Being the Ringmaster – Badefreuden 2

Inzwischen ist unsere diesjährige Reise nach Großbritannien beendet, wir wollen aber nicht die letzten Eindrücke vorenthalten. 
Eine Fährüberfahrt von Dover nach Calais oder Dunkirque gegen 14 Uhr zu buchen, erwies sich als eine sehr gute Idee: die Fähre war nicht so voll, auf der Rückfahrt kamen wir um fast alle Feierabendverkehrsverdichtungen auf den Autobahnen herum und auch die Baustellen waren gut passierbar. Zu Beginn der Nacht zu fahren war auch deutlich angenehmer als von der tiefen Nacht in den Morgen hinein.
Aus der Studentenbude haben wir sehr früh und ohne zu duschen ausgecheckt. Das Badezimmer sollte ab acht Uhr morgens renoviert werden (das war auch bitter nötig). Wir wurden darüber zwar am Abend vorher per Mail informiert (hatten wir nur nicht gelesen), aber das Mädel, das zurzeit in der Wohnung wohnt, anscheinend nicht. Morgens stand die (sehr unwirsche) Wohnungsbesitzerin mit ihrem Handwerker unangekündigt im Flur, polterte herum und weckte so die arme, die am Abend zuvor gearbeitet hatte. Sie musste dann auch noch flugs ihr Zimmerchen leer räumen, weil dort der Schimmel an der Wand übergestrichen werden sollte. Auch laut britischer Vermieter entsteht Schimmel natürlich nur, weil Mieter Einrichtungsgegenstände an die Wand stellen (!!). Wir fragen uns nur, wo sonst Bett, Schrank und Tisch hingestellt werden sollen bei der durchschnittlichen Zimmergröße, die im Vergleich zu unseren Wohnungen winzig ist. An uns wurde das größte Zimmer vermietet. Wahrscheinlich verdienen sich die Studentinnen aus Bulgarien so etwas dazu, um die Miete zu reduzieren. Wir waren definitiv froh, dass wir zuhause studieren konnten.

Der Dusche trauten wir diesmal gar nicht über den Weg, nachdem uns erklärt wurde, dass bei blau das heiße Wasser heraus kommt und bei rot das kalte. Außerdem stand die Badewanne unter der Dachschräge, bequemes duschen sieht anders aus.

Aber die übrigen Duschen wollen wir noch zeigen.


Bei diesem Exemplar zieht man nicht an Strippen, sondern dreht an Ringen. Der vordere Ring regelt die Wassermenge, der hintere Ring die Temperatur. Der Ring über dem Schlauch schaltet entweder die normale Dusche oder aber die Regenschauerdusche an.

Dieser Boiler ist quasi selbsterklärend: großer Knopf für an und aus, Knebel für das Mischen der Temperatur, den oberen Knebel haben wir ignoriert. 

Hier sind die Ringe seitlich angebracht: an/ aus links, Temperaturwahl rechts.


Und dann hatten wir noch eine Wanne ohne Duschvorhang mit je einem Hahn für warmes und kaltes Wasser, das in die Wanne lief. Bei genügend Wasserdruck kam es jedoch auch nach Umlegen des Hebels aus dem Duschkopf heraus.

Alles in allem sind wir sehr zufrieden mit dem Standard, der uns zuhause erwartete.

Canterbury, Kent

Auf unseren Fahrten von Dover nach London und zurück fuhren wir immer an den Hinweisschildern nach Canterbury vorbei. Diesmal planten wir einen Besuch fest ein mit einer Übernachtung in einer StudentinnenWG in einem (ehemaligen?) council flat, durchaus etwas anderes als bei den just retired Hausbesitzern, bei denen wir sonst übernachtet haben. Es war ein bisschen so, als hätten die Mädels halbwegs überraschend Besuch von ihren Eltern erhalten: schnell aufgeräumt und etwas sauber gemacht und sich ansonsten lieber verzogen. Nein, so war es nicht ganz, die Mädels müssen in ihren Semesterferien jobben.

