Enjoy your seaside day in St. Ives!

And we did!! Ein perfekter Strandtag entpuppte sich aus 14 Grad und tiefhängenden Nieselwolken am Morgen, wer hätte das gedacht. Pullover und Fleecejacke hingen bald am Arm und landeten später im Rucksack. Nachmittags war Niedrigwasser und fast alle Urlauber waren am Strand oder im Wasser. Martina war zumindest mit den Füßen drin und weiß jetzt, warum ein Neoprenanzug nicht die schlechteste Idee für ein ausgiebiges Badevergnügen ist. Das Atlantikwasser war a….kalt! 


Der Tidenhub ist hier so gewaltig, dass wir quer durch das Hafenbecken, von einem Pier zum anderen auf dem Meeresboden gehen konnten. Faszinierend, denn vor zwei Tagen lagen die Fischerboote direkt unterhalb der Pier. Sogar der Seehund bekam seinen Teil vom Fang ab.


Barfuss zur Promenade und Cornish pasties für den Mittagsimbiss holen, diesen dann an der Pier in der prallen Sonne sitzend zu verzehren, so fühlt sich Sommerurlaub am Meer an. Der Verdauungsspaziergang führte uns auf einem schmalen Pfad zu einer kleinen Kapelle hoch, wo wir wieder einmal eine Hochzeitsgesellschaft beobachten konnten. 



Anschließend ging’s wieder hinab in das Gewimmel von kleinen Gassen, bis wir einen niedlichen Tea Room fanden, der uns noch kurz vor Ladenschluss um 17 Uhr Cream Tea servierte.

Kunst in St. Ives, Cornwall

Wir sind hauptsächlich auf die Idee gekommen, Cornwall zu besuchen, weil wir gern das ehemalige Atelier von Barbara Hepworth mit ihren Skulpturen im Garten im Original ansehen wollten, nachdem wir in der Tate Modern vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm darüber gesehen hatten. „Die Tate“ unterhält insgesamt vier Museen, in London die Tate Britain und die Tate Modern (das ist die, in der wir oft sind), im Norden die Tate Liverpool (dort waren wir vor zwei Jahren) und im Westen die Tate St. Ives. Nun haben wir alle zusammmen,Tate St. Ives liegt direkt am Meer in einem sehr eindrucksvollen Gebäude. Leider hat man diesen Eindruck nur von nahem und von innen. Vom Strand aus betrachtet wird es von den umliegenden Appartementgebäuden, Surfschulen und Restaurants unschön eingerahmt. Die strahlend weiße Farbe des Gebäudes hat sich inzwischen durch das rauhe Meeresklima in grau verwandelt (auf der Internetseite, s.u. kann man in früherem Zustand und bei Sonnenschein bewundern). Und gebaut wird auch, im Oktober wird der Erweiterungsbau eröffnet.

