Urlaub in Frankfurt – unexpected good vibrations

Wie schon geschrieben, sind wir nur nach Frankfurt gefahren, um die beiden Ausstellungen anzusehen. Von der Stadt selbst haben wir nicht so viel erwartet, außer vielleicht hessischer Dialekt, Würstchen, Grüne Soß‘ und Ebbelwei. Man kann auch ohne das alles gut leben.

Vor dem Hauptbahnhof fährt der Ebbelwei-Express ab, eine Straßenbahn-Sonderlinie, die an den Wochenenden und Feiertagen die Touristen mit auf Stadtrundfahrt nimmt. Als Kinder wurden wir aber zu häufig fernseh-zwangsbeschallt durch die Volksmusiksendung „Der Blaue Bock“, die in Frankfurt konzipiert und vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet wurde. Allein das Wort Ebbelwei löst daher starke körperliche Abwehrreaktionen aus.

Wir wurden angenehm überrascht und ertappten uns öfter bei dem Gedanken: „Warum immer nach Berlin, London, New York fahren?“ Es gibt hier tatsächlich alles, was wir für einen erfolgreichen Städteurlaub benötigen.

Wir fangen mal mit dem Kulturangebot an, das so umfassend wie in den genannten Großstädten ist. In der Stadt war und ist so viel Geld unterwegs, dass allein das Museumsangebot 34 spannende Inhalte umfasst, dazu kommen noch 35 weitere Ausstellungsorte, und das sind nur die, die in einer Broschüre zusammengefasst sind. Alles musikalische kommt noch dazu.

Im Städel, der ältesten Museumsstiftung Deutschlands, ist der Erweiterungsbau für Gegenwartskunst so gestaltet, wie wir es aus Großbritannien und den USA kennen: Die Einzelräume tragen die Namen ihrer Geldgeber, z.B. Deutsche Bank Galerie. Das multimediale Angebot steht den internationalen Museen ebenfalls in nichts nach. Allerdings ist der Skulpturengarten im schleswig-holsteinischen Landesmuseum besser aufgestellt.

Wir haben im Städel noch die Chance genutzt, großartige Radierungen der Künstlerfreunde Lucian Freud und Frank Auerbach unter dem Titel „Gesichter“ zu sehen und einen Überblick über Gegenwartskunst seit 1945 mit anderen Exponaten, als die, die wir schon oft gesehen haben, zu erhalten. Der gute alte Goethe, der in Frankfurt geboren wurde, darf natürlich auch nicht fehlen.

Den hessischen Dialekt hören wir eher selten. Hier sind so viele unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Gründen unterwegs, dass wir manches Mal überlegen, ob wir wirklich in Deutschland sind. Es gibt Inländer, die Hessisch babbele; Menschen, die wie Ausländer aussehen, aber Inländer mit akzentfreiem Hochdeutsch sind; Inländer wie wir, die hier zu Besuch sind; Ausländer, die hier zu Besuch sind; Ausländer, die länger hier sein werden; viele Sprachen, sehr kosmopolitisches Hin und Her. Mit Englisch und Deutsch kommt man hier gut klar!

Auffallend sind die vielen jungen und mittelalten Menschen aus den USA (auditiv gut zu erkennen) und die sehr vielen Asiaten jeglichen Alters (auditiv und visuell gut zu erkennen). Im Altstadtbereich haben viele Geschäfte entsprechende Schriftzeichen angebracht, damit es mit dem Shopping besser klappt. In unserem Hotel gibt es am Frühstücksbüffet ebenfalls ein speziell zugeschnittenes Angebot, das gern angenommen wird.

Auch das Angebot an Restaurants ist sehr vielfältig. Es gibt leckere Burger im Restaurant „Die Kuh, die lacht“ mit frittierter Yuca als Vorspeise. Letzteres ist Maniok in der Sprache der Kariben und hat glücklicherweise nichts mit der Yucca zu tun, die nicht so bekömmlich für Menschen ist.

Es gibt für uns Jalferezi mit Lamm bzw. Huhn, Papadams, Lassi und Masala Chai im „Indian Chilli“.

Und „Im Herzen Afrikas“ auf niedrigen Sitzmöbeln und Sand auf dem Boden essen wir mit den Fingern: Bamja (Okra mit Rindfleisch auf sudanesische Art) und eine vegetarische Platte mit Ful (geschmorte Bohnen mit Feta und Zwiebeln), Alicha (gekochte Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Paprika) und Schiro (gemahlene Kichererbsen in pikanter Tomatensoße), alles außerordentlich gewürzt und sehr lecker! Die Brotfladen helfen beim Essen.

Sightseeing auf Chinesisch geht übrigens am Beispiel der Paulskirche so: Der Reisebus hält direkt am gewünschten Ort (Es ist die Rückseite der Kirche.), alle Reiseteilnehmerinnen und -Teilnehmer steigen aus. Da die Kirche schon geschlossen hat, bleibt man dicht am Bus stehen. Die Reiseleiterin hält mit der einen Hand das große bebilderte Informationsschild fest, mit der anderen Hand die Lautsprecherbox. Aus der schallen wahrscheinlich Informationen zum Objekt, vielleicht auch zur ganzen Stadt, das können wir ja nicht verstehen. Verstehen können wir auch nicht, warum sich niemand der Reisenden umschaut und die Paulskirche in der Realität anguckt. Aber wir können erahnen, wie sie es schaffen, ganz Europa in acht Tagen zu besuchen.