Die Innenstadt ist zu Fuß gut zu erreichen und auch am Sonntag haben die meisten Geschäfte geöffnet. Dementsprechend geschäftig ging es in den mittelalterlich geprägten Gassen zu.

Alle, die jemals in ihrem Leben zumindest ein bisschen Englisch studiert haben, haben auch von den berühmten Canterbury Tales gehört oder sie sogar gelesen. Die Statue des Verfassers, dem Londoner Geoffrey Chaucer, lief uns fast als erstes über den Weg, umgeben von Gebäuden, die sich im Namen alle irgendwie auf die pilgrims bezogen. Kurzer Exkurs als Erinnerungsauffrischung: Eine Gruppe Pilger aus London (Chaucer stammt aus London) macht sich auf den Weg nach Canterbury zum Grab des Heiligen Thomas (Becket, dem Schatzkanzler König Heinrichs des Zweiten, der sich, nachdem er gegen seinen Willen vom König zum Erzbischof von Canterbury ernannt wurde, gegen den König stellte, später von königlichen Soldaten in der Kathedrale ermordet und drei Jahre später (!) vom Papst heilig gesprochen wurde). Die Reisenden erzählen sich gegenseitig Geschichten (tales), um sich die Zeit zu vertreiben, die beste davon soll prämiert werden. Auch Chaucer hatte diese Pilgerreise zum Schrein Beckets gemacht. Dieser ist während der Reformation zerstört, die Gebeine verbrannt und die Asche verstreut worden. Durch auch heute noch kommen Pilger aus aller Welt in die Kathedrale (heute waren welche aus Rochester, Amerika da).

Der Dramatiker Christopher Marlowe, ein Zeitgenosse Shakespeares, hat es nicht so nett getroffen. Natürlich ist das örtliche Theater nach ihm benannt worden, aber auch eine recht neue Shopping Arcade! Das geschieht wohl, wenn man die Stadt bereits als 17jähriger zum Studieren verlässt und in London berühmt wird. Orlando Bloom machte es genau so, bereits als 16jähriger – und: keine Spur von ihm in der Stadt entdeckt.
Die berühmte Kathedrale bestimmt nicht nur die Stadtsilhouette, sondern auch den Stadtkern, denn ein riesiges Areal ist in Besitz der Kirche, inklusive etlicher Geschäfte.


Die Domfreiheit betraten wir durch das Christ Church Gate, ein architektonisches Meisterstück aus dem Jahr 1517. Leider ist die Kathedrale außen (und innen) eingerüstet, sodass sich kein schönes Fotomotiv bot. Aber nach 600 Jahren Bauzeit ab ca. 1200 fallen ein paar wenige Jahre mit Gerüsten nicht wirklich ins Gewicht. 


Wir wollten die Kathedrale sowieso nicht ausgiebig von innen besichtigen, sondern zum Abendgottesdienst, dem Evensong, gehen, dieser besonderen Form mit den liturgischen Chorgesängen. Anglikanisch (naja, nicht weit weg von katholisch), aber sehr schön, man sitzt oder steht nach Anweisung im Programm (grobe Richtlinie für geübte Besucher von evangelischen Gottesdiensten: immer, wenn man dort sitzt, muss man hier stehen und umgekehrt). Netterweise gibt es für die vielen Besucher ausführliche Ablaufbeschreibungen mit allen Texten; und diesmal auch ein Gesangbuch, ein Lied durften wir mit dem Chor zusammen singen (währenddessen lief die Kollekte). Wir kamen gerade noch rechtzeitig, uns wurden die letzten Plätze vorne auf den Bänken zugewiesen, direkt am Chor.


Nach so viel Kultur (und shopping, um ehrlich zu sein), hatten wir Hunger, American Style in good old England:

Shakespeare’s King Lear, 2017

Shakespeare rules!

