Ab in die Berge

Eine halbe Autostunde entfernt vom Flughafen besuchen wir eine Freundin in Benajarafe, direkt am Strand der Costa del Sol. Und, sagen wir es mal so, ein Tiefdruckgebiet hier ist deutlich wärmer und freundlicher als bei uns im Norden Deutschlands. Nach einem ersten Orientierungsspaziergang durch Olivenhaine und über grüne Hügelchen und einer Siesta geht es auf eine kleine Rundtour durch die Berge.

Wir starten in Frigiliana, einem außerordentlich hübschen Bergdorf mit schmalen Gassen nur für Fußgänger in der Altstadt. Das Auto wird man auf einem der vielen Parkplätze gut los. Dann geht es treppenweise immer höher hinaus, bis wir schließlich an einem Aussichtspunkt landen. Da noch nicht einmal Nebensaison ist, ist das Café leider noch geschlossen. Also noch ein Stückchen weiter, schon wieder bergab, bis zu einem Restaurant, dessen   Küche zwar geschlossen hatte, das aber Getränke auf der Terrasse mit einer wunderbaren Aussicht über den Ort bis nach Nerja und das Mittelmeer serviert.

Anschließend geht es weiter in die Berge, immer am Rande des Nationalparks der Sierras von Tejeda, Almijara und Almara entlang. Dieser westliche Teil, auch bekannt unter dem Namen Axarquía, besticht durch viele kleine Dörfer inmitten von terrassenförmig angelegten Obst- und Gemüsegärten (jetzt gerade blühen die Avocadobäume). Eines wollen wir genauer erkunden. So fahren wir nach Cómpeta hinein. Irgendwo gibt es einen schönen Vorplatz an der örtlichen Kirche, also hinein in die schmalen Gassen. Leider fahren wir ohne Navi und biegen eher auf Verdacht ab. So landen wir schließlich an einer Mauer, von der im 90-Grad-Winkel eine Gasse und eine Treppe abbiegen, beide weniger als zwei Meter breit.

Links hinter der gefliesten Wand liegen sowohl Gasse als auch Treppe. Noch steht das Auto nicht parallel zur weißen Wand, aber gleich! Und danach das ganze wieder retour!!

Unser Seat Mii ist nur 1,65 m breit, eine Passantin bestätigt, dass die Gasse schmal ist aber ‚posible’ ist. Aber trotz vielem Hin und Her würden wir nicht ohne Lackschaden an der metallverstärkten Hauskante vorbei kommen. Also rückwärts am Berg um fast 90 Grad zurückgestoppt und in die nächste Gasse hinein. Die endet in einer doppelten Haarnadelkurve, die gefühlt fast senkrecht in die Tiefe geht, natürlich auch wieder extrem schmal. Da stecken wir nun: hinunter trauen wir uns nicht, zurück gegen den Berg machen Kupplung, Auto und Fahrerin nicht mehr mit, die Handbremse ist kurz vor dem Versagen.

Glücklicherweise kommt ein deutsches Ehepaar, das seine Hunde ausgeführt hat, Bewohner des Dorfes, des Weges, versteht unsere Not und der Mann bietet uns an, den Wagen hinunter und auf die Hauptstraße zu fahren, während seine Frau uns dorthin zu Fuß führt. Das Angebot nehmen wir gern und erleichtert an und kurze Zeit später ist das Leben wieder unser Freund!

… und schwupp, weg ist es, aber ohne uns!

Auf diesen Schreck hin verzichten wir auf Kirchen- und Vorplatzbesichtigung und verlassen Cómpeta zügig wieder.

Cómpeta: der braune Kirchturm ist gut zu erkennen. Nicht weit davon steckten wir fest.

Wir fahren weiter nach Algarrobo zum Essen in einem kleinen familiengeführtem Restaurant, die „Bar Cano Benito“, sehr zu empfehlen. Mutti kocht, Sohnemann macht die Bar, die Tochter den Service und Papa kümmert sich um die Gäste. Es gibt lecker Fisch: frittierte und gegrillte Rosada, frittierten Kabeljau, dazu Tomaten-Zwiebel-Avocado-Salat und Pommes, und das alles für sehr wenig Euros. Zum Nachtisch gibt es das Champions League Spiel Real Madrid gegen Juventus Turin, zusammen mit spanischen Zuschauern. Als die Italiener zur Halbzeit führen, fahren wir müde und erschöpft, aber satt und glücklich nach Hause.

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