Eine andere Gruppe (wahrscheinlich Koreanerinnen) gibt uns unerwartet noch einen Einblick in ihre Kultur:

Frankfurt hat es geschafft, wir werden wiederkommen. Und das nächste Mal fahren wir auch mit dem Ebbelwei-Express!

Die Paulskirche – Wie geht eigentlich Demokratie?

Das wollten unsere Vorväter Mitte des 19. Jahrhunderts gern herausfinden, als 1848 die Wahlen zum ersten gesamtdeutschen Parlament stattfanden. Alle Einzelstaaten wurden aufgerufen, Abgeordnete zu einer konstituierenden Nationalversammlung wählen zu lassen.

Die Paulskirche bot sich als Tagungsort an, da sie den größten und modernsten Saal in Frankfurt besaß. Die Kirche war erst 15 Jahre zuvor als evangelisch-lutherische Hauptkirche der freien Stadt geweiht worden. Die Nationalversammlung, bestehend aus knapp 600 Abgeordneten, die große Mehrzahl akademisch gebildet und im Staatsdienst, erließ in ihrem kurzen Bestehen von gut einem Jahr die erste demokratische Verfassung für Deutschland und auch Reichsgesetze. Jeder deutsche Bürger durfte Anträge und Petitionen direkt einreichen, die nach und nach von der Versammlung abgearbeitet wurden, ca. 8000 schafften sie in dem Jahr. Die Verfassung wurde allerdings nicht von den großen Einzelstaaten Bayern, Hannover und Österreich anerkannt und schon gar nicht vom preußischen König. Damit war die Macht der Bürger sehr schnell wieder vorbei.

1948 wurde die im Krieg komplett zerstörte Paulskirche nach dem Neuaufbau anlässlich der Hundertjahrfeier der Nationalversammlung wieder eingeweiht. Dabei waren Staffelläufer aus Turn- und Sportvereinen aus den Westzonen und dem westlichen Sektor Berlins, die sternförmig nach Frankfurt gelaufen worden waren, um ihrer Hoffnung auf demokratische Freiheit und nationale Eintracht Ausdruck zu verleihen. Die demokratische Vereinsbewegung der Turner war bereits Hundert Jahre zuvor Teil der Revolution gewesen. Seit 1948 dient die Kirche ausschließlich als Ort der Erinnerung an den Beginn der deutschen Demokratie.

Seit 1950 hängt über dem Haupteingang zur Wandelhalle ein Tympanon, dargestellt wird der Erzengel Michael, der Schutzpatron der Deutschen. Das ist er bereits seit dem Jahre 955, seit der Schlacht auf dem Lechfeld, die als Geburtstunde der deutschen Nation gilt. Nichts von wegen ‚deutscher Michel‘. Wer mehr wissen möchte, guckt einfach bei allen Stichwörtern bei Wikipedia nach.

Der Versammlungssaal im Obergeschoss ist geschmückt mit gewebten Bannern der Bundesländer. Hier finden die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels statt, Max Tau war 1950 der erste Preisträger, Margaret Atwood 2017 die bisher letzte.

Im Zuge der letzten großen Renovierung von 1988 bis 1991 wurde ein Wettbewerb zur Ausschmückung des Untergeschosses ausgeschrieben, den Johannes Grützke gewann. Er schuf ein kolossales Wandgemälde (32×3 Meter) mit dem Titel „Der Zug der Volksvertreter zur Paulskirche“. Unter anderem nimmt er auch Bezug darauf, dass so viele Beamte Teil der Nationalversammlung waren. Die unteren Schichten waren unterrepräsentiert, es gab vier Handwerker, drei Bauern, aber keine Arbeiter unter den Volksvertretern. Diese fallen durch ihre farbige Gestaltung auf in dem langen Zug der schwarz gekleideten Herren, die sie entweder nicht beachten oder sich gestört fühlen. Der Schmied verkörpert das Handwerk innerhalb des Themas Volk. Die Mutter und das Kind stehen als Sinnbild der Familie, die im Parlament gar nicht vertreten ist.

An der Außenfassade der Paulskirche sind viele Gedenktafeln angebracht, u.a. zwei zum 50. Jahrestag der Nationalversammlung. Um die Erinnerung daran noch stärker wachzuhalten, sollte zusätzlich ein Einheitsdenkmal errichtet werden.

Auf der Spitze des Obelisken steht Clio, die Muse der Geschichte, die die Worte „Seid einig“ in ihrem Schild trägt. Eines der drei Reliefs, die die Säulenbasis zieren, heißt „Bereit zum Kampfe“, darunter stehen die ersten Zeilen des Schleswig-Holstein-Liedes. Wir wundern uns ein bisschen. Jenes Lied wurde nach dem Schleswiger Sängerfest 1844 sehr schnell populär und auch zum Kampflied für Freiheit und Unabhängigkeit. 1898 gab es die Provinz Schleswig-Holstein erst 32 Jahre innerhalb des Staates Preußen. Das Denkmal soll auch die Erinnerung an die Vorkämpfer der deutschen Freiheit und Einheit wachhalten. Ach, so war das gemeint; nun wundern wir uns nicht mehr.