Aber im Museum erwartete uns eine Entdeckung. Es wurden zwei Ausstellung gezeigt. Die Keramikausstellung, die auf bestimmte Studios fokussierte, bestand aus mehr als nur Tontöpfen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts (für uns eher langweilig). Interessant waren die frei, ohne Scheibe, getöpferten Objekte aus Kalifornien aus den 1950er bis 1980er-Jahren und die britischen Objekte aus der Troy Town Art Pottery in London, entstanden zwischen 1960 und heute. Witzige, ironische Skulpturen, die wir gern länger anschauten. Fotografieren war verboten, wer einen Eindruck bekommen möchte, klicke hier: Artists and the Ceramics Studio, 1920-today. Die andere Hälfte der Ausstellungsräume war Jessica Warboys gewidmet, die bereits vor fünf Jahren auf der Documenta 13 zu sehen war. Dort haben wir sie allerdings in der überbordenden Vielfalt von Eindrücken nicht wahrgenommen. Grandios waren ihre Sea Paintings, die sie direkt am Strand ‚malt’, riesige Leinwände, die mit Farbpigmenten bestreut dem Meer zur weiteren Ausgestaltung überlassen werden. Für die Ausstellungen collagiert sie aus den Leinwänden raumgreifende Bilder, die hier akustisch untermalt wurden von Morten Norbye Halverson. Drei ihrer Filme wurden ebenfalls gezeigt, dazu die Gegenstände, die in den Filmen auftauchen. Eine ganz spannende Entdeckung für uns.
Das Barbara Hepworth Museum mit dem Skulpturengarten wird ebenfalls von der Tate unterhalten und liegt nur ein paar Schritte über den Hügel, am Friedhof vorbei, hinter einer sehr hohen Mauer, aber Dank der Wegweiser gut zu finden. Die Künstlerin zog 1939 mit ihrer Familie nach Cornwall, um den Auswirkungen des Krieges in London zu entgehen. Zehn Jahre später fand sie auf der Suche nach einem Atelier dieses Anwesen inklusive Garten als showroom für ihre Werke, wenn potentielle Auftraggeber sehen wollte, wie sie arbeitet. Sie blieb dort auch wohnen, als sie schon sehr erfolgreich war. Unten Küche und Esszimmer, oben ein großer Atelierraum für Holzarbeiten, in dem sie auch wohnte und schlief, nebenan zwei kleine Ateliers für Stein- bzw. Gipsarbeiten. Und dann das eigentliche Schmuckstück, der Garten, den sie so anlegte, dass ihre Skulpturen bestens zur Geltung kamen. Seht selbst:

Wir haben uns auch noch diverse Galerien mit zeitgenössischer Kunst angesehen, denn St. Ives zieht immer noch Künstler in Scharen an. Es war einiges an schönen Werken dabei, aber unser Portmonnaie war zu leer und unser Kofferraum schon zu voll.

St. Ives, Cornwall

Wir haben inzwischen die Küste gewechselt und sind am nordwestlichen Ende Cornwalls angekommen, in St. Ives, benannt nach der Heiligen Ia aus dem 13. Jahrhundert, die der Legende nach das Meer von Irland aus nach Cornwall auf einem Blatt überquerte, weil sie das Boot verpasst hatte, um dann auch noch vor ihm anzukommen. Wie gut, dass wir heutzutage Schiffe für solche Aktionen haben. Aber so wird natürlich auch kein Ort nach uns benannt, geschweige denn eine Kirche geweiht.Seitdem die Eisenbahn im 19. Jahrhundert hierher gebaut wurde, erfreut sich St. Ives, oder auch Porth Ia, großer Beliebtheit bei den Feriengästen. Wir sind mitten in der Hochsaison hier, und es ist schon immer wieder einen Hingucker wert, wie die Autos sich durch die engen Gassen der Altstadt schlängeln oder quetschen. 

 

Die Altstadt weist gleich zwei Strände auf, ideal zum Schwimmen (nahezu alle tragen Neoprenanzüge dafür) oder zum Surfen lernen (ebenfalls in Neopren, macht auch gleich viel schlanker). 


Auch Künstler wurden schon immer von diesem Ort angezogen. Berühmt ist das Atelier der Bildhauerin Barbara Hepworth, die hier viele Jahrzehnte gearbeitet hat oder das vom Töpfer Bernard Leach, an dessen ehemaliger Wirkungsstätte, die jetzt ein Museum ist, jeden Tag auf unserem Gang vom Ferienquartier in die Altstadt vorbei gehen. Rosamunde Pilcher ist in einem Ortsteil von St. Ives geboren, das in ihren Romanen Porthkerris heißt.

