Sommer in Südengland fühlt sich manchmal an wie Sommer in Schottland, nur nicht ganz so kühl und der Regen fällt in patches, Schauer, die zuverlässig bald wieder aufhören. Gut, dass wir uns sowieso gern die Häuser des National Trusts ansehen. Diesmal wählten wir ein Anwesen aus der Tudorzeit aus, die um 1600 erbaute Sommerresidenz eines erfolgreichen 30jährigen Anwalts aus London (ja, so etwas gab es damals schon), der dann von James I auch noch geadelt wurde.

Dieses Manor House wurde nur in den drei Sommermonaten bewohnt, immer mit vielen geladenen Gästen, die alle der schlechten, stinkenden Luft in London entflohen. Da es abseits von allem lag, wurden auch gleich eine eigene Meierei, eine Brauerei, eine Bäckerei und eine Wäscherei mit gebaut. Diese Gebäude haben die Zeit nicht überlebt. Dort befinden sich heute das Café und der Tea Room, gut für uns! Nach einer Führung rund um Haus und Hof benötigten wir eine kleine Stärkung in Form von cream tea.

Das Haus selbst war damals ein extrem modernes Haus mit sehr viel Licht durch die vielen Fenster, die alle aus Glas waren. Das zeigte den Besuchern sofort, dass der Besitzer sehr wohlhabend war, denn Glasscheiben waren damals eine sehr neue Erfindung. Wenn Menschen in ein neues Anwesen umzogen, nahmen sie alle Glasscheiben mit. Da es sich um bleigefasstes Glas handelte, waren die einzelnen Scheiben ja nicht groß und deshalb leicht zu verpacken: einfach aus den Bleistreifen herauslösen (geht wohl ganz leicht) und im neuen Haus passend zu den neuen Ausmaßen wieder zusammen setzen lassen.

Auch vor 400 Jahren schon wollten sich die Gäste im Sommer am liebsten im Freien aufhalten, ein bisschen lustwandeln, Krokett spielen, Bogen schießen und jagen. Aber auch damals schon muss der englische Sommer sehr unbeständig gewesen sein. Im Obergeschoss gibt es einen durchgehenden Raum, eine ca. 60 Meter Galerie, in der bei Regen gespielt und umhergegangen wurde.
