Villa d‘Este, Tivoli

Die Römer, zumindest die, die es sich leisten konnten, fuhren an heißen Tagen gern in die nahegelegenen Albanischen Berge östlich der Stadt. Dort war die Luft einfach besser. Das machen wir auch, in Ermangelung einer eigenen Sommerfrische-Villa wollen wir die Villa d‘Este in Tivoli besuchen.

Dafür geht es mit der blauen Metro Richtung Rebbibia (Linie B, die andere ist rot markiert) bis zur letzten Haltestelle vor der Endstation namens Ponte Mammolo. Noch gilt der Rom-Pass. Im Kiosk am Ausgang gibt es dann die Bustickets nach Tivoli, 2,20€ pro Fahrt; sehr günstig, denn anschließend fahren wir ca. eine Stunde durch ziemlich heruntergekommene Vororte, dann anschließend serpentinenartig langsam den Berg hinauf (wir sitzen in einem Doppeldecker oben – gute Aussicht), bis wir in Tivoli ankommen.

Wir können vom Bus auch gut die Steinbrüche sehen, in denen der Travertin abgebaut wird.

Ein kurzer, gut ausgeschilderter Fußweg führt uns in Tivoli zur Villa. Der Palast mit den dazugehörigen Gärten ist seit 2001 ein UNESCO-Weltkulturerbe, da der Palast eines der herausragendsten Bespiele für die Renaissancekultur darstellt. Die Gestaltung der Gärten hatte zudem einen massiven Einfluss auf die Gartenarchitektur in Europa.

Die Bauarbeiten begannen Mitte des 16.Jahrhunderts und dauerten, mit Unterbrechungen, ein ganzes Jahrhundert. Neben vielen anderen Titeln wurde Kardinal Ippolito II. d‘Este 1550 auch Statthalter von Tivoli. Eigentlich wollte er immer Papst werden, aber das klappte nicht, obwohl er auf mehreren Konklaven der Kandidat der Franzosen war. Vielleicht auch deshalb ließ er dann auf einem ehemaligen Benediktinerkloster eine sehr standesgemäße Villa erbauen, die Wände und Decken der Räume mit Fresken der bedeutendsten Maler der Zeit gestalten und einen wunderbaren Garten anlegen. Dafür wurden dann auch ein großer Anteil des Ortes geräumt und planiert.

Die Entwurfszeichnungen für Gärten und Brunnen wurden ebenfalls als Fresken festgehalten. Zudem ist in jedem Raum, und davon gibt es viele im Palast, mindestens sein Wappen, umrahmt von Putten, in den Wandecken verewigt; einem Zimmer auch die Insignien eines Papstes, um seine Ambitionen zu betonen.

Durch die Villa hindurch geht es in die Gärten, die sich von der unteren Etage des Hauses einen recht steilen Hang herab erstrecken.

Die mehr als 500 Brunnen, Wasserspiele und Grotten kühlen die Luft auf‘s Angenehmste, die hohen Bäume und Lorbeerhecken spenden Schatten. Die Hanglage des Grundstücks sorgt ganz ohne elektrische Pumpen (die gab es ja damals noch gar nicht) dafür, dass überall Wasser sprudelt und Fontänen die die Luft spritzen.

An einer der Querachsen mit den Fischteichen liegt links eine Aussichtsplattform, die einen wunderbaren Blick in das Tal bietet. Rechts wird die Achse von zwei übereinander gestaffelten Brunnenanlagen begrenzt, vom Neptunbrunnen und vom Orgelbrunnen, einer Wasserorgel, die vom Wasser „bespielt“ wird.

Auf dem Weg zurück erwischt uns, glücklicherweise bereits im Bus sitzend, das schon lange angekündigte Gewitter in Form eines gewaltigen Wolkengusses. Blitzartig stehen die Straßen unter Wasser. Wir fahren bergab, einige Fahrgäste werden nass, da es trotz geschlossener Scheiben hineinregnet, bzw. der Regen durch die Verkleidung hinein drückt. Die entgegenkommenden Autos fahren durch reißende Bäche, einige Wagen schaffen das nicht und bleiben im Wasser stecken, was zu einem veritablen Stau führt.

Zurück an der U-Bahnhaltestelle spuckt der Automat ein Ticket zu 1,50€ aus, der fast leere Zug bringt uns in einer Viertelstunde zurück und im Innenstadtgebiet Roms scheint wunderbar die Sonne.

Hinterlasse einen Kommentar