In dieser Saison schaffen wir tatsächlich drei verschiedene Aufführungen – gute Planung!

Auch King Lear haben wir hier vor einiger Zeit schon einmal gesehen. Der König ist alt und des Regierens müde. Daher möchte er sein Königreich gerecht an seine drei Töchter verteilen. Sie müssen ihm nur erklären, wie sehr sie ihn lieben. Leider weiß er die Klugheit seiner jüngsten und Lieblingstochter nicht zu schätzen und glaubt lieber den Schmeicheleien der beiden älteren. Die jüngste erhält nichts und wird des Landes verwiesen. Die älteren erhalten auch noch ihren Anteil, berauben ihren Vater natürlich prompt seines Reichtums und Gefolges und verjagen ihn schließlich bettelarm vom Hof. Nachdem der König von seinen ältesten Töchtern aus dem Haus gejagt wurde, zeigt er zunehmend Anzeichen von Demenz und muss als Obdachloser schmerzlich erfahren, wie die andere Seite der Gesellschaft, zu der er bisher keinen Kontakt hatte, lebt. Am Ende seines Lebens gelingt es King Lear zwar, seinen Irrtum einzusehen, helfen tut ihm dass allerdings nicht mehr, denn zum Schluss sind alle Hauptpersonen tot.


Diesmal ist das Bühnenbild sehr modern gehalten, alles eingerüstet und mit weißen Planen abgehängt, wie in den Bezirken einer Stadt, in denen keiner mehr lebt. Die SchauspielerInnen kommen als Heimat- und Obdachlose gemeinsam auf die Bühne und nehmen diese in Besitz. Am Ende gibt es auch nur einen minimalen Tanz, um allen Zuschauern zu signalisieren, dass die Menschen nicht wirklich tot sind. Dann gehen alle wieder geschlossen mit ihren Habseligkeiten als Heimat- und Obdachlose von der Bühne. Sehr eindrucksvolle Vorstellung mit, wie bei Mr. S. üblich, mit durchaus lustigen Einlagen.

Shakespeare’s Much Ado About Nothing, 2017

… bzw. 1914, die diesjährige Aufführung im Londoner Globe Theatre siedelt das Setting der Komödie innerhalb des mexikanischen Bürgerkriegs an. Die beiden Revolutionäre Claudio und Benedick kehren gerade siegreich unter Don Pedro von der Schlacht bei Zacatecas zurück und werden von Heros Vater eingeladen, sich für eine zeitlang bei ihm in der Villa in Monterey zu erholen. Claudio will Hero (wegen der hohen Mitgift??) heiraten, Benedick ist verliebt in Heros Cousine Beatrice (und umgekehrt, aber keiner von beiden will das eingestehen). Nur die Intrigen der anderen führen dazu, dass die beiden einander ihre Liebe eingestehen können. Natürlich findet die Hochzeit zwischen Claudio und Hero nicht so einfach statt, auch die müssen eine Bewährungsprobe bestehen, angezettelt von Donna Juanna, der bösen, eifersüchtigen Schwester Don Pedros, bevor sich alles zum Guten wendet.Bilder, 

„It droppeth as the gentle rain from heaven.“
Umbaupause

Die Aufführung war schön, bunt und lebhaft, die Musik sehr gut, ein Revolutionslied zum Abschluss. Mit dem Wetter hatten wir diesmal nicht so viel Glück, denn zwischendurch regnete es immer mal wieder. Wir hatten unser Glück ein bisschen zu sehr auf die Probe gestellt und trotz Vorhersage keine Regenklamotten eingepackt. Und da wir wieder Tickets als groundlings hatten, gab es auch kein Dach über uns, denn groundlings sind die, die im Innenhof stehen. Das kann bei knapp drei Stunden Spielzeit (inklusive der Pause, in der man sich auf den Boden setzen und picknicken darf) etwas anstrengend werden, lohnt sich aber. Bei Ticketpreisen, die für Sitzplätze zwischen 20 und 45 Pfund liegen, liegt der Preis für den Innenhof bei 5 Pfund. Das macht den Besuch mehrerer Aufführungen per Saison möglich. Und wir groundlings dürfen auch durch das viel schönere Eingangstor gehen.

