Wir sind hauptsächlich auf die Idee gekommen, Cornwall zu besuchen, weil wir gern das ehemalige Atelier von Barbara Hepworth mit ihren Skulpturen im Garten im Original ansehen wollten, nachdem wir in der Tate Modern vor einigen Jahren einen Dokumentarfilm darüber gesehen hatten. „Die Tate“ unterhält insgesamt vier Museen, in London die Tate Britain und die Tate Modern (das ist die, in der wir oft sind), im Norden die Tate Liverpool (dort waren wir vor zwei Jahren) und im Westen die Tate St. Ives. Nun haben wir alle zusammmen,Tate St. Ives liegt direkt am Meer in einem sehr eindrucksvollen Gebäude. Leider hat man diesen Eindruck nur von nahem und von innen. Vom Strand aus betrachtet wird es von den umliegenden Appartementgebäuden, Surfschulen und Restaurants unschön eingerahmt. Die strahlend weiße Farbe des Gebäudes hat sich inzwischen durch das rauhe Meeresklima in grau verwandelt (auf der Internetseite, s.u. kann man in früherem Zustand und bei Sonnenschein bewundern). Und gebaut wird auch, im Oktober wird der Erweiterungsbau eröffnet.
Aber im Museum erwartete uns eine Entdeckung. Es wurden zwei Ausstellung gezeigt. Die Keramikausstellung, die auf bestimmte Studios fokussierte, bestand aus mehr als nur Tontöpfen aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts (für uns eher langweilig). Interessant waren die frei, ohne Scheibe, getöpferten Objekte aus Kalifornien aus den 1950er bis 1980er-Jahren und die britischen Objekte aus der Troy Town Art Pottery in London, entstanden zwischen 1960 und heute. Witzige, ironische Skulpturen, die wir gern länger anschauten. Fotografieren war verboten, wer einen Eindruck bekommen möchte, klicke hier: Artists and the Ceramics Studio, 1920-today. Die andere Hälfte der Ausstellungsräume war Jessica Warboys gewidmet, die bereits vor fünf Jahren auf der Documenta 13 zu sehen war. Dort haben wir sie allerdings in der überbordenden Vielfalt von Eindrücken nicht wahrgenommen. Grandios waren ihre Sea Paintings, die sie direkt am Strand ‚malt’, riesige Leinwände, die mit Farbpigmenten bestreut dem Meer zur weiteren Ausgestaltung überlassen werden. Für die Ausstellungen collagiert sie aus den Leinwänden raumgreifende Bilder, die hier akustisch untermalt wurden von Morten Norbye Halverson. Drei ihrer Filme wurden ebenfalls gezeigt, dazu die Gegenstände, die in den Filmen auftauchen. Eine ganz spannende Entdeckung für uns.
Das Barbara Hepworth Museum mit dem Skulpturengarten wird ebenfalls von der Tate unterhalten und liegt nur ein paar Schritte über den Hügel, am Friedhof vorbei, hinter einer sehr hohen Mauer, aber Dank der Wegweiser gut zu finden. Die Künstlerin zog 1939 mit ihrer Familie nach Cornwall, um den Auswirkungen des Krieges in London zu entgehen. Zehn Jahre später fand sie auf der Suche nach einem Atelier dieses Anwesen inklusive Garten als showroom für ihre Werke, wenn potentielle Auftraggeber sehen wollte, wie sie arbeitet. Sie blieb dort auch wohnen, als sie schon sehr erfolgreich war. Unten Küche und Esszimmer, oben ein großer Atelierraum für Holzarbeiten, in dem sie auch wohnte und schlief, nebenan zwei kleine Ateliers für Stein- bzw. Gipsarbeiten. Und dann das eigentliche Schmuckstück, der Garten, den sie so anlegte, dass ihre Skulpturen bestens zur Geltung kamen. Seht selbst:
Wir haben uns auch noch diverse Galerien mit zeitgenössischer Kunst angesehen, denn St. Ives zieht immer noch Künstler in Scharen an. Es war einiges an schönen Werken dabei, aber unser Portmonnaie war zu leer und unser Kofferraum schon zu voll.