Die Sonne macht sich äußerst rar während unseres Aufenthaltes, darum nutzen wir die Zeit für Museumsbesuche, Shopping in den charity shops, Essen und Wäsche waschen. Von 8:30 bis 13:00 Uhr ist der Waschsalon auch mit einer Person besetzt, die Wäsche im Auftrag wäscht, Geldscheine in Münzen wechselt, sehr hilfreich ist und auch mit Ausflugszielen nicht spart. Er hat sogar einmal als Statist in einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung mitgespielt: als eine Hauptrolle eine Herzattacke erlitt, musste er sich entsetzt die Hände vor den Hund schlagen. Er machte es sehr anschaulich vor. Nachdem die Wasch-und Trockenmaschinen unglaublich viele Pfundmünzen gefressen hatten, war unsere Wäsche sauber und trocken. Im Kleiderschrank der Unterkunft hängt ein kleines Tisch-Bügelbrett, das wurde anschließend ausprobiert, klappte gut.


Der ‚Wäscher‘ (in der Tür zu sehen) erzählte auch, dass die Gegend hier eher arm ist. Wenn die Sommertouristen weg sind, gibt es nahezu keine Einnahmequellen mehr. Wahrscheinlich wird deshalb jeder zur Verfügung stehende Raum vermietet, die kleinste Hütte und auch der Raum über der Toreinfahrt. 


Unsere Unterkunft liegt ca. 15 Gehminuten (wenn wir bergab gehen, sonst mehr) vom Stadtzentrum entfernt, ist ein Neubau (sehr gute sanitäre Ausstattung), aber ohne Verpflegung, dafür mit einem kleinen Kühlschrank und Weingläsern, um den Weißwein angenehm zu temperieren, für uns kein adäquates Frühstück. Wir haben uns erst einmal Picknickschüsselchen und Müsli gekauft, und löffeln das Müsli jetzt jeden Morgen schön langsam mit dem Teelöffel aus. Wir sind ja im Urlaub und haben Zeit. 

Das ist der Blick aus unserem Zimmer:

Lizard Point, Cornwall 

Nachdem wir oben in Schottland vor zwei Jahren bereits den nördlichsten für Zivilisten erreichbaren Punkt mit seinem Leuchtturm besucht haben, durfte der südlichste Punkt des britischen Festlands natürlich nicht fehlen, wenn man schon in der Nähe ist. Also auf nach Lizard Point, früher berüchtigt für viele Schiffsunglücke, aber seit 1752 gibt es den Leuchtturm mit einem der stärksten Leuchtfeuer der Welt, der nun alle drei Sekunden über den stark befahrenen Ärmelkanal blinkt. Die Containerschiffe sahen aus der Entfernung klein aus, gehörten aber zu den ganz großen. Direkt unter der Küste waren viele Segler unterwegs.

Rechts vom Leuchtturm ging es die steile Küste hinab zu einem (aufgegebenen?) kleinen Hafen. Dort bestand der dunkle, fast schwarze ‚Sand‘ aus feingemahlenem Felsgestein. 


Links vom Leuchtturm aus ging es auf einem sehr steilen Pfad hinunter in eine wunderbare Bucht mit Sandstrand und karibisch-türkisfarbenen Wasser. Wir haben es nicht ausprobiert, aber schätzungsweise war das Atlantikwasser nicht ganz so warm wie in der Karibik.

Etwas weiter entlang auf dem Küstenpfad immer auf der Steilküste befindet sich die Lizard Wireless Station. In dieser kleinen Hütte fand das Ereignis statt, mit dem Marconi die Welt veränderte, die ersten transatlantischen Funkverbindungen. Schon als Teenager war der Italiener begeistert von Physik und dachte sich die ersten Geräte aus, die als Vorläufer des Radios gelten konnten. In Italien fand er für seine Ideen keine Unterstützung (ganz im Gegenteil, einige wollten ihn ins Irrenhaus eingeliefert sehen), so ging er als 21jähriger nach Großbritannien (der Heimat seiner Mutter). Dort fand er sogleich staatliche Institutionen als Arbeit- und Auftraggeber. Am Lizard Point wurden 1900 die ersten großen Antennen aufgebaut, um über den Atlantik zu funken. Drei Jahre später wurden täglich Funktelegramme zwischen hier und der Ostküste Kanadas übertragen (immerhin eine Entfernung von fast 4000 km). Den Passagieren und der Besatzung der Titanic hat die Erfindung dann allerdings noch nichts genützt, da die Funker an Bord damit beschäftigt waren, die privaten Telegramme der Passagiere zu senden, statt eingehende Eisbergwarnungen an die Brücke weiterzugeben. Nach dem Untergang wurde eine einheitliche Notruffrequenz eingeführt mitsamt einer Abhörpflicht rund um die Uhr.