Avebury, Wiltshire 

Auf dem Rückweg nach London legten wir einen Zwischenstopp in Avebury ein. Jede/r kennt Stonehenge, zumindest von Bild- oder Filmaufnahmen. Dabei gibt es Steinkreise (Henge), die noch viel älter und größer sind, aber eben nicht so prominent und allein in der Landschaft herum stehen wie Stonehenge. Hier in Avebury (die Überreste des weltgrößten Steinkreises) kann man sogar ein ganzes Dorf finden, das von einem Steinkreis umgeben ist, inklusive Pub und Kapelle. Dazu ist der Steinkreis nach außen durch einen mächtigen Erdwall abgeschirmt. 


Innerhalb des Kreises gibt es weitere Steinkreise. Die Steine sind nicht behauen wie in Stonehenge. Ausgrabungen haben gezeigt, dass es vom Dorf eine von Steinen gesäumte Allee gegeben hat, die zu einem über eine Meile entfernten Hügel führte. Anders als in Stonehenge darf man zwischen den Steinen herum gehen. Viele Menschen nutzen das schöne Sommerwetter auch für ein Picknick im Schatten eines der riesigen Steine.
Im Manor House hatten wir unerwarteterweise sehr viel Spaß. In einer Kooperation des National Trust mit der BBC wurden die Zimmer wieder hergerichtet, wie sie zu bestimmten Perioden ausgesehen haben könnten, von der Tudorzeit bis hin zu den 1930ern. Die BBC plante eine Serie (2011 ausgestrahlt) über die Restaurierung von solch alten Gebäuden und suchte ein „Versuchskaninchen“, um zu zeigen, wie die Menschen zu unterschiedlichen Zeitrn in solchen Gebäuden gelebt haben. 


Nach dem Abdrehen der Serie ist alles so in den Räumen geblieben. Und nun kommt das gute daran: da alles Repliken sind, darf man alles anfassen und sich sogar in das Bett einer Königin legen (dafür müsste man allerdings die Schule ausziehen, das haben wir nicht gemacht) oder ihre Toilette benutzen (naja, sich zumindest darauf niederlassen). 

 
Aber Kay schlüpfte in die Rolle eines Grafen, der leider allein lebte und so im großen Speisezimmer ganz allein essen musste. Andere spielten eine Partie Snooker, Kinder hatten in der Küche Spaß daran, Getreide in einer Kaffeemühle zu Mehl zu mahlen.


Verkleiden konnte man sich auch, aber das hatten wir ja bereits in Bath gemacht. Das witzigste war das chamber horse, das Zimmerpferd, eine Art Stuhl mit eingebauter Ziehharmonika unter dem Sitz, um darauf hoch und runter zu hüpfen, wie beim Reiten auf einem echten Pferd. Nach einer Weile schwankte dann beim Absteigen auch der Boden unter den Füßen.


Zur Entspannung hätten wir noch einen Tee im Tearoom des Hauses einnehmen können. Wir zogen aber die deck chairs im Garten vor.