Basquiat und Rubens – copy&paste als durchgängiges Prinzip in der Kunst

Die ursprüngliche Intention, nach Frankfurt zu fahren, bestand im Besuch der beiden großen Sonderausstellungen in der Schirn (Basqiat – Boom for Real) und im Städel (Rubens – Kraft der Verwandlung).

Auf dem ersten Blick scheint die beiden Künstler nichts zu verbinden, sondern mehr zu trennen, als nur 400 Jahre. Die Rubens-Schau zeigte jedoch nicht die rubensche Fleischfülle in seinen Frauendarstellungen, sondern fokussiert auf die „Kraft der Verwandlung“.

Sie zeigt auf beeindruckende Weise, welche Einflüsse anderer Künstler, seien es Skulpturen, Zeichnungen oder Gemälde, die Rubens auf seinen Reisen gesehen hat, in seinen Werken wieder auftauchen. Er kopiert sie aber nicht einfach, sondern verwandelt sie und baut so etwas völlig neues, immer mit dem erklärten Ziel, die verehrten Altmeister zu übertreffen.

Dafür fertigte er auf seinen Reisen unzählige Zeichnungen von Skulpturen und Gemälden an und erwarb zusätzlich auch noch Zeichnungen anderer Künstler. Aus diesem Schatz schuf er dann zurück in Antwerpen diese unübertroffenen Meisterwerke und erwarb schon zu Lebzeiten ungeheuren Ruhm.

Basquiats Herangehensweise ist gar nicht so unterschiedlich. Er schaut schon als Kind bei vielen Besuchen im Metropolitan Museum of Art in New York genau hin. Später findet er sich mit einem Freund eher in Museen in anregender Diskussion vor Bildern wieder als in der Schule im langweiligen Unterricht vor der Tafel. Sein Ziel war es, als erster farbiger Künstler in die Museen zu kommen, und das geht er planmäßig an. Schon früh nutzt er außer Büchern, Musik und Filme als Inspiration auch die gerade neu aufkommende Technik der Farbkopien, um seine Werke anzufertigen. Mit denen landet er tatsächlich in die großen Museen der Welt, als erster afroamerikanischer Künstler überhaupt und bis jetzt als einer von extrem wenigen. Anderes als Rubens blieben ihm aber nur acht Jahre Schaffenszeit. Viel Ruhm und noch mehr Kokain und Champagner bleiben nicht ohne Konsequenzen, er stirbt 1988 mit 28 Jahren.

Frankfurt, Stadt des Geldes

Die Skyline Frankfurts sieht ein bisschen aus wie wir es aus Amerika kennen. Kein Wunder, dass man auch von Mainhattan spricht. Es lässt sich auch gar nicht vermeiden, dass die Skyscraper sich auf jedes Foto mit einschleichen.

Sehr prominent mitten in der Stadt thront der Tower der Europäischen Zentralbank, sofort erkennbar durch die Skulptur.

An Arbeitstagen sind die Zuwege sehr gut bewacht. Mit dem Auto kommt man nicht so ohne weiteres hinein und hinaus. Die herausfahrbaren Rampen, die man an Wochenenden leicht übersieht, sind ständig hochgeklappt und von Wachpersonal gesichert. Auf dem Foto sind sie an der gelb-schwarzen Markierung zu erkennen.

Ob wohl in den Kellern der Bank echtes Geld aufbewahrt wird? Zumindest liegt es auch hier auf der Straße, wenn auch nur in Form eines 2-Cent-Stückes.

Eine Bahnfahrt die ist lustig; eine Bahnfahrt, die Bahnfahrt, die macht froh …

Wir wollen nach Frankfurt/ Main und nehmen zur Flugabwechslung mal die Deutsche Bahn. Man muss den eigenen ökologischen Fußabdruck ja nicht noch mehr vergrößern.

Unser schönes nördlichstes Bundesland ist ja ein klein wenig abgeschnitten von der großen Verkehrswelt. Daher geht es zuerst mit dem Regionalexpress nach Hamburg, um von dort einen ICE zu nehmen. Das Vorhaben lässt sich gut an, der Zug fährt pünktlich ab, das Abteil der ersten Klasse ist leise, die Aussicht über die blühenden Rapsfelder wunderbar, weil wir im Doppelstockwagen oben sitzen.

Da bereits kurz vor Hamburg deutlich wird, dass wir mit wenigen Minuten Verspätung im Hauptbahnhof einlaufen werden, beschließen wir, den RegionalExpress bereits in Hamburg-Dammtor zu verlassen. Hier können wir vom selben Bahnsteig einsteigen, im Hauptbahnhof hätten wir einige Gleise überbrücken müssen, sehr ambitioniert angesichts des Zeitplans. Also raus aus dem komfortablen Zug hinein auf den sehr zugigen Bahnhof. Wir kommen im Abschnitt A an und fahren unsere Koffer bis zum Abschnitt E-F spazieren, da dort die Wagen der ersten Klasse halten sollen. Auf dem Weg dorthin erfahren wir, dass der ICE 15 Minuten Verspätung haben wird, wir müssen also noch ein bisschen weiter frieren. Mit der Verspätung hätten wir auch bis zum Hauptbahnhof durchfahren können.