Wir konnten uns leider nicht zum Parkplatz zurück beamen und mussten deshalb die ganze Wegstrecke zurück laufen. Die kleine Wanderung und auch schon der Weg mit dem Auto hin auf diese Halbinsel erinnerten uns an unsere Urlaube in Jütland. Die Landschaften sind sich sehr ähnlich. Nur die Breite und der Kurvenreichtum der Straßen war wie in Schottland. Wenn uns ein LKW entgegen kam, half es nur noch, anzuhalten und im Schneckentempo aneinander vorbei zu schleichen. Besser als abgefahrene Außenspiegel und tiefe Kratzer im Lack. Nur Kay braucht starke Nerven. Er sitzt auf dem Beifahrersitz und zieht dann sehr scharf die Luft ein (oder Nacht gleich die Augen zu).

The Lost Gardens of Heligan, Mevagissey, Cornwall


Ein weiteres Gartenprojekt, The Lost Gardens of Heligan, ist ganz in der Nähe vom Eden Project, diesmal handelt sich es um das größte Restaurierungsprojekt des Landes oder sogar Europas. Das gesamte Anwesen von Heligan, ca. 81 Hektar groß (riesig!), mehr als 400 Jahre im Familienbesitz, im 18. und 19. Jahrhundert so ausgereift, dass die gesamte Gemeinde fast autark leben konnte, versank nach dem Ersten Weltkrieg vollständig unter Brombeerhecken in einen Dornröschenschlaf und wurde erst Ende des letzten Jahrhunderts wieder erweckt. Wie konnte das geschehen? Mindestens 13 der angestellten Gärtner, Zimmerleute und Arbeiter zogen in den Krieg, neun von ihnen bezahlten das mit ihrem Leben. Der Eigentümer Heligans konnte das nicht verwinden, zog weg und vermietete das große Herrenhaus, das später verkauft und in einzelne Wohnungen unterteilt wurde. Dadurch wurde es von den es umgebenden Ländereien abgetrennt und letztere „versanken“ in den Dornröschenschlaf.

Zu Beginn der 1990er zeigte der Erbe das verwilderte Gelände einem befreundeten Archäologen. Mit Hilfe von anderen enthusiastischen Freunden, ohne Geld, aber mit einer Vision, begannen sie, das Gelände nach und nach frei- und neu anzulegen, die verfallenen Gebäude zu restaurieren, um die Anlage in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Sie wollten mit der Anlage nicht die sonst übliche Geschichte der reichen Großgrundbesitzer erzählen, sondern die harte Arbeit der Arbeiter würdigen. 


Das gelingt: Wir sind über eine Borneo-Hängebrücke über den Dschungel gegangen, haben die alten, halb im Morast versunkenen Skulpturen entdeckt (siehe Fotos am Anfang) und gelernt, wie man zu viktorianischen Zeiten, als man alles exotische besonders hoch schätze, Ananas in eine Art Gewächshaus zog (links und rechts des eigentlichen Hauses werden die Pflanzen den Winter über mit Pferdemist beheizt, im Foto unter den Holzklappen). Als nach einigen Jahren des Ausprobierens die ersten zwei Früchte erntereif waren, wurde die zweite Ananas der Königin zur Goldenen Hochzeit geschickt. Die erste aßen die Gärtner selbst, um sicher zu gehen, dass sie nicht nach Pferdemist schmecken würde.


Wir liefen über Felder und Wiesen, sahen die Tiere, den Obstgarten mit dem Federvieh darin, den Küchengarten und den Blumengarten und noch ganz viel mehr und uralte Rhododendrenbäume, unter denen man Spazierengehen konnte. Eine Theatergruppe hatte dort etliche Szenen eingerichtet.