Bath, Somerset, part 2

Bei unserem Herumstrolchen durch die Innenstadt kamen wir an dieser, exponiert an einer Straßenecke liegender Kirche vorbei und sahen das verlockende Schild ,Church and Cafe open’. 
Eine gute Idee: Kaffee trinken in der Kirche St. Michael’s Without. Ein lustiger Name für eine Kirche, Sankt Michael Ohne, … ohne was? Eines Infotafel gibt Auskunft. Sie lag bei der Erbauung außerhalb (auch eine Bedeutung von without) der Stadtgrenzen. Plötzlich hört sich der Name völlig logisch an. Der Kuchentresen und der Servicebereich dahinter sind in einem Kirchenflügel untergebracht, die Tische und Stühle rahmen das Taufbecken ein, christliche Popmusik untermalt die Unterhaltungen. Die einheimischen älteren Bewohner treffen sich hier zum gemeinsamen Lunch. Eine ganz wunderbare Atmosphäre für eine kurze Verschnaufpause. 

Dadurch kamen wir etwas zu spät ins Orgelkonzert in der Bath Abbey, Orgel-Matinee immer mittwochs um 13:10 Uhr, Eintritt frei, Spende erbeten. Wir hörten uns schöne ältere und neuere Musik an und konnten uns schon mal im Sitzen die aufwändig gestalteten Deckengewölbe und Kirchenfenster ansehen, bevor wir sie uns nach dem Konzert noch einmal aus der Nähe anguckten.


Anschließend ging es in die Assembly Rooms, die mehrere, unterschiedlich große Säle (Ballsaal für bis zu 1000 Personen, Tearoom für die Einnahme von Erfrischungen für die rastlosen TänzerInnen ab 21 Uhr, ein achteckiger Saal für Karten- und Glücksspiele (außer sonntags, da war Glücksspiel verboten und man lauschte einem Orgelkonzert) für alle möglichen Events vorhalten, und das schon seit 1771. Damals wurden die Damen und Herren der High Society dort per Sänfte hingetragen, bei den damaligen Straßen-und Schmutzverhältnissen und der Kleidung, die zu solchen Events getragen wurde, eine sehr gute Idee. Dort tanzten, spielten, tranken und aßen die Menschen dann die ganze Nacht, und in jedem Raum gab es die passende Livemusik. Auch heute kann man die Räume noch mieten, z.B. für die Hochzeitsfeier, vielleicht nicht mit ganz so vielen Gästen.


Aber das eigentliche Ausflugsziel war das Fashion Museum, das im Untergeschoss beheimatet ist. Dort wurde die Geschichte der Mode der letzten 400 Jahre in 100 Objekten gezeigt und dazu eine Sonderausstellung zur Verwendung von Spitze in der Mode. Sehr interessante Objekte, zum Beispiel Handschuhe, die von Zeitgenossen Shakespeares getragen wurden, Designerbeispiele direkt vom Catwalk und prämierte Uni-Abschlussarbeiten vom letzten Jahr. 


Großen Spaß machte es auch, sich anschließend zu verkleiden. 

Bath, Somerset, part 1

Here be dragons – hic sunt leones (ein Songtitel von Kay) … und das in Bath! Zufällig besuchten wir wieder eine Sonderausstellung mit Illustrationen für Kinderbücher, diesmal im Victoria Art Museum, hier standen Drachen im Fokus. Nicht alle Drachen erscheinen dort niedlich und nett.
Und sie vermehren sich sogar im Museum! Für die Kinder waren überall, auch in der ständigen Ausstellung, Dracheneier versteckt, die sie suchen und zeichnen mussten.

Ein Besuch der Stadt ohne Besuch der Römischen Bäder wäre nichts wert. Der Eintrittspreis ist zwar saftig, aber dafür bekommt man einiges geboten. Das fängt schon damit an, dass man die „kilometerlange“ Schlange umgehen kann, wenn man ein Ticket hat (YEAH, ein super Gefühl!). Die Audioguides bieten außer den normalen Tonspuren auch welche für Kinder, die oft interessanter erzählen und eine von Bill Bryson gesprochene mit seinen Eindrücken. Die ausgegrabenen Fundstücke sind toll in Rekonstruktionen und Videoprojektionen eingebunden. Man erhält einen sehr guten Eindruck vom gesellschaftlichen Badeleben zu Zeiten der Römer. Die waren wirklich ganz weit vorn mit Körperpflege, Saunieren und es sich im kalten britannischen Klima Wohlergehen lassen. 

