Thrifting in charity shops – Muswell Hill

Da ganz hinten, das große gelbe Gebäude, da werden wir am Abend landen. Das wissen wir aber noch nicht, als wir unsere Tour starten.

Thrifting, also trödeln gehen, einkaufen in Second Hand Läden, macht ja Spaß, sowohl in Großbritannien als auch in den USA (da heißen die entsprechenden charity shops dann thrift stores). Inzwischen kann man über die AirBnB-Plattform auch sogenannte experiences buchen. Darunter versteht man alle möglichen Aktivitäten, die man mit Einheimischen zusammen macht (um einen anderen Einblick in Land und Leute zu erhalten). In London kann man z.B. gemeinsam über den Markt gehen und Dinge probieren (können wir auch ohne Hilfe), einen Stadtrundgang machen und dabei Ukulele spielen lernen (können wir schon), mit einer Hutmacherin einen fascinator herstellen (Das wäre doch noch mal was anlässlich der nächsten Hochzeit, wer ist denn als nächstes dran??) oder auch thrifting in Stadtteilen, die nicht gerade im Zentrum Londons liegen. Aber auch das macht uns beiden mehr Spaß zu zweit als in einer Gruppe. Also mal flott die Beschreibung aufmerksam durchgelesen, bei Google Maps genauer angeguckt und uns ohne Einheimische auf die Socken gemacht.

Eigentlich soll es mit dem Bus nach Muswell Hill gehen, aber die von tfl.gov.uk angezeigten 2,7 km zu Fuß schocken uns nicht, die prognostizieren 40 Minuten verwundern uns allerdings. Das muss doch auch schneller zu schaffen sein. Nicht bedacht haben wir aber die am Ende wirklich steile Steigung, (es heißt zwar Muswell Hill, aber wer rechnet denn damit?) und die wieder heiß scheinende Sonne.

Sehr gute Wohngegend, Häuser kosten zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Pfund.

Muswell Hill ist wieder eine Überraschung, sehr viele Läden aller Art, die sich sternförmig vom Bushalteplatz ausbreiten, und alle diese Straßen heißen Muswell Hill Broadway, nur unterscheidbar durch die an den Straßenschildern angebrachten Hausnummern. Die Verkäuferin in der Papierwarenhandlung, wo wir eine Mail Order abgeholt haben, erzählte, dass sich hierher in den Norden Londons fast keine Touristen hin verirren. Gut für uns, wir genießen die relative Ruhe und die vielen Geschäfte aller Art.

Falls noch jemand eine alte 10-Pfund-Note zuhause herumliegen hat, die ist seit dem 1. März ungültig und wird nur in einigen Banken gegen neue getauscht, wir hatten bei HBSC Glück.

Neu, jetzt mit viel mehr Plastik!

Von derselben Verkäuferin erhalten wir noch den Tipp, unbedingt noch Ally Pally zu besuchen, um den ganz anderen Ausblick von dort auf London zu genießen. Ally Pally ist der Spitzname für Alexandra Park and Palace, 150 Jahre alt, extra für das Amüsement des Volkes angelegt, nicht für die Aristokratie.

Blick auf den Westflügel (Seiteneingang)

Es finden Veranstaltungen aller Art statt. Die Rolling Stones spielten hier, ebenso wie Queen, Björk und viele andere Music Acts. Es gibt einen Hochseilgarten draußen und eine Schlittschuhbahn drinnen. Das alte viktorianische Theater wird gerade renoviert, ebenso wie der Ostflügel, in dem Fernsehgeschichte geschrieben wurde. Hier wurde am 2.11.1936 die erste Live-Fernsehübertragung der BBC gesendet, die BBC sendete von hier aus bis in die 1980er Jahre hinein.

Ostflügel mit Sendemast

Während des Ersten Weltkrieges wurden hier 17.000 Ausländer ohne britischen Pass, überwiegend Deutsche interniert.

Und so sieht die markante Skyline Londons an der Themse von Norden aus:

Und es gibt einen Pub, in dem wir uns bei einem pint IPA entspannen und das Abendessen aus Burger vom Angusrind und Chips mit Aussicht genießen.

Der Fußweg zurück führt uns durch den Stadtteil Hornsey, auch eine sehr gute Ecke zum Wohnen, mit einem nachahmenswerten kommunalen Gartenprojekt.

Wohnstraße in Hornsey.