Im Land der Strippenzieher – Badefreuden

Dieser Beitrag informiert euch diesmal über Badezimmer in England. Das ist kein so langweiliges Thema, wie es euch vielleicht erscheinen mag, die ihr von Normwasserhähnen, Mischbatterien und Zentralheizung, wie wir es inzwischen in unseren unterschiedlichen Behausungen gewohnt sind, verwöhnt seid.Hier schwankt es zwischen hochmodernen Features bei gleichzeitigem Glücksspiel, wie gut die Wasserspülung des Klosetts funktionieren wird. 

Diesmal müssen wir drei unterschiedliche Strippen ziehen, um etwas zu erreichen. Die erste Strippe hängt gleich links neben der Tür und schaltet das Deckenlicht ein. Damit verbunden ist aber auch die Belüftung (nicht überall, aber hier in diesem Beispiel). Das macht den Aufenthalt im Bad zu einer lauten Angelegenheit. Deshalb gibt es auch ein kleineres Licht am Spiegel. Hier kommt nun high tech ins Spiel (ich habe so etwas tatsächlich noch nie in Deutschland gesehen, kein gängiger Baumarktartikel): in der Spiegelfläche befindet sich ein Sensor (der kleine grüne Punkt). Die Berührung mit dem Finger schaltet die kleinen LEDs ein. Das ist cool! 


Das Wasser im Waschbecken kommt, wie überall hier, aus zwei getrennten Wasserhähnen für warm und kalt. Solche bei uns eher in Vergessenheit geratenen Accessoires wie Waschlappen können hier gut zum Einsatz kommen, wenn man denn welche dabei hat. Die nächste Strippe hängt etwas höher und kann leicht übersehen werden. Dabei kann sie in den englischen Sommern sehr nützlich sein, denn es handelt sich um die Heizung, wie vieles hier elektrisch (im Spiegel zu sehen). Der Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie muss enorm sein. Die Heizung brauchen wir aber heute nicht (nicht weil es draußen warm wäre, nein, weit davon entfernt), denn nun geht es in die Dusche. 

In jeder Dusche, die wir bisher in England benutzt haben, kommt das Wasser aus dem Brausekopf. Aber bis es soweit ist, benötigt man in nahezu jedem Badezimmer eine neue Einführung in den Gebrauch. Für diese hier muss natürlich zuerst an einer Strippe gezogen werden. Sonst passiert hier gar nichts. 


Am Kästchen in der Duschkabine wird die Temperatur des Wassers eingestellt. Dabei ist es relativ egal, an welcher Stelle das Rädchen steht, es kommt immer eine Mischung aus eiskalt, kochendheiß und angenehm temperiert heraus. So bleibt das Leben spannend. Die Stop-Position lässt den Wasserstrahl versiegen. Und dann die Badehandtücher, groß wie Bettlaken, das ist klasse.

Eden Project, Cornwall

Die Fahrt geht von Dorset über Devon nach Cornwall, durch die Blackdown Hills, die Straße gesäumt von akkurat geschnittenen Hecken, oder sie führt durch laubgedeckte Grüntunnel hindurch. Es geht sehr steil bergan und mit atemberaubenden Blicken wieder talwärts.An manchen Stellen verengt sich die A30, die eher an unsere kleinen Landstraßen erinnert, auf eine Spur, weil die uralte Brücke über ein Flüsschen eben nur so schmal ist, dass ein Fahrzeug zur Zeit hinüber passt. Dann wieder wird sie zweispurig wie unsere A7 zuhause. 

Wir fahren oben herum um den Dartmoor National Park, anschließend quer durch das Bodmin Moor (ist kein Moor); immer die Hügel hoch auf der rechten Spur, da wir mehr PS unter’m Hintern haben als viele andere, anschließend die Hügel wieder herunter auf der linken Spur, Fuß vom Gas und eher über der Bremse schwebend, es könnte ja eine Polizeistreife am Wegesrand lauern und 120 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit sind bei dem Gefälle schnell erreicht.