Als nächstes kommt die Ansage, dass der ICE gar nicht über Dammtor fahren wird, sondern erst am Hauptbahnhof eingesetzt wird! Na toll, wir hätten wirklich gleich durchfahren sollen! Wir entern den nächst besten IC, der hält. Das gibt uns auch die Chance, während der kurzen Fahrt noch schnell die Toilette zu besuchen. Am Hauptbahnhof an Gleis 11 angekommen, fragen wir den Zugbegleiter, von wo der ICE abfährt. „Gleich von gegenüber!“ heißt es, stimmt aber leider nicht. Der ICE fährt von Gleis 14 ab. Also zur Rolltreppe, hochfahren, sich in den Menschenstrom einfädeln, nächste Rolltreppe wieder runter. Der Wagenstandsanzeiger gibt Auskunft, wo sich die Wagen der ersten Klasse befinden: in den Abschnitten A-B, wir befinden uns im Abschnitt D. Unsere Rollkoffer folgen uns brav auf dem Fuße. Kaum im Zielabschnitt angekommen, inzwischen wird eine Verspätung von 20 Minuten angezeigt, kommt die Durchsage, dass sich durch die Verspätung die Wagenreihenfolge komplett ändert. Unsere ersehnten Wagen werden in den Abschnitten E-F halten! Inzwischen kennen die Koffer den Weg und übernehmen die Führung durch die sich langsam aufbauenden Menschenmassen, wir haben bereits 30 Minuten Verspätung.

Mit uns warten inzwischen viele Menschen. Etliche überlegen, in den nächsten IC zu steigen, der auch in Frankfurt halten wird, damit sie überhaupt weg kommen. Manche tun es wohl auch. Andere versuchen, ihrer DB Navigator App nützliche Informationen zu entlocken, da es keinerlei Durchsagen gibt. Die elektronische Anzeigetafel verwirrt mehr als sie informiert, denn zwischenzeitlich verschwindet unser ICE ganz von der Anzeige, was zu einer kleinen Panik bei allen führt – und zu ersten Verschwörungstheorien und Wahnvorstellungen (der Zug fällt ganz aus, ich komm hier nie wieder weg!!!). Wir halten aber geduldig aus, die App spricht von 40 Minuten Verspätung, die Anzeigetafel sagt lieber gar nichts mehr dazu.

Plötzlich erschallt eine ungewöhnlich laute Durchsage – leider, leider wird der Zug von Gleis 11 abfahren! Ein kollektiver Aufschrei entlädt sich über Gleis 14, verbunden mit panikartigem Ansturm auf alle zur Verfügung stehenden Treppen, Rolltreppen, Fahrstühle. Angekommen auf Gleis 11 überkommt uns ein kleines Deja Vu, denn genau dort sind wir doch vorhin angekommen! Egal, Hauptsache, der ICE kommt bald mal. Immerhin taucht er wieder auf der Anzeigetafel auf, mehr passiert aber trotzdem erst einmal nicht. Als er dann wirklich einläuft, sind sich nicht alle Mitreisenden sicher, ob sie nun wirklich in diesen Zug einsteigen sollen.

Wir tun das, suchen uns einen nicht reservierten Platz im Abteil und schauen uns die nächste Stufe des Chaos im Sitzen an: Es wurde ein komplett anderes Zugmodell eingesetzt, da der ursprüngliche Zug anscheinend kaputt gegangen ist. Man fragt sich, wie das so plötzlich auf der kurzen Strecke zwischen Hamburg-Altona und Hamburg-Dammtor, wo er ja nie angekommen ist, geschehen konnte. Jedenfalls stimmen die Sitzplatzreservierungen (wir haben keine) nicht mit der veränderten Wirklichkeit überein. Die überwiegend älteren Menschen sind sehr verwirrt, suchen trotz besseren Wissens ‚ihren‘ Platz, damit alles seine Ordnung hat, hilft aber nicht. Zur Abfahrt des Zuges sitzt jeder irgendwo und wir haben 45 Minuten Verspätung!

Die bringen natürlich jeden Fahrplan durcheinander. Wir kommen bis nach Hannover, dort muss unser Zug erst einmal außerhalb des Bahnhofs warten, da das Einfahrtgleis noch von einem anderen Zug belegt ist. Inzwischen ist nur noch ein leises Aufstöhnen der Mitfahrer zu hören. Die Zugestiegenen diskutieren, ob sie wohl den richtigen Zug bestiegen haben, denn genau eine Stunde nach uns fährt der nächste ICE in dieselbe Richtung. Wir haben inzwischen 59 Minuten Verspätung, und es fehlen 200 Sitzplätze, da wir ja nicht in dem ursprünglich geplanten Zugmodell sitzen. Man fragt sich, wie die Bahn die nicht ganz billigen Fahrpreise gerechtfertigt.

Immerhin funktioniert das Wifi-Netz sehr gut, zumindest in der ersten Klasse. Ab Göttingen wird nicht mehr viel über das Chaos gesprochen; es gibt nur sehr wenige, die denken, dass sie im Zug nach Zürich sitzen und früher ankommen. Doch der nachfolgende ICE hat natürlich auch Verspätung, da wir ja immer auf den Haltestellen das Gleis blockieren. Kurz vor Frankfurt kommt dann doch noch eine Bahnmitarbeiterin und verteilt Gummibärchen. Die nehmen wir noch mit und steigen dann am Frankfurter Hauptbahnhof aus.