The City (The Square Mile), Teil 1: östlich von St. Paul‘s

Wir sind mal wieder auf einem Stadtrundgang mit unserem Lieblingsreiseführer „London’s Hidden Walks“ unterwegs. Den ursprünglichen Plan teilen wir in mehrere Teile auf, da es unterwegs noch so viel anderes zu sehen gibt.

Wir starten an der U-Bahn-Station Moorgate, benannt nach einem Eingangstor in die Stadt zu Römerzeiten und finden uns bald inmitten der Bürotürme und deren Angestellten wieder, die bei dem schönen Wetter ihren lunch break draußen verbringen.

Kay genießt statt lunch lieber moderne Kunst.

Teile der Guildhall, das Zentrum der Bezirksregierung der City, datieren aus den 1400ern. Der Innenhof wird flankiert von der City-eigenen Kunsthalle und der Kirche St Lawrence Jewry. In der Galerie werden interessante Gemälde aus der Geschichte Londons gezeigt, aber die eigentliche Attraktion sind die Überreste des römischen Amphitheaters, das entdeckt wurde, als das Gebäude von 1984 bis 1992 wieder neu aufgebaut wurde. Auch das kann man ohne Eintritt besichtigen, nur die Taschen werden am Eingang durch einen Scanner geschoben.

Teil der Guildhall
Guildhall Art Gallery
The Undercroft mit den römischen Überresten

Überall zwischen den glänzenden modernen Hochhäusern befinden sich kleine Kirchen und Gärten, die den Grund einer ehemaligen Kirche kennzeichnen. Während des Großen Feuers 1666 ist nahezu die gesamte City abgebrannt und nicht alle Kirchen wurden danach wieder aufgebaut. Diejenigen, die jetzt noch zu sehen sind, wurden alle von Christopher Wren aufgebaut. Einige sind hier zu sehen:

Hier stand St Alphage London Wall. Zu sehen sind die römischen Überreste der Stadtmauer. Der Garten wird von den Saltern gepflegt.
Turm der nicht mehr existierenden Kirche St Alban Wood Street (die wurde endgültig im Blitz zerbombt), der Turm ist jetzt ein Wohnhaus.
Hier stand St John Zachary, die Kirche der Wachshändler.
St James Garlickhythe, wird auch Wrens Laterne genannt, wegen der hohen Decke und der großen Fenster.
St Mary Aldermary mit einem Café im Eingang und einer tollen Gestaltung der Decken
St Mary le Bow: alle, die im hörbaren Umkreis des Glockengeläuts geboren sind, dürfen sich als echte Cockneys bezeichnen. Unter der Kirche befindet sich noch eine normannische Krypta.

Rain, rain, go away, come back another day

Eine Abkühlung ist schon schön, aber ein Halbierung der Temperatur nach unten mit Dauerregen ist schon was anderes. Einen Tag kann man gut mit schlafen, lesen und Tee trinken verbringen. Aber am folgenden Tag wird auch das langweilig, denn London hat ja viel zu bieten, auch for free. Wir fahren quer durch die Stadt, bleiben aber nördlich der Themse und landen in der Tate Britain. Dort gibt es tolle britische Kunst zu sehen.

Wir machen einen kleinen Streifzug durch die britische Kunst von 1940 bis 2000, entdecken Turner in einer Sonderhängung neu, in einem weiteren Raum werden Bilder von Turner und Constable einander gegenüber gestellt.

Dann gibt es auch Sonderschauen ohne Eintritt zu bezahlen. Lisa Brice, eine Malerin aus Südafrika, konzentriert sich auf Frauen, die sie zum Teil aus alten europäischen Kunstwerken „befreit“, wo sich diese häufig als einzige Frau unter Männern befinden (und von Männern für ein überwiegend männliches Publikum gemalt wurden) und setzt diese in eine aus lauter Frauen bestehende Umgebung.

Gertrude Stein, von Picasso gemalt, hinter der Frau im gestreiften Kleid, jetzt im Gespräch

In den neoklassizistischen Duveen Gallerien hat die Künstlerin Anthea Hamilton eine Umgebung rund um die ausgestellten Moore-Skulpturen aus weißen Haushaltsfliesen gebaut. Diese stellt die Bühne für das Projekt „The Squash“ dar. Ein/e Darsteller/in in einem Kostüm, das von Kürbissen aller Art inspiriert wurde, hält sich in dieser weißen Umgebung auf. Mehr als sechs Monate schlüpft eine von 14 Personen in eines von sieben Kostümen und perfomt.