Schließlich erreichen wir das Eden Project in der Nähe von St. Austell, ein gigantisches Renaturierungsprojekt, in dem vor ca. 18 Jahren eine aufgegebene Abbauhalde für Porzellanerde (china clay), 15 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, in ein Paradies verwandelt werden sollte. 


Das ist geglückt, das fanden außer uns auch noch tausende andere, die mit uns da waren. In den beiden Kuppelgebäuden (Biomes) sind Pflanzen des Regenwalds (der größte Regenwald unter Dach) und mediterrane Pflanzen (die die Engländer in das richtige Urlaubsfeeling bringen sollen, es gibt dort auch praktischerweise gleich ein Restaurant) untergebracht. Der Regenwald ist klasse, besonders der Gang über den Baumwipfeln (dort wurde es den Engländern dann zu heiß). Die Regenpausen nutzen wir für Spaziergänge in den unterschiedlichsten thematischen Gärten, alles auf Nachhaltigkeit ausgelegt und mit informativen Tafeln bestückt. 


Unser B&B ist nebenan in Roche, ein winziges Örtchen ohne High Street. Dafür haben wir die untere Etage des Hauses für uns: Schlafzimmer, Esszimmer, Bad und Wintergarten, kein Scherz!!

Und in der Nähe ein Chippy: Abendessen!


Sherborne, West Dorset

Eher zufällig sind wir in diesem unglaublich schönen Kleinstädtchen gelandet, in dem viele Gebäude in einem gold-ockerfarbenen Stein erbaut sind, leuchtend in der Sonne, auch schön bei Nieselregen. 

Die Anzeige von Liza bei AirBnB sprach uns an. In der Nähe von Yeovil (jowill ausgesprochen) am River Yeo gelegen, der dort aber nur als kleines Rinnsal parallel zu den Eisenbahnschienen läuft, war Sherborne einst eine sehr bedeutende Stadt, nämlich die Hauptstadt des alten Königreichs Wessex. 


Sherborne Abbey wurde bereits im Jahr 705 gegründet. Das heutige Erscheinungsbild stammt mehr oder weniger aus dem 15. Jahrhundert.Dann gibt es gleich zwei Burgen, eine Ruine aus dem frühen 12. Jahrhundert und New Castle, begonnen als Sommerresidenz von Sir Walter Raleigh. Da er bei Hof leider in Ungnade fiel und im Tower landete, wurde das Anwesen an Sir John Digby verkauft, dessen Nachfahren das Haus so nach und nach durch Um- und Anbauten in ein Schloss verwandelten. Es ist immer noch in Besitz der Familie Digby. Wir haben es uns nicht angesehen, wir wollten lieber shoppen gehen auf der High Street, die hier Cheap Street heißt, weil man früher an Markttagen billig Dinge kaufen konnte. Es gibt hier nur unabhängige kleine Geschäfte und Restaurants und der ganze Ort verzichtet auf Neonreklame. 


Und dann kommen wir bei unserem Weg in die Ortsmitte immer an der Sherborne School vorbei. Hinter dem simplen Namen versteckt sich ein 1550 gegründetes Internat für Jungen, es gehört heute zu den besten des Landes und beherbergt ca. 600 Schüler, wenn nicht grad Sommerferien sind. Eine Plakette an der Außenwand besagt, dass Alan Turing, einer der einflussreichsten Theoretiker der Computerentwicklung und Informatik, der den Enigma-Code maßgeblich entschlüsselte, hier zur Schule gegangen ist.

Lizas Haus steht auf dem Boden des Refektoriums der Old School, ist aber neueren Datums, dafür mit den alten Steinen verkleidet. Man kommt durch einen kleinen Fussweg zur ihr, vorbei an dem alten Schulgebäude, das in vier Wohnungen bzw. Häuser umgewandelt wurde. Abends waren wir im Half Moon Inn, vorne Pub, hinten Restaurant; es gab lecker Essen: Beef and Ale Pie bzw. Bacon and Cheddar Burger.


