hinterlegt, was aber nach 1700 von vielen Verlegern schlicht ignoriert wurde. Viele der Stücke und Sonette Shakespeares wurden hier registriert.

Stationers Hall

An dieser Stelle stand die Kirche St Olave Silver Street, ebenfalls im Großen Feuer zerstört und nicht wieder aufgebaut. Bemerkenswert innerhalb diesen Beitrags, weil Mr. S. hier mit Sicherheit den Gottesdienst besucht hat, denn er wohnte in der Silver Street (auch die gibt es heute nicht mehr) zwischen 1603 und 1605 zur Miete und schrieb während der Zeit u.a. auch Othello (in diesem Sommer gesehen) und King Lear (im letzten Sommer gesehen). Dass er hier wohnte, ist historisch abgesichert, denn Shakespeare musste 1612 in einem Gerichtsverfahren aussagen, bei dem seinem Vermieter eine Verfehlung im Jahre 1604 zur Last gelegt wurde. Diese eidesstattliche Aussage ist der einzige schriftliche Beleg, in dem Shakespeares gesprochene Worte aufgezeichnet wurden.

ehemals St Olave Silver Street

In der Kirche St Giles without Cripplegate nahm Shakespeare an der Taufe seines Neffen teil, der tragischerweise bald darauf starb und in der Kirche beigesetzt wurde. Diese mittelalterliche Kirche ist eine der wenigen, die das Große Feuer 1666 überstanden haben. U.a. wurde auch Daniel Defoe hier getauft, Oliver Cromwell hier getraut und der Dichter John Milton beerdigt. Dessen Grab wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Arbeitern aufgebrochen, die einige seiner Zähne als Souvenir mitnahmen.

St Giles without Cripplegate

Am Ende unseres Shakespeare-Spaziergangs finden wir ihn noch selbst, hier allerdings, um an seine Freunde und Mitspieler zu erinnern, John Hemings und Henry Condell. Die beiden sind dafür verantwortlich, dass wir auch 400 Jahre nach seinem Tod die wunderbaren Theaterstücke auf der Bühne sehen können. Sieben Jahre nach Shakespeares Tod veröffentlichten sie seine Stücke zusammen in der berühmten First Folio-Ausgabe von 1623.

ehemals St Mary the Virgin Aldermanbury

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