Lizard Point, Cornwall 

Nachdem wir oben in Schottland vor zwei Jahren bereits den nördlichsten für Zivilisten erreichbaren Punkt mit seinem Leuchtturm besucht haben, durfte der südlichste Punkt des britischen Festlands natürlich nicht fehlen, wenn man schon in der Nähe ist. Also auf nach Lizard Point, früher berüchtigt für viele Schiffsunglücke, aber seit 1752 gibt es den Leuchtturm mit einem der stärksten Leuchtfeuer der Welt, der nun alle drei Sekunden über den stark befahrenen Ärmelkanal blinkt. Die Containerschiffe sahen aus der Entfernung klein aus, gehörten aber zu den ganz großen. Direkt unter der Küste waren viele Segler unterwegs.

Rechts vom Leuchtturm ging es die steile Küste hinab zu einem (aufgegebenen?) kleinen Hafen. Dort bestand der dunkle, fast schwarze ‚Sand‘ aus feingemahlenem Felsgestein. 


Links vom Leuchtturm aus ging es auf einem sehr steilen Pfad hinunter in eine wunderbare Bucht mit Sandstrand und karibisch-türkisfarbenen Wasser. Wir haben es nicht ausprobiert, aber schätzungsweise war das Atlantikwasser nicht ganz so warm wie in der Karibik.

Etwas weiter entlang auf dem Küstenpfad immer auf der Steilküste befindet sich die Lizard Wireless Station. In dieser kleinen Hütte fand das Ereignis statt, mit dem Marconi die Welt veränderte, die ersten transatlantischen Funkverbindungen. Schon als Teenager war der Italiener begeistert von Physik und dachte sich die ersten Geräte aus, die als Vorläufer des Radios gelten konnten. In Italien fand er für seine Ideen keine Unterstützung (ganz im Gegenteil, einige wollten ihn ins Irrenhaus eingeliefert sehen), so ging er als 21jähriger nach Großbritannien (der Heimat seiner Mutter). Dort fand er sogleich staatliche Institutionen als Arbeit- und Auftraggeber. Am Lizard Point wurden 1900 die ersten großen Antennen aufgebaut, um über den Atlantik zu funken. Drei Jahre später wurden täglich Funktelegramme zwischen hier und der Ostküste Kanadas übertragen (immerhin eine Entfernung von fast 4000 km). Den Passagieren und der Besatzung der Titanic hat die Erfindung dann allerdings noch nichts genützt, da die Funker an Bord damit beschäftigt waren, die privaten Telegramme der Passagiere zu senden, statt eingehende Eisbergwarnungen an die Brücke weiterzugeben. Nach dem Untergang wurde eine einheitliche Notruffrequenz eingeführt mitsamt einer Abhörpflicht rund um die Uhr.

Wir konnten uns leider nicht zum Parkplatz zurück beamen und mussten deshalb die ganze Wegstrecke zurück laufen. Die kleine Wanderung und auch schon der Weg mit dem Auto hin auf diese Halbinsel erinnerten uns an unsere Urlaube in Jütland. Die Landschaften sind sich sehr ähnlich. Nur die Breite und der Kurvenreichtum der Straßen war wie in Schottland. Wenn uns ein LKW entgegen kam, half es nur noch, anzuhalten und im Schneckentempo aneinander vorbei zu schleichen. Besser als abgefahrene Außenspiegel und tiefe Kratzer im Lack. Nur Kay braucht starke Nerven. Er sitzt auf dem Beifahrersitz und zieht dann sehr scharf die Luft ein (oder Nacht gleich die Augen zu).

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