Vom Museum aus gehen wir an der Themse entlang Richtung Westminster. Der leichte Regen kann uns nicht schocken, denn wir haben ja nun unsere Regencapes.

Der gesamte Weg ist für das Prudential Ride London, ein riesiges Radrenn-Event an diesem Wochenende für Autos gesperrt, aber wir kommen durch, denn das Rennen ist fast zuende. Wir sehen nur noch vereinzelte Fahrer.

Ganz nebenbei gibt es auch noch Westminster Palace, Parliament Square, Big Ben, Downing Street, die Horse Guards und Whitehall zu sehen, bis wir dann am Trafalgar Square wieder in die U-Bahn steigen.

Churchill im Regen, im Hintergrund ist Big Ben (nicht) zu sehen, der Turm ist für die nächsten Jahre eingerüstet

Shakespeare’s Hamlet

Who’s there? Die Eingangsworte zu Hamlet, etwas ist faul im Staate Dänemark, das längste Stück, das Shakespeare geschrieben hat. Hamlets Vater, ermordet von seinem Bruder Claudius, der wiederum gleich danach Hamlets Mutter Gertrude geheiratet hat, erscheint seinem Sohn als Geist, um ihm von dem Brudermord zu erzählen und Rache zu verlangen. Hamlet schützt Wahnsinn vor, um am Hofe ermitteln zu können. Das stürzt alles ins Chaos: Ophelia ist bass erstaunt, dass ihr Verlobter sie plötzlich ablehnt, ihr Vater Polonius denkt, dass die Ablehnung seiner Tochter die Ursache für Hamlets Wahnsinn ist, König und Königin setzen Spione auf ihn an. Als dann noch eine Schauspieltruppe am Hofe erscheint, will Hamlet Onkel und Mutter mithilfe des aufzuführenden Stückes überführen.

Das gelingt sogar, Hamlet will seinen Onkel töten, aber Claudius bittet erfolgreich um Verzeihung, Gertrude wird von ihrem Sohn der Untreue beschuldigt und der arme Polonius, der sich in Gertrudes Zimmer hinter einem Vorhang versteckt, um zu lauschen, wird von Hamlet erstochen. Daraufhin wird Hamlet unter Begleitung nach England geschickt (die Begleitung soll ihn eigentlich ermorden, aber er entkommt ihnen), Ophelia kann den Tod ihres Vaters nicht verwinden und ertränkt sich, ihr Bruder Laertes kommt aus Frankreich zurück und schwört Rache. Auf Ophelias Beerdigung kommt es zum Äußersten: ihr Bruder und Hamlet treffen aufeinander und sollen sich auf Befehl des Königs duellieren. Dafür vergiftet Claudius sicherheitshalber das Schwert Laertes und zusätzlich als back-up-Plan auch noch Hamlets Wein. Am Ende sind trotzdem alle tot: Laertes verletzt Hamlet, dann werden die Schwerter getauscht und auch Laertes wird verletzt; Gertrude trinkt den für Hamlet bestimmten Wein; der sterbende Laertes verrät den Tötungsplan, daraufhin ersticht der sterbende Hamlet noch mal schnell seinen Onkel. Nun ist keiner mehr übrig und ein norwegischer Prinz übernimmt das Königreich.

zu Beginn der Vorstellung, die Nachtwache steht bereit
nach der Vorstellung, während der Aufführung ist es ja nicht erlaubt zu fotografieren

Diesmal haben wir die Abendvorstellung gebucht, was zunächst nichts an den Außentemperaturen ändert, wohl aber an der Strahlungsaktivität der Sonne. Allerdings kommt direkt vorher, auf unserem Weg zum Theater ein ordentliches Gewitter mit heftigen Regengüssen auf uns hinunter. Ziemlich nass retten wir uns in die Tate Modern und kaufen zwei Regencapes für die Vorstellung. Die Temperatur kühlt auf freundlich sommerliche 22 Grad ab, die Capes halten warm, es bleibt trocken während der Vorstellung.

Die Aufführung ist super, die langen Textpassagen werden schauspielerisch wunderbar umgesetzt und machen die Verzweiflung, die Wut und die Trauer, die das gesamte Stück durchziehen, visuell mehr als deutlich. Der Rest ist Schweigen!

