Es geht in den Stadtteil Flaminio ins Kunstmuseum. Man könnte auch sagen, wir wollen uns ein sehr gelungenes Konversionsprojekt anschauen. Das knapp 30.000 Quadratmeter große ehemalige Kasernengelände Montello ging zur Jahrtausendwende in die Hände des Kulturminsteriums über, das dort ein spektakuläres Gebäude der leider viel zu früh verstorbenen Architektin Zaha Hadid erbauen ließ. Zehn Jahre Bauzeit vergingen, ebenso sechs Regierungen, die immer wieder aufs Neue von den Ausgaben überzeugt werden mussten. Aber schließlich wurde es 2010 eröffnet, nachdem 150 Millionen Euro ausgegeben waren, das Dreifache der ursprünglich geplanten Bausumme.

Das Nationalmuseum, MAXXI genannt (Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo), zeigt zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts, aber liegt gar nicht in Laufweite des alten Innenstadtkerns, dafür haben wir ja den Roma-Pass. Vom Bahnhof Termini nimmt man die U-Bahn A Richtung Norden, steigt an der Piazza del Popolo um in die Straßenbahn Nr.2 bis zur Haltestelle Apollodoro. Ab da ist es ein kurzer Fußweg zum Museum, das sich als erstes mit einem weiten einladenden Vorplatz präsentiert. Das Gebäude integriert sich in das Stadtbild, wirkt nicht abgeschlossen, sondern wirkt durchlässig, die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum verschwimmen. Der hellgraue Sichtbeton scheint horizontal über dem alten, vertikal ausgerichteten Quartier zu schweben. Dieser Eindruck verstärkt sich noch im Inneren.


Die fünf Galerien erstrecken sich über drei Etagen, fließen aber ineinander über, so dass man stets neue Ein- und Ausblicke erhält. Wir fahren mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und lassen uns dann von diesem genial entworfenen Gebäude gemächlich nach unten ziehen bzw. fließen in ihm in die Kunst und Architektur hinab. Hohe schräge Wände in glattem, hellen Sichtbeton formen geschwungene Bereiche, frei schwebende schwarze Stege und offene Treppen, die auch zu schweben scheinen, durchqueren das gesamte Gebäude. Ab und zu lassen große verglaste Fassaden Blicke hinaus auf den Vorplatz.


Jetzt im Frühjahr zeigt das MAXXI u.a. einen Schwerpunkt auf Werke, die sich mit Beirut in allen Facetten auseinandersetzen. Dafür wurden mobile Wände eingezogen, die die Luftigkeit des Innenraums etwas beschränken. Wir erhalten vielfältige und interessante Einblicke in die Verarbeitung der Folgen des Bürgerkriegs mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln, manches verstörend, manches gut nachvollziehbar, immer alles vielschichtig.


Eine verdiente Pause gibt es im Museumscafé mit integriertem Shop, das in einer der alten Militärbaracken, die in das Gebäude integriert wurden, untergebracht ist, architektonisch ebenfalls genial gelöst. Strahlend weiße Decken und Wände mit kreisförmigen Schallschluckern, die Möblierung nimmt die reduzierte Farbigkeit der Ausstellungsräume auf: hellgrau, weiß und schwarz. Es gibt die Möglichkeit, die elektronischen Geräte aufzuladen, beim sehr guten Caffe Americano (1€) zu bloggen oder sich einfach zu entspannen.