Unser Hotel liegt direkt gegenüber des Nordausgangs, wie praktisch. Das Fleming‘s war mal das InterCity Hotel, nun aber lifestylish aufgeprömmelt:

Zum Zimmer gehört auch noch ein ÖPNV-Ticket für die Dauer unseres Aufenthalts. Dann kann es ja losgehen mit der Erkundung!

Pizze, Pasta, Pomodori

Italienisches Essen ist lecker. Italienisches Essen in Italien ist leckerer.

Wir probieren einige Restaurants aus, von einer Enoteca

über eine traditionelle Pizzeria

bis hin zu einem klassischen Restaurant.

Das Essen ist überall klasse, alles andere variiert. Die Enoteca besticht durch ihr umfassendes Weinangebot und das Ambiente; die Pizzeria durch ihre sehr günstigen Preise und die Lautstärke, das Restaurant punktet mit dem super Service, dem tollen Preis-Leistungsverhältnis und dem Ambiente.

Während wir in Deutschland es gewohnt sind, vielleicht eine Vorspeise, auf jeden Fall ein Hauptgericht mit allen Beilagen oder einem Salat zu essen und vielleicht auch noch ein Dessert zu bestellen, gestaltet sich das in Italien etwas anders. Die Speisekarte ist unterteilt in Vorspeisen, also Antipasti, Salate, Bruschetta, o.ä., dann folgt ein erster Hauptgang, vielleicht Pizza oder Pasta oder ein Risotto. Anschließend kommt das zweite Hauptgericht, Fleisch oder Fisch, und auf dem Teller liegt dann genau das und nur das! Beilagen wie Kartoffeln und/oder Gemüse werden immer extra bestellt. Und dann folgt natürlich noch Dulce, etwas süßes zum Dessert, Tiramisu, Pannacotta oder auch Eis. Ein Caffe, d.h. Espresso passt immer noch obendrauf.

Weicht man von dieser Reihenfolge ab, weil man die Mengen gar nicht bewältigen kann, muss man genau sagen, was wann auf den Tisch kommen soll. Zu zweit ist das noch problemlos. Wenn man in einer größeren Gruppe unterwegs ist, kann es sein, dass die gewählte Beilage als Vorspeise gereicht wird, oder dass diejenigen, die nur etwas aus dem Secondo Piatti gewählt haben, sehr lange auf ihr Essen warten müssen. Die einheimischen Gruppen lösen das wie folgt: alle essen und trinken das gleiche und einer zahlt für alle.

Natürlich essen wir die Klassiker der italienischen Küche, aber ein bisschen anders darf es doch gern sein, wenn man schon mal im Mutterland ist.

Pizza zum Beispiel: belegt mit Zucchiniblüten und Anchovis oder aber mit Ruccola und rohem Schinken. Bei beiden fehlt glücklicherweise die bei uns übliche Grundlage aus Tomatensoße. Auch der Gouda zum Überbacken fehlt, ohne dass wir ihn vermissen!! Pecorino ist viel besser.

Pasta zum Beispiel: Tonnarelli cacio e pepe con carciofi, das sind Nudeln mit Pecorino, Pfeffer und Artichoken.

Und dann gibt es ja auch noch so leckere Dinge wie Scaloppine, kleine Schnitzel oder Salate, hier ein Insalata di Mare mit superfrischen Tintenfischen und Muscheln.

Egal, wo wir gegessen haben, hinterher sind wir immer satt und sehr zufrieden.

Rom by day and night

So einige Sehenswürdigkeiten mehr kann man schon noch vertragen.

Eine kurzweilige Fahrt mit der Straßenbahn bringt uns in Richtung Vatikan. Auf den Schienen fahren Waggons der unterschiedlichsten Altersklassen, wir erwischen eine Bahn, die auch schon in der DDR hätte fahren können, rasselnd und klappernd gehen die Türen auf und als erstes muss man vier Stufen erklimmen und sich schnell auf einen Sitz fallen lassen, bevor es rasselnd und klappernd weiter geht.

Auf dem Petersplatz ist gar nicht so viel los, allerdings schlängeln sich die potentiellen Besucher des Doms am Außenrand herum. Da wir die prognostizierten anderthalb Stunden nicht warten wollen (es muss ja auch noch was für den nächsten Rom-Besuch übrig bleiben), machen wir Fotos auf dem Petersplatz. Außer den Gebäuden ist definitiv eine Wallfahrtsgruppe in voller Tracht aus Bayern fotogen.

Das aus weißem Marmor erbaute Nationaldenkmal Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II ehrt den ersten König des neugegründeten Königreichs Italien. Der verwendete schneeweiße Mamor hebt sich sehr von der eher erdfarbenen Umgebung ab, dass der Volksmund das Gebäude auch gern mal als Hochzeitstorte oder Schreibmaschine bezeichnet. Allerdings kann man an der Mamorfassade auch den Luftverschmutzungsgrad ablesen.

