Hampstead Walk

Heute ging es „in die Berge“ – nach Hampstead, dem höchsten Punkt in London. Im 18. Jahrhundert wurde der kleine verschlafene Ort zu einem populären Kurort, um der sehr schlechten Luft der eng bebauten Stadt zu entfliehen. Wir haben uns mithilfe des Reiseführers ‚London‘s Hidden Walks’ auf die Spuren von vergangenem Wellnessresort, Architektur und heutigem Reichtum begeben. Der Ort selbst hat sich innerhalb von 300 Jahren von einem kleinen Dorf mit gerade mal 600 Einwohnern weitab der Stadt zu einem der teuersten Stadtteile Londons gemausert.
Die Fahrt dorthinein der U-Bahn stellt immer noch eine kleine Weltreise dar, zuerst vom östlichen Stadtrand in die Innenstadt, um dann wieder an den nördlichen Stadtrand zu fahren, insgesamt eine gute Stunde für eine Fahrt. Im Bahnhof von Hampstead angekommen, durften wir die Treppe hoch an die Oberfläche nur im Notfall benutzen, im Normalfall sind die geräumigen Aufzüge das zu wählende Transportmittel. Gut, dass es keinen Notfall gab, denn die enge Wendeltreppe hatte 320 Stufen!!

Der Spaziergang, knapp 8 km lang, führte uns zunächst durch den alten Ortskern mit schönen Stadthäusern, in denen schon immer viele Intellektuelle, Maler, Dichter für einige Zeit wohnten, um ihre Gesundheit in der guten Luft oder mithilfe des eisenhaltigen Wassers aus den Quellen aufzupäppeln. Auch Karl Marx entfloh der Enge seiner Behausung in Soho (eine Wohnung direkt in Hampstead konnte er sich nicht leisten) und machte mit seiner Familie fast jeden Sonntag einen Ausflug nach Hampstead Heath und grillte schon mal eine Kalbskeule zum Picknick auf der Heide. Auch Architekten zog die Gegend an, man kann eine Menge Häuser bewundern. Einige sind skurril, wie das, dessen Dach wie ein Segelschiff geformt ist, damals von einem Marineoffizier bewohnt, der zum Geburtstag des Königs und anlässlich glorreich geschlagener Seeschlachten von seinen Dachterrassen aus Kanonen abfeuerte. Das Haus samt Bewohner diente dem Autor der Mary-Poppins-Bücher als Vorlage für Admiral Boom. Wir sahen moderne Neubauten, die sich sehr gut in das Gesamtgefüge der Straßenzüge einfügten und riesige alte Villen, von denen eine zur Zeit dem Regisseur Ripley Scott gehört. Oder aber das Familienhaus des ungarisch-stämmigen Architekten Ernö Goldfinger, der schon 1936 ein Haus plante und baute, das immer noch sehr modern wirkt und vor allem innen durch eine sehr durchdachte Aufteilung überzeugt. 


Auch hier war das Fotografieren verboten, da etliche Kunstwerke immer noch dem Copyright unterliegen (die Goldfingers sammelten zeitgenössische Kunst, die dort im Haus immer noch zu sehen ist). Wer trotzdem etwas sehen möchte, klicke hier: Goldfinger’s House

Wem der Name bekannt vorkommt: es wird gesagt, dass Mr. Goldfinger, der Architekt, Ian Fleming, dem Autoren, als Vorlage diente für seinen Goldfinger im gleichnamigen James-Bond-Roman.

Aber auch Relikte aus früheren Jahrhunderten gab es noch zu sehen, wie z.B. die Zelle der Gemeinde, in der bis 1829 noch Übeltäter eingesperrt wurden, bevor dann die erste Polizeiwache gebaut wurde. Inzwischen ebenfalls Teil einer Wohnung, aber von außen hübsch gemacht, sodass Martina diesmal hinter Gittern zu sehen ist.

Oder aber die alte Viehtränke, von denen etwas 800 in London aufgestellt waren. Diese hier konnte pro Tag 1200 Pferde mit Wasser versorgen (und die Anwohner gleich mit).

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