Die ursprüngliche Intention, nach Frankfurt zu fahren, bestand im Besuch der beiden großen Sonderausstellungen in der Schirn (Basqiat – Boom for Real) und im Städel (Rubens – Kraft der Verwandlung).


Auf dem ersten Blick scheint die beiden Künstler nichts zu verbinden, sondern mehr zu trennen, als nur 400 Jahre. Die Rubens-Schau zeigte jedoch nicht die rubensche Fleischfülle in seinen Frauendarstellungen, sondern fokussiert auf die „Kraft der Verwandlung“.
Sie zeigt auf beeindruckende Weise, welche Einflüsse anderer Künstler, seien es Skulpturen, Zeichnungen oder Gemälde, die Rubens auf seinen Reisen gesehen hat, in seinen Werken wieder auftauchen. Er kopiert sie aber nicht einfach, sondern verwandelt sie und baut so etwas völlig neues, immer mit dem erklärten Ziel, die verehrten Altmeister zu übertreffen.
Dafür fertigte er auf seinen Reisen unzählige Zeichnungen von Skulpturen und Gemälden an und erwarb zusätzlich auch noch Zeichnungen anderer Künstler. Aus diesem Schatz schuf er dann zurück in Antwerpen diese unübertroffenen Meisterwerke und erwarb schon zu Lebzeiten ungeheuren Ruhm.


Basquiats Herangehensweise ist gar nicht so unterschiedlich. Er schaut schon als Kind bei vielen Besuchen im Metropolitan Museum of Art in New York genau hin. Später findet er sich mit einem Freund eher in Museen in anregender Diskussion vor Bildern wieder als in der Schule im langweiligen Unterricht vor der Tafel. Sein Ziel war es, als erster farbiger Künstler in die Museen zu kommen, und das geht er planmäßig an. Schon früh nutzt er außer Büchern, Musik und Filme als Inspiration auch die gerade neu aufkommende Technik der Farbkopien, um seine Werke anzufertigen. Mit denen landet er tatsächlich in die großen Museen der Welt, als erster afroamerikanischer Künstler überhaupt und bis jetzt als einer von extrem wenigen. Anderes als Rubens blieben ihm aber nur acht Jahre Schaffenszeit. Viel Ruhm und noch mehr Kokain und Champagner bleiben nicht ohne Konsequenzen, er stirbt 1988 mit 28 Jahren.