Berninis Elefant steht als Teil des Obelisks der Minerva seit 1677 auf der Piazza della Minerva. Zwölf Jahre zuvor wurde in einem Garten ein vergrabener ägyptischer Obelisk gefunden, für den der Bildhauer und Architekt Bernini einen Sockel bauen sollte. Bernini war schon lange zuvor von Elefanten fasziniert gewesen, wahrscheinlich hatte er 1630 einen echten Elefanten in Rom gesehen und von dem bereits viele Studien angefertigt.

Berninis Werk inspirierte wiederum den Dänen Carl Jacobsen zum Entwurf des Elefantentores am Hauptgebäude der Carlsberg Brauerei in Kopenhagen, da waren wir auch schon mal.

Das Pantheon ist ein ehemaliger römischer Tempel, inzwischen natürlich eine Kirche, in der u.a. zwei italienische Könige begraben sind. Das Gebäude ist kreisrund mit einem säulengestützten Eingang, eines der best erhaltenen antiken Gebäude in Rom, da es über die Jahrhunderte hinweg immer in Gebrauch war.

Im MAXXI haben wir in der Architekturausstellung gelernt, dass der jetzige Termini Hauptbahnhof auch ein Meisterwerk seiner Zeit ist. Also sehen wir uns den noch einmal genauer an. Das Hauptgebäude ist 1948 bis 1951 komplett im Stil des ‚Neuen Bauens‘ errichtet worden, 128 Meter lang und 32 Meter breit. Links am Haupteingang kann man man die Überreste der Servianischen Stadtmauer aus dem 4. Jahrhundert vor Christus zu sehen (es geht in Rom offensichtlich immer noch älter). Die Verkleidung aus Aluminium glänzt seit der umfassenden Renovierung des Bahnhofs Jahr 2000 anlässlich des Heiligen Jahres wieder sehr schön. Im Inneren ist die geschwungene Decke aus Stahlbeton ein Hingucker.

Zu Weihnachten 2006 ist der Bahnhof Johannes Paul II. gewidmet worden, eine Plastik schmückt den Vorplatz.

Einen ganz besonderen Zauber entfaltet diese alte Stadt in der Dämmerung und nachts, wenn die grandiosen Gebäude angestrahlt werden, entweder vom weichen Licht der Abendsonne oder vom den Strahlern.

Aber auch die Vögel werden von dem Licht erfasst und erzeugen eine magische Atmosphäre.

Ein Stadtrundgang macht abends besonders Spaß, wenn es nicht kälter als 20 Grad wird.

Bei diesem Wetter ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Plätze umso mehr füllen, je länger die Nacht voran schreitet. Es ist laut und bunt, die Getränke werden aus den umliegenden Bars geholt, Mehrweg ist hier unbekannt.

Etliche Eisdielen haben bis nach Mitternacht geöffnet. Hier genießen wir Ingwer-Kastanienhonig-Zitrone und Basilikum-Walnuss-Honig (rechts) bzw. Blueberry-Cheesecake und Schoko-Minze (links).

Villa d‘Este, Tivoli

Die Römer, zumindest die, die es sich leisten konnten, fuhren an heißen Tagen gern in die nahegelegenen Albanischen Berge östlich der Stadt. Dort war die Luft einfach besser. Das machen wir auch, in Ermangelung einer eigenen Sommerfrische-Villa wollen wir die Villa d‘Este in Tivoli besuchen.

Dafür geht es mit der blauen Metro Richtung Rebbibia (Linie B, die andere ist rot markiert) bis zur letzten Haltestelle vor der Endstation namens Ponte Mammolo. Noch gilt der Rom-Pass. Im Kiosk am Ausgang gibt es dann die Bustickets nach Tivoli, 2,20€ pro Fahrt; sehr günstig, denn anschließend fahren wir ca. eine Stunde durch ziemlich heruntergekommene Vororte, dann anschließend serpentinenartig langsam den Berg hinauf (wir sitzen in einem Doppeldecker oben – gute Aussicht), bis wir in Tivoli ankommen.

Wir können vom Bus auch gut die Steinbrüche sehen, in denen der Travertin abgebaut wird.

Ein kurzer, gut ausgeschilderter Fußweg führt uns in Tivoli zur Villa. Der Palast mit den dazugehörigen Gärten ist seit 2001 ein UNESCO-Weltkulturerbe, da der Palast eines der herausragendsten Bespiele für die Renaissancekultur darstellt. Die Gestaltung der Gärten hatte zudem einen massiven Einfluss auf die Gartenarchitektur in Europa.

Die Bauarbeiten begannen Mitte des 16.Jahrhunderts und dauerten, mit Unterbrechungen, ein ganzes Jahrhundert. Neben vielen anderen Titeln wurde Kardinal Ippolito II. d‘Este 1550 auch Statthalter von Tivoli. Eigentlich wollte er immer Papst werden, aber das klappte nicht, obwohl er auf mehreren Konklaven der Kandidat der Franzosen war. Vielleicht auch deshalb ließ er dann auf einem ehemaligen Benediktinerkloster eine sehr standesgemäße Villa erbauen, die Wände und Decken der Räume mit Fresken der bedeutendsten Maler der Zeit gestalten und einen wunderbaren Garten anlegen. Dafür wurden dann auch ein großer Anteil des Ortes geräumt und planiert.