Montacute House, Somerset

Sommer in Südengland fühlt sich manchmal an wie Sommer in Schottland, nur nicht ganz so kühl und der Regen fällt in patches, Schauer, die zuverlässig bald wieder aufhören. Gut, dass wir uns sowieso gern die Häuser des National Trusts ansehen. Diesmal wählten wir ein Anwesen aus der Tudorzeit aus, die um 1600 erbaute Sommerresidenz eines erfolgreichen 30jährigen Anwalts aus London (ja, so etwas gab es damals schon), der dann von James I auch noch geadelt wurde.

Dieses Manor House wurde nur in den drei Sommermonaten bewohnt, immer mit vielen geladenen Gästen, die alle der schlechten, stinkenden Luft in London entflohen. Da es abseits von allem lag, wurden auch gleich eine eigene Meierei, eine Brauerei, eine Bäckerei und eine Wäscherei mit gebaut. Diese Gebäude haben die Zeit nicht überlebt. Dort befinden sich heute das Café und der Tea Room, gut für uns! Nach einer Führung rund um Haus und Hof benötigten wir eine kleine Stärkung in Form von cream tea.


Das Haus selbst war damals ein extrem modernes Haus mit sehr viel Licht durch die vielen Fenster, die alle aus Glas waren. Das zeigte den Besuchern sofort, dass der Besitzer sehr wohlhabend war, denn Glasscheiben waren damals eine sehr neue Erfindung. Wenn Menschen in ein neues Anwesen umzogen, nahmen sie alle Glasscheiben mit. Da es sich um bleigefasstes Glas handelte, waren die einzelnen Scheiben ja nicht groß und deshalb leicht zu verpacken: einfach aus den Bleistreifen herauslösen (geht wohl ganz leicht) und im neuen Haus passend zu den neuen Ausmaßen wieder zusammen setzen lassen.


Auch vor 400 Jahren schon wollten sich die Gäste im Sommer am liebsten im Freien aufhalten, ein bisschen lustwandeln, Krokett spielen, Bogen schießen und jagen. Aber auch damals schon muss der englische Sommer sehr unbeständig gewesen sein. Im Obergeschoss gibt es einen durchgehenden Raum, eine ca. 60 Meter Galerie, in der bei Regen gespielt und umhergegangen wurde.

Bed and Breakfast in Sherborne

Von Hampshire aus nach Dorset fährt man auf der A303 durch eine sehr hügelige Landschaft. Der Rückreiseverkehr Richtung Londoner Einzugsgebiet war enorm, aber auch uns erwischte mehrmals ein Stau in unserer Fahrtrichtung. Bevor wir überhaupt auf die A303 kamen, ging es über Land, z. B. Richtung The Wallops. Diese entpuppten sich als die Dörfchen Wallop und, ein bisschen bergauf, Over Wallop. Kurz danach ließen wir Palastine links liegen. 


Wir sind fest davon überzeugt, dass der Stau an Stonehenge vorbei nur zustande kam, weil alle Fotos machen wollten. Die Chance nutzen wir dann auch.
12 Meilen vor Sherbourne hieß es dann ‚ab durch die Hecke‘; von der zweispurigen A303 ohne Abbiegespur in einer 90-Grad-Kurve nach links auf eine schmale Straße, die links und rechts von drei Meter hohen, akkurat geschnittenen Hecken gesäumt war. Unser Auto passte gerade mitten durch.


In Sherborne übernachten wir zwei Nächte bei Liza in einem wunderschönen Zimmer mit eigenen Innenhof (Sonne, nun musst du frühabends doch mal scheinen!!). Die Ausstattung ist großartig, und morgen gibt es geräucherten Lachs und Rührei zum Frühstück! Sehr zu empfehlen, das Quartier!!!