Urlaub in Frankfurt – unexpected good vibrations

Wie schon geschrieben, sind wir nur nach Frankfurt gefahren, um die beiden Ausstellungen anzusehen. Von der Stadt selbst haben wir nicht so viel erwartet, außer vielleicht hessischer Dialekt, Würstchen, Grüne Soß‘ und Ebbelwei. Man kann auch ohne das alles gut leben.

Vor dem Hauptbahnhof fährt der Ebbelwei-Express ab, eine Straßenbahn-Sonderlinie, die an den Wochenenden und Feiertagen die Touristen mit auf Stadtrundfahrt nimmt. Als Kinder wurden wir aber zu häufig fernseh-zwangsbeschallt durch die Volksmusiksendung „Der Blaue Bock“, die in Frankfurt konzipiert und vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet wurde. Allein das Wort Ebbelwei löst daher starke körperliche Abwehrreaktionen aus.

Wir wurden angenehm überrascht und ertappten uns öfter bei dem Gedanken: „Warum immer nach Berlin, London, New York fahren?“ Es gibt hier tatsächlich alles, was wir für einen erfolgreichen Städteurlaub benötigen.

Wir fangen mal mit dem Kulturangebot an, das so umfassend wie in den genannten Großstädten ist. In der Stadt war und ist so viel Geld unterwegs, dass allein das Museumsangebot 34 spannende Inhalte umfasst, dazu kommen noch 35 weitere Ausstellungsorte, und das sind nur die, die in einer Broschüre zusammengefasst sind. Alles musikalische kommt noch dazu.

Im Städel, der ältesten Museumsstiftung Deutschlands, ist der Erweiterungsbau für Gegenwartskunst so gestaltet, wie wir es aus Großbritannien und den USA kennen: Die Einzelräume tragen die Namen ihrer Geldgeber, z.B. Deutsche Bank Galerie. Das multimediale Angebot steht den internationalen Museen ebenfalls in nichts nach. Allerdings ist der Skulpturengarten im schleswig-holsteinischen Landesmuseum besser aufgestellt.

Wir haben im Städel noch die Chance genutzt, großartige Radierungen der Künstlerfreunde Lucian Freud und Frank Auerbach unter dem Titel „Gesichter“ zu sehen und einen Überblick über Gegenwartskunst seit 1945 mit anderen Exponaten, als die, die wir schon oft gesehen haben, zu erhalten. Der gute alte Goethe, der in Frankfurt geboren wurde, darf natürlich auch nicht fehlen.

Den hessischen Dialekt hören wir eher selten. Hier sind so viele unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Gründen unterwegs, dass wir manches Mal überlegen, ob wir wirklich in Deutschland sind. Es gibt Inländer, die Hessisch babbele; Menschen, die wie Ausländer aussehen, aber Inländer mit akzentfreiem Hochdeutsch sind; Inländer wie wir, die hier zu Besuch sind; Ausländer, die hier zu Besuch sind; Ausländer, die länger hier sein werden; viele Sprachen, sehr kosmopolitisches Hin und Her. Mit Englisch und Deutsch kommt man hier gut klar!

Auffallend sind die vielen jungen und mittelalten Menschen aus den USA (auditiv gut zu erkennen) und die sehr vielen Asiaten jeglichen Alters (auditiv und visuell gut zu erkennen). Im Altstadtbereich haben viele Geschäfte entsprechende Schriftzeichen angebracht, damit es mit dem Shopping besser klappt. In unserem Hotel gibt es am Frühstücksbüffet ebenfalls ein speziell zugeschnittenes Angebot, das gern angenommen wird.

Auch das Angebot an Restaurants ist sehr vielfältig. Es gibt leckere Burger im Restaurant „Die Kuh, die lacht“ mit frittierter Yuca als Vorspeise. Letzteres ist Maniok in der Sprache der Kariben und hat glücklicherweise nichts mit der Yucca zu tun, die nicht so bekömmlich für Menschen ist.

Es gibt für uns Jalferezi mit Lamm bzw. Huhn, Papadams, Lassi und Masala Chai im „Indian Chilli“.

Und „Im Herzen Afrikas“ auf niedrigen Sitzmöbeln und Sand auf dem Boden essen wir mit den Fingern: Bamja (Okra mit Rindfleisch auf sudanesische Art) und eine vegetarische Platte mit Ful (geschmorte Bohnen mit Feta und Zwiebeln), Alicha (gekochte Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Paprika) und Schiro (gemahlene Kichererbsen in pikanter Tomatensoße), alles außerordentlich gewürzt und sehr lecker! Die Brotfladen helfen beim Essen.

Sightseeing auf Chinesisch geht übrigens am Beispiel der Paulskirche so: Der Reisebus hält direkt am gewünschten Ort (Es ist die Rückseite der Kirche.), alle Reiseteilnehmerinnen und -Teilnehmer steigen aus. Da die Kirche schon geschlossen hat, bleibt man dicht am Bus stehen. Die Reiseleiterin hält mit der einen Hand das große bebilderte Informationsschild fest, mit der anderen Hand die Lautsprecherbox. Aus der schallen wahrscheinlich Informationen zum Objekt, vielleicht auch zur ganzen Stadt, das können wir ja nicht verstehen. Verstehen können wir auch nicht, warum sich niemand der Reisenden umschaut und die Paulskirche in der Realität anguckt. Aber wir können erahnen, wie sie es schaffen, ganz Europa in acht Tagen zu besuchen.

Eine andere Gruppe (wahrscheinlich Koreanerinnen) gibt uns unerwartet noch einen Einblick in ihre Kultur:

Frankfurt hat es geschafft, wir werden wiederkommen. Und das nächste Mal fahren wir auch mit dem Ebbelwei-Express!

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