Auch der Geist kam nicht zu kurz in den angeschlossenen Tempelanlagen. Der Tempel war Minerva geweiht, der Göttin der Heilkunst. Die gesamte Bade- und Tempelanlage war größer als ein Fußballfeld. 


Die heiße Quelle sprudelt auch heute immer noch zuverlässig mit 46,5 Grad und das große Schwimmbecken ist dank ausgefeilter Bautechnik auch nach 2000 Jahren noch wasserdicht. Nur das Sonnenlicht färbt das Wasser grünlich. Die Römer hatten ein Dach darüber gebaut. Das gibt es schon lange nicht mehr. 

A39 von Cornwall über Devon nach Somerset

Wenn man in England mal etwas erleben möchte, muss man einfach nur die A39 entlang fahren. Diese Straße entpuppte sich als noch herausfordernder als die A30, über die schon in einem früheren Beitrag berichtet wurde. Wir stießen auf sie auf unserer Fahrt nach Tintagle. In Cornwall nennt sie sich auch Atlantic Highway, obwohl man vom Meer meistens nicht viel sieht.
Schließlich landeten wir doch am Wasser und zwar in Westward Ho!, das Ausrufezeichen gehört zum Ortsnamen. Der Ort wurde nach dem gleichnamigen Buch von Charles Kingsley, erschienen 1855, benannt. Wir haben aber nicht herausgefunden, warum das geschah. Unsere AirBnB-Gastgeberin Alison konnte sich noch erinnern, dass sie das in der Schule gelernt hatte, es lag aber schon zu lang in der Vergangenheit. Und es war wohl auch nicht der spannendste Teil der Lokalgeschichte, den sie lernen musste.


Es war gerade Ebbe und der Strand erstreckte sich kilometerlang, fast so wie in St. Peter-Ording zuhause, nur dass hier der Sand überall naß blieb. Man konnte sich nicht mit dem Badelaken in die Sonne legen. Sie hat uns aber auch so ordentlich erwischt. Wie bisher überall hier am Atlantik ist auch Westward Ho! ein Paradies für Surfer.


Wir übernachteten im Nachbarort Northam. Zum Essen empfahl uns Alison die Restaurants in Appledore, gleich nebenan.


Dort feierten sie an dem Tag ihren jährlichen Karneval, aber der Umzug war leider gerade vorbei als wir ankamen. Die TeilnehmerInnen trafen wir, immer noch bunt kostümiert, im Beaver Inn wieder, wo wir sehr lecker zu Abend gegessen haben.


Am nächsten Tag sollte es wieder auf die A39 gehen, aber Alison hatte noch einen lohnenden Ausflugspunkt für uns. Wir fuhren einen kleinen Umweg, um in Ilfracombe die mehr als 20 Meter hohe Bronzefigur Verity von Damien Hirst anzusehen, die dort auf der Pier steht, nach Westen blickend. Die Skulptur stellt eine Allegorie auf Wahrheit und Gerechtigkeit dar, sehr beeindruckend. Das Parkticket gab uns anschließend noch ein bisschen Zeit, um das älteste und bekannteste Seebad in North Devon, ein bisschen zu erkundigen. Wir fanden auch wieder charity shops in der High Street.


Die A39 verlief dann im Norden des Exmoor National Park und wurde zum richtigen Abenteuer. Zuerst fuhren wir durch eine tiefe Schlucht, die Glen Lyn Gorge, die uns hinunter in den Küstenort Lynmouth brachte. Aber man muss ja alles, was man bergab gefahren ist, auch wieder hinauf. Das folgte zugleich, zunächst 25% Steigung, die dank vieler PS immerhin im zweiten Gang zu bewältigen waren, daran sich anschließend 12% im dritten Gang. Belohnt wurde diese Tat mit Weitblicken über den Bristol Channel bis hinüber nach Wales, leider was es sehr dunstig.


