Othello ist eine weitere großartige Tragödie Shakespeares, voll von Intrigen des Bösewichts Iago. Othello, der Moor von Venedig, hingegen ist der Gute und das Opfer, was schon Shakespeares Zeitgenossen (nicht erst einigen von uns Menschen heute) in ihrer Rollenzuschreibung verstörte. Othello, der Kommandeur der venezianischen Truppen und Desdemona, die Tochter eines Senators, verlieben sich ineinander und heiraten, was ihr Vater nicht so amüsant findet, aber letztendlich kann er nichts dagegen machen. Othello wird zur Verteidigung der Kolonie Zypern vor der türkischen Flotte abkommandiert und das Ehepaar verlässt Venedig Richtung Zypern. Dort befindet sich bereits ein eifersüchtiger Verehrer Desdemonas, der von Iago beeinflusst wird, ebenso wie Cassio, Othellos Leutnant, der von Iago benutzt wird, um Othello von der angeblichen Treulosigkeit Desdemonas zu überzeugen. Dumm nur, dass Othello Iago blind vertraut und Iago mehrere Zufälle brilliant für seinen Plan verwenden kann. Am Ende hat Iago den Verehrer erstochen, Othello seine Frau erstickt und Lago seine Frau ebenfalls getötet. Nachdem Othello ganz am Ende begriffen hat, dass der angeblich treue Iago („I hate that moor!“, sagt er schon zu Beginn des Stücks.) ihn die ganze Zeit über hintergangen hat, ersticht er sich in tiefer Trauer um seine geliebte Frau selbst. Iago verbleibt im Gefängnis und bereut nichts.
Eine ergreifende Aufführung, während der zum Teil atemlose Stille ob der Verzweiflung der Hauptpersonen herrschte. Aus heutiger Sicht erscheint es völlig absurd, dass den Frauen grundsätzlich nicht geglaubt wird, sondern dass die Männer von (grundloser) Eifersucht zernagt, immer noch der (angeblichen) Männerfreundschaft mehr vertrauen. Ich sag mal: „Selbst Schuld!“ Am Ende, nach dem letzten Trauerlied, ist es doch nur ein Spiel, alle Schauspieler stehen auf und tanzen ausgelassen, alle Zuschauer feiern sie jubelnd!

Was wir noch nie erlebt haben: alle SchaupielerInnen der beiden vorherigen Stücke waren als ZuschauerInnen ebenfalls im Theater. Die meisten standen neben uns im Yard und sahen auf einmal aus wie du und ich.