Die Entwurfszeichnungen für Gärten und Brunnen wurden ebenfalls als Fresken festgehalten. Zudem ist in jedem Raum, und davon gibt es viele im Palast, mindestens sein Wappen, umrahmt von Putten, in den Wandecken verewigt; einem Zimmer auch die Insignien eines Papstes, um seine Ambitionen zu betonen.

Durch die Villa hindurch geht es in die Gärten, die sich von der unteren Etage des Hauses einen recht steilen Hang herab erstrecken.

Die mehr als 500 Brunnen, Wasserspiele und Grotten kühlen die Luft auf‘s Angenehmste, die hohen Bäume und Lorbeerhecken spenden Schatten. Die Hanglage des Grundstücks sorgt ganz ohne elektrische Pumpen (die gab es ja damals noch gar nicht) dafür, dass überall Wasser sprudelt und Fontänen die die Luft spritzen.

An einer der Querachsen mit den Fischteichen liegt links eine Aussichtsplattform, die einen wunderbaren Blick in das Tal bietet. Rechts wird die Achse von zwei übereinander gestaffelten Brunnenanlagen begrenzt, vom Neptunbrunnen und vom Orgelbrunnen, einer Wasserorgel, die vom Wasser „bespielt“ wird.

Auf dem Weg zurück erwischt uns, glücklicherweise bereits im Bus sitzend, das schon lange angekündigte Gewitter in Form eines gewaltigen Wolkengusses. Blitzartig stehen die Straßen unter Wasser. Wir fahren bergab, einige Fahrgäste werden nass, da es trotz geschlossener Scheiben hineinregnet, bzw. der Regen durch die Verkleidung hinein drückt. Die entgegenkommenden Autos fahren durch reißende Bäche, einige Wagen schaffen das nicht und bleiben im Wasser stecken, was zu einem veritablen Stau führt.

Zurück an der U-Bahnhaltestelle spuckt der Automat ein Ticket zu 1,50€ aus, der fast leere Zug bringt uns in einer Viertelstunde zurück und im Innenstadtgebiet Roms scheint wunderbar die Sonne.

MAXXI – maximale Architektur trifft Kunst

Es geht in den Stadtteil Flaminio ins Kunstmuseum. Man könnte auch sagen, wir wollen uns ein sehr gelungenes Konversionsprojekt anschauen. Das knapp 30.000 Quadratmeter große ehemalige Kasernengelände Montello ging zur Jahrtausendwende in die Hände des Kulturminsteriums über, das dort ein spektakuläres Gebäude der leider viel zu früh verstorbenen Architektin Zaha Hadid erbauen ließ. Zehn Jahre Bauzeit vergingen, ebenso sechs Regierungen, die immer wieder aufs Neue von den Ausgaben überzeugt werden mussten. Aber schließlich wurde es 2010 eröffnet, nachdem 150 Millionen Euro ausgegeben waren, das Dreifache der ursprünglich geplanten Bausumme.

Das Nationalmuseum, MAXXI genannt (Museo Nazionale delle Arti del XXI Secolo), zeigt zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts, aber liegt gar nicht in Laufweite des alten Innenstadtkerns, dafür haben wir ja den Roma-Pass. Vom Bahnhof Termini nimmt man die U-Bahn A Richtung Norden, steigt an der Piazza del Popolo um in die Straßenbahn Nr.2 bis zur Haltestelle Apollodoro. Ab da ist es ein kurzer Fußweg zum Museum, das sich als erstes mit einem weiten einladenden Vorplatz präsentiert. Das Gebäude integriert sich in das Stadtbild, wirkt nicht abgeschlossen, sondern wirkt durchlässig, die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Raum verschwimmen. Der hellgraue Sichtbeton scheint horizontal über dem alten, vertikal ausgerichteten Quartier zu schweben. Dieser Eindruck verstärkt sich noch im Inneren.

Die fünf Galerien erstrecken sich über drei Etagen, fließen aber ineinander über, so dass man stets neue Ein- und Ausblicke erhält. Wir fahren mit dem Fahrstuhl ganz nach oben und lassen uns dann von diesem genial entworfenen Gebäude gemächlich nach unten ziehen bzw. fließen in ihm in die Kunst und Architektur hinab. Hohe schräge Wände in glattem, hellen Sichtbeton formen geschwungene Bereiche, frei schwebende schwarze Stege und offene Treppen, die auch zu schweben scheinen, durchqueren das gesamte Gebäude. Ab und zu lassen große verglaste Fassaden Blicke hinaus auf den Vorplatz.

Jetzt im Frühjahr zeigt das MAXXI u.a. einen Schwerpunkt auf Werke, die sich mit Beirut in allen Facetten auseinandersetzen. Dafür wurden mobile Wände eingezogen, die die Luftigkeit des Innenraums etwas beschränken. Wir erhalten vielfältige und interessante Einblicke in die Verarbeitung der Folgen des Bürgerkriegs mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln, manches verstörend, manches gut nachvollziehbar, immer alles vielschichtig.