Exploring Hyde Park

Die Grünflächen der Parks sind hier ebenso verdorrt wie zuhause, nichtsdestotrotz ist hier die Hitze gut zu ertragen. Alle guten Dinge sind drei, nach dem verhüllten Reichstag in Berlin und dem Gasometer in Oberhausen wollen wir das neueste realisierte Projekt von Christo (und Jeanne-Claude) besuchen, The London Mastaba, die auf dem Serpentine Lake schwimmt. Die Skulptur ist 20 Meter hoch und besteht aus 7.506 extra hierfür angefertigten Fässern, die in rot, blau, mauve und weiß lackiert sind.

Gleichzeitig findet in der Serpentine Gallery eine Ausstellung der beiden statt mit Werken, die sechzig Jahre Schaffen mit Fässern aller Art reflektiert, und das in vollklimatisierten Räumen! Welch Erleichterung, es sind wieder einiges über 30 Grad.

Neben der Galerie entsteht jedes Jahr ein Sommerpavillon, designed von namhaften Architekten. Dort lässt es sich auch bei großer Hitze gut aushalten, denn Frida Escobedo, die diesjährige Ausgewählte, ließ sich von mexikanischen Innenhöfen inspirieren und erschuf eine luftige Konstruktion aus Stahl und Dachziegeln mit einer Wasserfläche innen. Alles zusammen sorgt für ein sehr angenehmes Klima für die erste Kaffeepause.

Abkühlung verspricht auch der Diana, Princess of Wales Memorial Fountain, nicht nur für die vielen Kinder, sondern auch für erwachsene Füße. Der Brunnen ist aus 545 unterschiedlich geformten Granitsteinen aus Cornwall gebaut und erhält sein Wasser aus 100 Meter Tiefe. Kneippkuren kann wunderbar sein.

Dann geht’s, wenn wir schon hier sind, einmal über die Straße in die Serpentine Sackler Gallery. Dort gibt es eine Einzelausstellung mit Bildern von Tomma Abts, die im Herbst weiter in das Art Institute of Chicago reisen wird. Noch nie gehört von der Künstlerin, um dann mit einigem Erstaunen festzustellen, dass sie 1967 in Kiel geboren wurde. Sie ist mit dem Gewinn eines Stipendiums in London in den 1990ern einfach hier hängen geblieben, hat aber eine Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie inne.

Anschließend kommt eine ausgiebige Kaffeepause mit Schokoladenkuchen im Café nebenan gerade recht. Das wunderbare Gebäude von Zaha Hadid ist neu möbliert, hat jetzt eine angenehme Akustik und einen aufmerksamen Service. Da alle Ausstellungen bisher kostenlos waren, kann man hier auch etwas mehr Geld ausgeben.

Und dann wollen wir irgendwann doch wieder in die Hitze hinaus und stoppen überrascht am Ausgang: es regnet!! 60% Regenwahrscheinlichkeit kommen tatsächlich dort herunter, wo wir uns aufhalten. Da verweilen wir doch lieber noch ein bisschen an diesem schönen Ort.

Shakespeare‘s As you like it

Ab ins Theater: das Globe Theatre ist erwachsen geworden, es geht in das 21. Jahr des Bestehens. Unter anderen werden deshalb in dieser Saison „As you like it“ und „Hamlet“ aufgeführt, beide entstanden um 1599 herum, dem Jahr, in dem das original Globe gebaut wurde. Wir starten in unsere persönliche Sommersaison mit As you like it, einer der Komödien, mit einem Plot, der nur etwas verwirrend ist ob Klamotten- und damit zeitweisem Geschlechtertausch. Um es zu versuchen: Vater Herzog wird vom Bruder vom Thron gejagt und flieht in den Ardenner Wald. Der älteste Son eines Edelmannes namens Oliver, unterdrückt seinen jüngeren Bruder Orlando und will ihn mit Hilfe eines tödlich ausgehenden Boxkampfes loswerden. Natürlich kommt es anders als gedacht. Orlando besiegt unerwartet den Boxer. Vater Herzogs Tochter Rosalind verliebt sich spontan in Orlando. Aber Bruder Herzog hat Angst, dass seine Nichte ihn hinterlegen will und verbannt sie, worauf hin sie mit ihrer Cousine Celia (Bruder Herzogs Tochter) zu Vater Herzog in den Wald flieht. Daraufhin schickt Bruder Herzog den Oliver aus, um die Mädels zu suchen. Orlando findet heraus, dass sein Bruder ihn eigentlich töten lassen wollte und flieht ebenfalls in den Wald und findet völlig verhungert Unterschlupf bei Vater Herzog.

