Tintagle, Cornwall 

Wie einfach sich Kindheitsträume erfüllen lassen, durch einen Besuch von Tintagle, dem sagenumwobenen Ort, allen bekannt durch „Die Nebel von Avalon“. Ja, manchmal besuchen wir auch Orte, die English Heritage (das sind die mit den Ruinen; die Anwesen mit intaktem Dach gehören alle dem National Trust, so ein geflügeltes Wort hier in GB) unterhält. 
Schon die Anfahrt war spannend, die schmalen Straßen lassen nicht vermuten, dass täglich viele Tausende mit Autos und Reisebussen hier einfallen. Noch spannender war die Suche nach ‚dem’ Parkplatz. Im Ort sind massiv Parkplätze gegen saftige Gebühren vorhanden. Wir wollten aber auf den des National Trust, und die sind meist gut ausgeschildert. Meistens, eigentlich immer. Nur heute nicht. Das Navi war keine Hilfe, Google Maps und Maps.Me mussten ran. 


Damit fanden wir die kleinste und unscheinbarste Zufahrtsstraße, die schmaler und schmaler werdend erst hinab und dann hinauf auf die Steilküste führte. Am Ende stand Tintagle Church. Ein Blick um die Ecke zeigte, dass der Weg keineswegs zuende war, sondern immer noch etwas weiter ging, inzwischen höchstens Wanderwegbreite aufweisend und der Atlantik in Sichtweite. Und dann wurde genau eine Lücke frei für unser Auto. Geschafft!!

 
Wir spazierten auf der Steilküste entlang , die Ruinen immer im Blick und das Camelot Castle Hotel, einem Klotz von Hotel, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Da flammte der Kult um King Arthur gerade mal wieder richtig auf, den Gedichten von Lord Tennyson geschuldet. 


Die Burganlagen wurden links und rechts einer Schlucht erbaut, das bedeutete zunächst, viele steile Stufen hinab in die Schlucht, anschließend über eine kleine Brücke, auch schon stufig gebaut, dann 89 Stufen hoch auf die Insel. Und das mit sehr vielen anderen Erwachsenen, kleinen Kindern und Hunden, alle von Zeit zu Zeit überfordert von Hitze, Luftknappheit, Steilheit und Enge einiger Passagen und den damit verbundenen kleinen Staus. 


Aber dann waren wir oben auf der Insel, sahen viele bauliche Überreste von Häusern, Torbögen, Brunnen, dazu Infotafeln und König Artus himself.


Der hat die Burg gar nicht gebaut, konnte er gar nicht, ist ja nur eine Legende, und nach der wurde er hier gezeugt. Auch die Legende von Tristan und Isolde, der in der walled garden Ruine gehuldigt wird, spielte schon hier auf dem Felsen. Beide Legenden waren der Grund, warum Richard, Earl of Cornwall genau dort sein Domizil errichtet haben wollte. Als Halbbruder von King Henry III hätte er wohl gern, dass etwas von den Mythen und der damit verbundenen Glorie auf ihn abfärben würde. Das war um 1230 herum. Ältere Siedlungsspuren datieren bis in das 4. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit gab es noch einen mehr ‚ebenerdigen’ Zugang vom Festland. 


Im frühen 15. Jahrhundert stürzte einiges ein, so dass die Schlucht entstand. Auch die Great Hall der Burg musste immer mal wieder, und dann jeweils kleiner, neu aufgebaut werden, weil Teile des Berges abbrachen. Earl Richard hat dann auch die Entwicklung des Dorfes vorangebracht, da er ihm Marktrechte verlieh. Das Dorf hieß bis 1900 übrigens Trevena. Mit dem oben schon erwähnten Wiederaufflammen des Kults um König Artus wollten die Einwohner doch gern ein bisschen mehr Kapital heraus schlagen und nannten ihr Dorf kurzerhand um in Tintagel. Gut gemacht, funktioniert bis heute!

 
Wir schauten uns noch das alte Post Office im Dorf an, das aus einem mittelalterlichen Langhaus entstanden ist. Klein, verhutzelt, pittoresk, aber zwei Schlafzimmer im Obergeschoss. Und den Schlafboden für die Mädchen und jungen Frauen, um sie von den Männern zu separieren, im Bild die vier Stufen hoch bzw. im anderen Bild hinter der schwarzen Holzverkleidung. Dort schliefen sie auch, wenn sie zu alt waren, um noch verheiratet zu werden. Man vermutet, dass daher der Ausdruck ‚left on the shelf‘ (auf dem Regal liegen geblieben) herkommt. Gut, dass jetzt andere Zeiten herrschen und auch im Deutschen nicht mehr von alten Jungfern gesprochen wird.

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