Eine verdiente Pause gibt es im Museumscafé mit integriertem Shop, das in einer der alten Militärbaracken, die in das Gebäude integriert wurden, untergebracht ist, architektonisch ebenfalls genial gelöst. Strahlend weiße Decken und Wände mit kreisförmigen Schallschluckern, die Möblierung nimmt die reduzierte Farbigkeit der Ausstellungsräume auf: hellgrau, weiß und schwarz. Es gibt die Möglichkeit, die elektronischen Geräte aufzuladen, beim sehr guten Caffe Americano (1€) zu bloggen oder sich einfach zu entspannen.

Kirchen und Kolosseum

Ein Spaziergang Richtung Altstadtquartier Monti führt uns in einige schöne Kirchen, u.a. in die Santa Maria Maggiore. Sie ist die größte Marienkirche zusätzlich mit dem höchsten Glockenturm in ganz Rom.

Sie ist eine der 7 Gründungskirchen der urchristlichen Gemeinden und eine der Kirchen, in die der Papst zu jeder Zeit kommen und unangekündigten predigen kann. Im vierten Jahrhundert erbaut, das kann man zwar nicht von außen erkennen, aber von innen ist die Basilikaform noch gut zu erkennen, die jetzt innen stehenden Säulen bildeten damals die Aussenmauer.

Innen haben sich Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert erhalten. Die mit Mosaiken reich geschmückte Apsis stammt aus dem beginnenden 13. Jahrhundert. Die Kassettendecke wurde mit dem Gold der Konquistadoren vergoldet, irgendwo mussten die erbeuteten Reichtümer ja hin, zur Ehre Gottes ist dann immer eine gute Idee gewesen. Die Beichte kann auch während des Besuchs abgelegt werden, in verschiedenen Sprachen, das Licht zeigt heutzutage an, ob der Beichtstuhl besetzt ist oder nicht. Wenn der Priester in der geöffneten Tür zu sehen ist, kann man seitlich eintreten.

Es ist eine wirklich sehr prächtige Kirche und eine Besichtigung wert, auch wenn wir in der Sonne anstehen mussten, um unsere Taschen durch einen Sicherheitsscanner zu schieben.

Wir besichtigen natürlich das Kolosseum, eines der Wahrzeichen Roms. Erbaut als Ort für eher grausige Veranstaltungen bei freiem Eintritt, ist es heute eine Ruine, die sich gut bezahlen lässt. Die Tickets sollten lieber im Vorwege gebucht werden, um die langen Warteschlangen vor dem Eingang zu umgehen.

Wir haben schon zuhause online einen Rom-Pass gekauft. Der hat den Vorteil, dass dort gleichzeitig die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel enthalten ist. Man bucht den Pass, wahlweise für 48 oder für 72 Stunden gültig, und holt sich dann bei Ankunft in Rom die Karte an einem der zahlreichen Touristinfos ab. Mit dem Pass kann man dann alle Warteschlangen umgehen, ein schönes Gefühl!

Das Kolosseum ist, obwohl schon fast 2000 Jahre alt, immer noch das größte je gebaute Amphitheater der Welt. Begonnen im Jahr 72, wurde die Arena acht Jahre später mit einer hunderttägigen Feier eingeweiht.

Zu Trajan Siegesfeier über die Dakia wurden 10.000 wildeTiere (Tiger, Löwen, Rhinos, Elefanten, Flusspferde) und 11.000 Gladiatoren eingesetzt. So ein typischer Tag begann am Morgen mit der Vorstellung aller menschlichen und tierischen Teilnehmer. Anschließend wurden die wilden Tiere gejagt, gern in Kulissen, die ihr natürliches Habitat nachahmten. In der Mittagspause wurden die nackten und unbewaffneten Verurteilten von den wilden Tieren in Stücke gerissen (so haben wir das Wort Mittagspause bisher nicht interpretiert), während der anderen Pausen traten Jongleure, Akrobaten und Zauberer auf. Gern wurden auch antike Mythen nachgespielt. Am Nachmittag traten dann die Gladiatoren gegeneinander an. Christliche Märtyrer starben hier, entgegen aller verbreiteten Theorien, nicht.

Seit 1999 dient das Kolosseum, eine schöne Wendung der Geschichte, als Monument gegen die Todesstrafe. Immer wenn ein Todesurteil ausgesetzt wird oder ein Staat dieser Welt die Todesstrafe abschafft, wird das Kolosseum 48 Stunden lang in bunten Farben angestrahlt.

Eine Pause darf natürlich zwischendurch nicht fehlen:

Auf dem Rückweg liegt dann noch die Kirche San Clemente, eher unauffällig von außen, dafür ist im Innenraum das sehr, sehr alte Mamorinterieur erhalten (Fotos machen ist leider verboten). Die Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist dem befreiten Sklaven Clemente geweiht, der unter Diokletians Regime den Märtyrertod starb. Im 19. Jahrhundert begannen unter der Kirche Ausgrabungen, die man besichtigen kann. Unter der Kirche ist die bereits im 4. Jahrhundert erste Basilka gefunden worden, später noch darunter ein Gebäude aus den 1. Jahrhundert. Das ist ein faszinierender Gedanke, dass man eine Marktanlage oder eine Produktionsstätte sehen kann, zwei Stockwerke unter der Kirche, die damals auf dem gleichen Level wie das Kolosseum und in Sichtweite stand. Wieviel Schutt der Zeit sich im Laufe der Jahrhunderte anhäuft und das Straßenniveau ständig ansteigen lässt.