Wenn man in England mal etwas erleben möchte, muss man einfach nur die A39 entlang fahren. Diese Straße entpuppte sich als noch herausfordernder als die A30, über die schon in einem früheren Beitrag berichtet wurde. Wir stießen auf sie auf unserer Fahrt nach Tintagle. In Cornwall nennt sie sich auch Atlantic Highway, obwohl man vom Meer meistens nicht viel sieht.

Schließlich landeten wir doch am Wasser und zwar in Westward Ho!, das Ausrufezeichen gehört zum Ortsnamen. Der Ort wurde nach dem gleichnamigen Buch von Charles Kingsley, erschienen 1855, benannt. Wir haben aber nicht herausgefunden, warum das geschah. Unsere AirBnB-Gastgeberin Alison konnte sich noch erinnern, dass sie das in der Schule gelernt hatte, es lag aber schon zu lang in der Vergangenheit. Und es war wohl auch nicht der spannendste Teil der Lokalgeschichte, den sie lernen musste.

Es war gerade Ebbe und der Strand erstreckte sich kilometerlang, fast so wie in St. Peter-Ording zuhause, nur dass hier der Sand überall naß blieb. Man konnte sich nicht mit dem Badelaken in die Sonne legen. Sie hat uns aber auch so ordentlich erwischt. Wie bisher überall hier am Atlantik ist auch Westward Ho! ein Paradies für Surfer.

Wir übernachteten im Nachbarort Northam. Zum Essen empfahl uns Alison die Restaurants in Appledore, gleich nebenan.

Dort feierten sie an dem Tag ihren jährlichen Karneval, aber der Umzug war leider gerade vorbei als wir ankamen. Die TeilnehmerInnen trafen wir, immer noch bunt kostümiert, im Beaver Inn wieder, wo wir sehr lecker zu Abend gegessen haben.



Am nächsten Tag sollte es wieder auf die A39 gehen, aber Alison hatte noch einen lohnenden Ausflugspunkt für uns. Wir fuhren einen kleinen Umweg, um in Ilfracombe die mehr als 20 Meter hohe Bronzefigur Verity von Damien Hirst anzusehen, die dort auf der Pier steht, nach Westen blickend. Die Skulptur stellt eine Allegorie auf Wahrheit und Gerechtigkeit dar, sehr beeindruckend. Das Parkticket gab uns anschließend noch ein bisschen Zeit, um das älteste und bekannteste Seebad in North Devon, ein bisschen zu erkundigen. Wir fanden auch wieder charity shops in der High Street.



Die A39 verlief dann im Norden des Exmoor National Park und wurde zum richtigen Abenteuer. Zuerst fuhren wir durch eine tiefe Schlucht, die Glen Lyn Gorge, die uns hinunter in den Küstenort Lynmouth brachte. Aber man muss ja alles, was man bergab gefahren ist, auch wieder hinauf. Das folgte zugleich, zunächst 25% Steigung, die dank vieler PS immerhin im zweiten Gang zu bewältigen waren, daran sich anschließend 12% im dritten Gang. Belohnt wurde diese Tat mit Weitblicken über den Bristol Channel bis hinüber nach Wales, leider was es sehr dunstig.

Die A39 schlängelte sich weiter, meist kurvig und schmal, nach Porlock, wo es dann wieder hinunterging, schön abgestuftes Gefälle: 13%, dann 20%, schließlich 25%, der Fuß wollte gar nicht mehr von der Bremse. Zeit für eine kleine Pause:

Die Straße blieb kurvig und schmal, als wir ins Landesinnere abbogen, um Richtung Bath zu fahren. Inzwischen war das Navi eingeschaltet, um das nächste Quartier zu finden. Kurz vor Glastonbury verließen wir die A39, nur um dann später doch wieder auf sie zu stoßen, Nach dieser langen und kurvenreichen Fahrt kam das Gerät nämlich auf keine bessere Idee, als uns querfeldein durch richtiges Moor- und Heidegebiet zu schicken, auf Wegen, die schmaler als single roads waren. Am Ende der Fahrt erreichten wir unser nächstes Quartier in der Nähe von Bath, erstaunlicherweise ganz ohne Kratzer im Lack, aber sehr erschöpft und mit etwas schwächeren Nerven.