Nun schlägt die Liebe zu, ist ja schließlich eine Komödie: Orlando läuft durch den Wald und hängt überall Gedichte an Rosalind in die Bäume, da er sich unsterblich in sie verliebt hat. Celia verrät Rosalind den Namen des Autors, woraufhin sich Rosalind als Ganymede verkleidet, um Orlando von Mann zu Mann über die Stärke und Echtheit seiner Verliebtheit zu interviewen. Ganz nebenbei verliebt sich auch noch eine Schäferin in Ganymede, obwohl sie ihrerseits von einem Schäfer umworben wird.

In das ganze Hin und Her, ich kürze hier mal Verwirrungen, zurückgewiesene Liebesbriefe etc. ab, platzt der böse Oliver blutüberströmt hinein, vor einer Löwin gerettet durch seinen tapferen kleinen Bruder Orlando. Nun nicht mehr böse, vertragen sich die Brüder wieder und Oliver verliebt sich in Celia, will sie gleich am nächsten Tag heiraten und seinen Besitz dem Bruder übergeben. Rosalind ist ja leider immer noch der Jüngling Ganymede und verspricht als solcher dem unglücklichen Orlando, seine geliebte Rosalind über Nacht herbeizaubern zu können, damit auch die beiden heiraten können. Gleichzeitig sollen auch Schäfer und Schäferin glücklich werden. Am nächsten Tag kommt dann rein zufällig Hymen, der Gott der Heirat vorbei und verheiratet insgesamt vier Paare, denn auch der Clown bekommt seine Ziegenhirtin. Noch glücklicher sind dann alle, als die Nachricht, dass der böse Bruder Herzog ein Eremit geworden ist, sie erreicht. Nun kann Vater Herzog wieder nach Hause und im Wald kehrt endlich wieder Ruhe ein.

Der Geschlechtertausch wurde sehr interessant gelöst: ein Mann spielte die Rosalind, die sich dann als Junge ausgibt, ganz wie zu Shakespeares Zeiten üblich. Aber damit nicht genug, Orlando wurde von einer Frau verkörpert, ebenso wie die Herzöge und Hymen, dafür war die Ziegenhirtin ein Mann, Celia taubstumm und das ganze Ensemble stellte zeitweise die blökende Schafherde dar. Ansonsten würde auf Kulissen und Requisiten fast vollständig verzichtet. Lustig war’s obendrein, wie immer war es super gespielt vom Ensemble, sodass das meiste gut zu verstehen war. Anstrengend war es trotzdem: wir standen in der Nachmittagsvorstellung trotz des Wetters an unserem favourite spot, genau gegenüber der Bühne zum Anlehnen. Das zog neben allerbester Sicht allerdings drei Stunden Stehen in der sengenden Sonne nach sich. 34 Grad war es im Schatten, ich wage nicht einmal zu spekulieren, wie warm es auf meinen Kopf schien!! In der Pause wurde massenweise kaltes Wasser verteilt, das haben wir noch nie erlebt. Auch alle Kappen und Fächer, die sonst bei Hitze ausgegeben wurden, sind in dieser Saison schon lange weg.

Danach gab es einen Kaffee zur Stärkung, eine Rückfahrt in vollbesetzten Zügen und im Quartier der Zusammenbruch auf dem Bett, glücklich, aber total erledigt!

Wo sind wir denn diesmal gelandet?

Heute wollen wir es ruhig angehen und die nähere Umgebung zu Fuß und ganz geruhsam bei der Hitze erkunden.

Crouch End steht zuerst auf dem Plan. Uns erwartet eine hübsche englische Kleinstadt mitten in London mit einem Clock Tower im Mittelpunkt der Straßen, die zu unserem Vergnügen etliche Secondhand-Läden beherbergen. Hier ist in den letzten Jahren die Aufhübschung ordentlich in Gang gekommen, viele Läden, die ökologische Waren aller Art verkaufen.

In Gail‘s Bakery legen wir bei Kaffee, cinnamon bun und chocolate and pecan brownie eine Pause ein. Auch die Brote in der Auslage sehen allesamt sehr appetitlich aus. Hier wohnt der wohlhabende Mittelstand, wie es die Makleranzeigen für die Häuser anzeigen (ab 600.000 Euro, aber das ist das absolut untere Ende der Preisspanne, könnte man dabei sein) und die jungen Mütter mit ihren stylischen Kinderwagen. Diejenigen, die sich hier ein renovierungsbedürftiges Haus vor Jahren gekauft haben, so wie unsere Gastgeber, freuen sich ob der Preissteigerung sicherlich ein Loch ins Knie.

