Kirchen und Kolosseum

Ein Spaziergang Richtung Altstadtquartier Monti führt uns in einige schöne Kirchen, u.a. in die Santa Maria Maggiore. Sie ist die größte Marienkirche zusätzlich mit dem höchsten Glockenturm in ganz Rom.

Sie ist eine der 7 Gründungskirchen der urchristlichen Gemeinden und eine der Kirchen, in die der Papst zu jeder Zeit kommen und unangekündigten predigen kann. Im vierten Jahrhundert erbaut, das kann man zwar nicht von außen erkennen, aber von innen ist die Basilikaform noch gut zu erkennen, die jetzt innen stehenden Säulen bildeten damals die Aussenmauer.

Innen haben sich Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert erhalten. Die mit Mosaiken reich geschmückte Apsis stammt aus dem beginnenden 13. Jahrhundert. Die Kassettendecke wurde mit dem Gold der Konquistadoren vergoldet, irgendwo mussten die erbeuteten Reichtümer ja hin, zur Ehre Gottes ist dann immer eine gute Idee gewesen. Die Beichte kann auch während des Besuchs abgelegt werden, in verschiedenen Sprachen, das Licht zeigt heutzutage an, ob der Beichtstuhl besetzt ist oder nicht. Wenn der Priester in der geöffneten Tür zu sehen ist, kann man seitlich eintreten.

Es ist eine wirklich sehr prächtige Kirche und eine Besichtigung wert, auch wenn wir in der Sonne anstehen mussten, um unsere Taschen durch einen Sicherheitsscanner zu schieben.

Wir besichtigen natürlich das Kolosseum, eines der Wahrzeichen Roms. Erbaut als Ort für eher grausige Veranstaltungen bei freiem Eintritt, ist es heute eine Ruine, die sich gut bezahlen lässt. Die Tickets sollten lieber im Vorwege gebucht werden, um die langen Warteschlangen vor dem Eingang zu umgehen.

Wir haben schon zuhause online einen Rom-Pass gekauft. Der hat den Vorteil, dass dort gleichzeitig die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel enthalten ist. Man bucht den Pass, wahlweise für 48 oder für 72 Stunden gültig, und holt sich dann bei Ankunft in Rom die Karte an einem der zahlreichen Touristinfos ab. Mit dem Pass kann man dann alle Warteschlangen umgehen, ein schönes Gefühl!

Das Kolosseum ist, obwohl schon fast 2000 Jahre alt, immer noch das größte je gebaute Amphitheater der Welt. Begonnen im Jahr 72, wurde die Arena acht Jahre später mit einer hunderttägigen Feier eingeweiht.

Zu Trajan Siegesfeier über die Dakia wurden 10.000 wildeTiere (Tiger, Löwen, Rhinos, Elefanten, Flusspferde) und 11.000 Gladiatoren eingesetzt. So ein typischer Tag begann am Morgen mit der Vorstellung aller menschlichen und tierischen Teilnehmer. Anschließend wurden die wilden Tiere gejagt, gern in Kulissen, die ihr natürliches Habitat nachahmten. In der Mittagspause wurden die nackten und unbewaffneten Verurteilten von den wilden Tieren in Stücke gerissen (so haben wir das Wort Mittagspause bisher nicht interpretiert), während der anderen Pausen traten Jongleure, Akrobaten und Zauberer auf. Gern wurden auch antike Mythen nachgespielt. Am Nachmittag traten dann die Gladiatoren gegeneinander an. Christliche Märtyrer starben hier, entgegen aller verbreiteten Theorien, nicht.

Seit 1999 dient das Kolosseum, eine schöne Wendung der Geschichte, als Monument gegen die Todesstrafe. Immer wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt.

Eine Pause darf natürlich zwischendurch nicht fehlen:

Auf dem Rückweg liegt dann noch die Kirche San Clemente, eher unauffällig von außen, dafür ist im Innenraum das sehr, sehr alte Mamorinterieur erhalten (Fotos machen ist leider verboten). Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist dem befreiten Sklaven Clemente geweiht, der unter Diokletians Regime den Märtyrertod starb. Im 19. Jahrhundert begannen unter der Kirche Ausgrabungen, die man besichtigen kann. Unter der Kirche ist die bereits im 4. Jahrhundert erste Basilka gefunden worden, später noch darunter ein Gebäude aus den 1. Jahrhundert. Das ist ein faszinierender Gedanke, dass man eine Marktanlage oder eine Produktionsstätte sehen kann, zwei Stockwerke unter der Kirche, die damals auf dem gleichen Level wie das Kolosseum und in Sichtweite stand. Wieviel Schutt der Zeit sich im Laufe der Jahrhunderte anhäuft und das Straßenniveau ständig ansteigen lässt.

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