Die A39 schlängelte sich weiter, meist kurvig und schmal, nach Porlock, wo es dann wieder hinunterging, schön abgestuftes Gefälle: 13%, dann 20%, schließlich 25%, der Fuß wollte gar nicht mehr von der Bremse. Zeit für eine kleine Pause:


Die Straße blieb kurvig und schmal, als wir ins Landesinnere abbogen, um Richtung Bath zu fahren. Inzwischen war das Navi eingeschaltet, um das nächste Quartier zu finden. Kurz vor Glastonbury verließen wir die A39, nur um dann später doch wieder auf sie zu stoßen, Nach dieser langen und kurvenreichen Fahrt kam das Gerät nämlich auf keine bessere Idee, als uns querfeldein durch richtiges Moor- und Heidegebiet zu schicken, auf Wegen, die schmaler als single roads waren. Am Ende der Fahrt erreichten wir unser nächstes Quartier in der Nähe von Bath, erstaunlicherweise ganz ohne Kratzer im Lack, aber sehr erschöpft und mit etwas schwächeren Nerven.

Tintagle, Cornwall 

Wie einfach sich Kindheitsträume erfüllen lassen, durch einen Besuch von Tintagle, dem sagenumwobenen Ort, allen bekannt durch „Die Nebel von Avalon“. Ja, manchmal besuchen wir auch Orte, die English Heritage (das sind die mit den Ruinen; die Anwesen mit intaktem Dach gehören alle dem National Trust, so ein geflügeltes Wort hier in GB) unterhält. 
Schon die Anfahrt war spannend, die schmalen Straßen lassen nicht vermuten, dass täglich viele Tausende mit Autos und Reisebussen hier einfallen. Noch spannender war die Suche nach ‚dem’ Parkplatz. Im Ort sind massiv Parkplätze gegen saftige Gebühren vorhanden. Wir wollten aber auf den des National Trust, und die sind meist gut ausgeschildert. Meistens, eigentlich immer. Nur heute nicht. Das Navi war keine Hilfe, Google Maps und Maps.Me mussten ran. 


Damit fanden wir die kleinste und unscheinbarste Zufahrtsstraße, die schmaler und schmaler werdend erst hinab und dann hinauf auf die Steilküste führte. Am Ende stand Tintagle Church. Ein Blick um die Ecke zeigte, dass der Weg keineswegs zuende war, sondern immer noch etwas weiter ging, inzwischen höchstens Wanderwegbreite aufweisend und der Atlantik in Sichtweite. Und dann wurde genau eine Lücke frei für unser Auto. Geschafft!!

 
Wir spazierten auf der Steilküste entlang , die Ruinen immer im Blick und das Camelot Castle Hotel, einem Klotz von Hotel, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Da flammte der Kult um King Arthur gerade mal wieder richtig auf, den Gedichten von Lord Tennyson geschuldet. 


Die Burganlagen wurden links und rechts einer Schlucht erbaut, das bedeutete zunächst, viele steile Stufen hinab in die Schlucht, anschließend über eine kleine Brücke, auch schon stufig gebaut, dann 89 Stufen hoch auf die Insel. Und das mit sehr vielen anderen Erwachsenen, kleinen Kindern und Hunden, alle von Zeit zu Zeit überfordert von Hitze, Luftknappheit, Steilheit und Enge einiger Passagen und den damit verbundenen kleinen Staus. 


Aber dann waren wir oben auf der Insel, sahen viele bauliche Überreste von Häusern, Torbögen, Brunnen, dazu Infotafeln und König Artus himself.