Zu der Zeit sind unsere shopping bags schon gut gefüllt mit Klamotten, Büchern, einer kleinen Vase und einer Ukulele in Ananasform!! „I can’t believe that it is your first day!“, sagte die Verkäuferin, als wir ihr von unserer Vorliebe für charity shopping erzählten und sie die gut gefüllten Taschen sah. Aber wir haben auch nicht immer so ein Glück. Ganz nebenbei gab es noch weitere Ausflugstipps für diese Gegend drauf zu. Wir spazieren dann noch zum anderen Ende der ‚Innenstadt’ bis zur Christchurch, die auf einer weiteren Anhöhe liegt. Aber das wird dann doch zu anstrengend bei 29 Grad und wir gehen erst einmal zurück ins Quartier, um bei den folgenden 32 Grad bis zum frühen Abend Siesta zu machen.

Abends geht es in die andere Richtung nach Harringay zum Essen. Auf der Grand Parade dominieren türkische Geschäfte und Restaurants. Wir folgen dem Hinweis unserer Gastgeber und kehren im Antepliler ein, eine sehr gute Entscheidung. Wir sitzen draußen, essen und trinken vorzüglich, beobachten die Passanten und genießen die 27 Grad abends um 21 Uhr. Uns kommt es so vor, als wären wir schon etliche Tage wieder in London.

Adana, in Joghurt mariniertes Lammfleisch

Ja, wir sind in London – rote Doppeldeckerbusse und Linksverkehr.

London again

Da sind wir doch schon wieder in London, jedes Jahr um diese Zeit, diesmal aber mit extrem leichtem Gepäck: von 30 Grad um die Mittagszeit in Schleswig-Holstein hinein in immer noch sehr warme 26 Grad am Abend in London. Diesmal steht die Anreise unter dem Motto: nutze so viele unterschiedliche Verkehrsmittel wie möglich.

Wir fahren mit dem Auto zum Bahnhof, nehmen dort den Zug nach Kiel, um dann mit dem Kiliusbus zum Flughafen Hamburg zu fahren. Dort kommt nach dem Check-in der Rollbahn-Bus, um uns zum Flieger zu bringen. Mit RyanAir geht es in winzige Sitze gestopft, natürlich auch zwischen fremde Menschen platziert, weil wir nicht jedes Preisspielchen des Billigfliegers mitmachen wollten, Richtung England. Voller Flieger, ein Mix aus Touristen, die London erkunden wollen und Menschen, vorzugsweise Frauen mit kleinen Kindern, die nach Hause wollen.

In Stansted wird wieder in den Terravision-Bus gewechselt, der netterweise 10 Minuten später als angegeben abfährt, so können wir ihn auch Dank nicht existierender Warteschlangen vor der Passkontrolle noch erreichen. Wie schön, dass wir uns eine Wartezeit von einer Stunde ersparen können. In London kommen wir am Bahnhof Liverpool Street an. Von dort geht es eigentlich weiter mit der U-Bahn, aber wir entscheiden uns, die eine Station zu Fuß zu laufen. Nach dem stundenlangen Sitzen ist das ganz angenehm. Dann mit National Rail Richtung Norden bis zur Harringay Station, das liegt noch im Oystercard-Einzugsgebiet. Alles bei der Hitze kein Problem, überall außer draußen ist es ja angenehm klimatisiert. Obwohl, es kommt uns so vor, als ob RyanAir, um Treibstoff zu sparen, nach der Landung die Klimaanlage ausgeschaltet hat. Die letzten 10/15 Minuten verbringen wir dort in der Sauna. Dafür ist es dann im Zubringerbus mit der Zeit so kalt, dass wir anfangen zu frieren. So einem Menschen ist es ja auch nie wirklich recht zu machen.

Noch ein kleiner Fußmarsch bergauf und dann sind wir in unserem Quartier. Wir haben uns diesmal über AirBnB ein Zimmer in einem typischen Stadthaus gebucht. Schmaler Zuschnitt, eine wendelige Treppe führt nach oben. Von jeder Zwischenetage gehen Türen ab, unser Zimmer geht nach hinten zum Garten raus und ist schön groß.