Der hat die Burg gar nicht gebaut, konnte er gar nicht, ist ja nur eine Legende, und nach der wurde er hier gezeugt. Auch die Legende von Tristan und Isolde, der in der walled garden Ruine gehuldigt wird, spielte schon hier auf dem Felsen. Beide Legenden waren der Grund, warum Richard, Earl of Cornwall genau dort sein Domizil errichtet haben wollte. Als Halbbruder von King Henry III hätte er wohl gern, dass etwas von den Mythen und der damit verbundenen Glorie auf ihn abfärben würde. Das war um 1230 herum. Ältere Siedlungsspuren datieren bis in das 4. Jahrhundert zurück. Zu der Zeit gab es noch einen mehr ‚ebenerdigen’ Zugang vom Festland. 


Im frühen 15. Jahrhundert stürzte einiges ein, so dass die Schlucht entstand. Auch die Great Hall der Burg musste immer mal wieder, und dann jeweils kleiner, neu aufgebaut werden, weil Teile des Berges abbrachen. Earl Richard hat dann auch die Entwicklung des Dorfes vorangebracht, da er ihm Marktrechte verlieh. Das Dorf hieß bis 1900 übrigens Trevena. Mit dem oben schon erwähnten Wiederaufflammen des Kults um König Artus wollten die Einwohner doch gern ein bisschen mehr Kapital heraus schlagen und nannten ihr Dorf kurzerhand um in Tintagel. Gut gemacht, funktioniert bis heute!

 
Wir schauten uns noch das alte Post Office im Dorf an, das aus einem mittelalterlichen Langhaus entstanden ist. Klein, verhutzelt, pittoresk, aber zwei Schlafzimmer im Obergeschoss. Und den Schlafboden für die Mädchen und jungen Frauen, um sie von den Männern zu separieren, im Bild die vier Stufen hoch bzw. im anderen Bild hinter der schwarzen Holzverkleidung. Dort schliefen sie auch, wenn sie zu alt waren, um noch verheiratet zu werden. Man vermutet, dass daher der Ausdruck ‚left on the shelf‘ (auf dem Regal liegen geblieben) herkommt. Gut, dass jetzt andere Zeiten herrschen und auch im Deutschen nicht mehr von alten Jungfern gesprochen wird.

Having Cream Tea in Cornwall or in Devon

Cream Tea, eines unserer Lieblingsgerichte am Nachmittag, besteht immer aus scones, clotted cream, jam und einer Kanne Tee. Scones sind kleine bis mittelgroße Teeküchlein, hier im Südwesten Englands gibt es immer zwei pro Person, das ersetzt dann schon das Mittagessen. Clotted cream ist etwas schwieriger zu beschreiben, denn so etwas gibt es bei uns in Deutschland nicht. Es ist fette Sahne, die die Konsistenz von weicher Butter hat. Sie muss aufgeschlagen sein, denn sie ist nicht flüssig, aber Schlagsahne ist es nicht. Dazu kommt dann Konfitüre, meist aus Erdbeeren. Und der Tee ist schwarz und stark, daher gern mit Milch verdünnt. 


Es stellte sich für uns immer die Frage, in welcher Reihenfolge cream und jam nun aufs Brötchen kommt. In Cornwall fanden wir die Antwort: es gibt zwei einzig richtige Wege, es kommt nur darauf an, wo man sich grad befindet! In Cornwall kommt zuerst die cream, denn man befindet sich schließlich nicht in Devon, wo die es genau anders herum machen.


Praktischer ist es auch, denn die Konfitüre lässt sich besser zuerst verstreichen. 


Aber mit Hilfe eines Löffels und genügend jam funktioniert es auch anders herum ganz gut. Im restlichen britischen Land gibt es die clotted cream immer haltbar abgepackt direkt aus der Kühlung. Da stellt sich die Frage der Reihenfolge nicht mehr, denn ihr Streichverhalten und ihre Konsistenz erlaubt nur die Verwendung analog zu Butter, also zuerst.

Manchmal gibt es aber auch Kuchen 😄